
Wenn wir bei Biotoppflegearbeiten oder der Nistkastenreinigung eine Haselmaus entdecken, ist das immer ein besonderes Erlebnis. Das kleine Wildsäugetier bekommt man nämlich nur äußerst selten zu Gesicht, denn es ist scheu, dämmerungs- und nachtaktiv … und zudem in München selten geworden.
Haselmäuse haben spezielle Ansprüche an ihren Lebensraum: Sie benötigen ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Nahrungsangebot mit Knospen, Beeren, Samen und Früchten – darunter natürlich auch Haselnüsse – und gelegentlich Insekten. Neben einem „gedeckten Tisch“ brauchen sie viele Sträucher und Hecken, um sich dort zu verstecken, zu nisten und fast im Verborgenen ihre Jungen großzuziehen. In verschiedenen der von uns betreuten Biotope – z.B. in Riem oder in der Allacher Heide – findet die Haselmaus noch genügend Nahrung und Rückzugsorte. Sie lebt dort vorwiegend in der artenreichen Strauchschicht und klettert geschickt selbst über kleinste Ästchen und glatteste Baumstämme.

Warum die Haselmaus keine Maus ist
Die Haselmaus gehört nicht zur Familie der „echten Mäuse“, sondern ist die kleinste Vertreterin aus der Familie der europäischen Bilche, zu denen auch Sieben- oder Gartenschläfer gehören. Alle Bilche halten – im Gegensatz zu Mäusen – einen langen Winterschlaf. Und so zieht sich auch die Haselmaus zwischen Oktober und April in ein kuscheliges Winternest zurück, das sie meist am Boden, aber manchmal auch in Nistkästen anlegt. Sollten Sie bei der Reinigung Ihrer Nistkästen einen Bilch entdecken, bitte nicht stören und den Kasten erst ab Ende April wieder öffnen und säubern. Übrigens: Bei Gefahr nutzt die Haselmaus den Totstellreflex und verfällt in einer vorübergehende Starre.


10 Minuten – 2 Atemzüge
Die Haselmaus verschläft die Hälfte des Jahres und lebt bei stark reduzierten Körperfunktionen von den Fettreserven, die sie sich im Sommer und Frühherbst angefuttert hat. Der Herzschlag wird im Winter langsamer, die Körpertemperatur sinkt bis teilweise knapp über dem Gefrierpunkt und die Atemfrequenz wird auf ein Minimum gedrosselt: Zwischen zwei Atemzügen können dabei bis zu 10 Minuten vergehen! Dieses spezielle Energiesparprogramm wird in der Fachsprache als „Torpor“ bezeichnet.
Wenn die Haselmaus im späten Frühjahr aus dem Winterschlaf erwacht, beginnt auch schon die Paarungszeit. Wir hoffen, unsere Haselmäuse schlafen gut ins nächste Jahr!