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Zu viele unnötige Baumfällungen in München

Wissenswertes

Alte Bäume sind ökologisch und klimatisch besonders wertvoll

MÜNCHNER BAUMBILANZ 2024

Die jährlich erstellte Münchner Baumbilanz betrifft Baumfällungen und -pflanzungen im öffentlichen Raum, beispielsweise in Parks, Grünanlagen oder an Straßen. Der private Raum – also Grund in Privatbesitz – wird darin nicht erfasst.

Nach einem Baumverlust von über 22.000 Bäumen von 2010 bis 2022 war die Baumbilanz im letzten Jahr erstmals wieder positiv. Es wurde mehr gepflanzt als gefällt, denn das Baureferat hat den Auftrag erhalten, tausende neue Bäume im öffentlichen Raum zu pflanzen. 2024 gab es somit 4.500 Neupflanzungen gegenüber 2.100 Fällungen.

Unsere Kritik: Dünne Bäume werden bei Fällungen statistisch nicht erfasst, bei Pflanzungen jedoch schon. Die Baumbilanz der Stadt ist daher unvollständig. 

WARUM WERDEN SO VIELE BÄUME GEFÄLLT?

Die meisten Bäume werden im privaten Raum gefällt. Nachverdichtung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Beispiel: Ein älteres Einfamilienhaus mit großem Garten wird verkauft, das Gebäude abgerissen und ein Wohnblock auf das Grundstück gebaut. Die alten Bäume im einstigen Garten werden dafür gefällt. Da für viele Privatgrundstücke ein jahrzehntealtes Bebauungsrecht vorliegt, bricht das Baurecht den Baumschutz. Für große private Bauprojekte muss der Stadtrat eine Zustimmung erteilen – beispielsweise für das „Modellquartier Eggarten-Siedlung“, für das rücksichtslos alte Baumbestände gefällt werden sollen.

Im öffentlichen Raum wird inzwischen großer Wert auf Baumerhalt und Neupflanzungen gelegt. Gefällt wird aufgrund der Verkehrssicherungspflicht, damit Mensch und Umgebung nicht durch umstürzende Bäume oder abfallende Äste gefährdet werden. Das kann auch Bäume betreffen, die gesund aussehen, es aber nicht sind – beispielsweise wegen Wurzelkrankheiten. Auch für Infrastruktur wie Schienen- und Fahrradwege oder Schulneubauten wird gefällt, ebenso für Wohn- und Gewerbeprojekte wie auf dem Virginia-Depot (Zuständigkeit: Stadt München + Land Bayern) oder der Bayern-Kaserne (Zuständigkeit: Land Bayern).

WIE KANN MAN GEGEN FÄLLUNGEN VORGEHEN?

Jede Fällung im Geltungsbereich der Baumschutzverordnung muss von der Baumschutzbehörde geprüft und genehmigt werden. Wer Zweifel an der Rechtmäßigkeit einer Fällung hat, kann sich an die zuständige Behörde wenden (Baumschutzbehörde in München Stadt, Landratsamt in München Landkreis). Auch der örtliche Bezirksausschuss hat eine eigene Begutachtungskompetenz und kann informiert werden.

Fällungen, die nicht als Notmaßnahme durchgeführt werden – beispielsweise wegen Sturzgefährdung – und von der Baumschutzbehörde nicht genehmigt wurden, können von der Polizei gestoppt werden. Das mit der Fällung beauftragte Unternehmen muss eine Genehmigung vorlegen. Geschieht das nicht, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die mit Bußgeldern bis zu 50.000 EUR geahndet werden kann. Fällungen aus nichtigem Grund – beispielsweise wegen Verschattung, Laubfall oder Bau eines Carports – werden in der Regel abgelehnt. 

Genehmigt die zuständige Behörde Fällungen für Bauvorhaben, ist nur schwer dagegen vorzugehen. Der LBV hat die Möglichkeit, in Beteiligungsverfahren Fällungen abzulehnen und Alternativvorschläge vorzulegen. 

Um den dramatischen Schwund von Altbäumen zu verhindern, fordern wir von der Stadt München: 

STOPP UNNÖTIGER FÄLLUNGEN

  • Aufstellung von Bebauungsplänen für bestehende Viertel, um Nachverdichtung zu lenken
  • Baurecht dabei so erteilen, dass wertvoller Baumbestand geschont wird

SCHUTZ VON ALTBÄUMEN

  • Besserer Schutz bei Bauplanungen und temporären Baumaßnahmen
  • Größere Baumgräben (Pflanzgruben) für alte Bäume
  • Anlage eines Altbaum-Katasters als Grundlage für besseren Schutz

ÜBERWACHUNG DER BAUMGESUNDHEIT

  • Bessere Kontrolle von Baumpflegefirmen hinsichtlich Fachkompetenz und Hygiene
  • Neupflanzungen mit Bäumen aus stadteigenen Baumschulen, um die Einschleppung von Krankheiten (z.B. Pilze, Bakterien) zu verhindern

VIELFÄLTIGEN BAUMBESTAND FÖRDERN

  • Linden und Ahorne machen den Großteil des Münchner Baumbestandes aus
  • Geraten diese Gattungen in Not – z.B. durch Dürre oder Schadorganismen – droht im Stadtgebiet verheerender Baumverlust

Unsere aktuelle Baumbroschüre für München finden sie HIER.