
Über 50 Quellaustritte konnten wir bislang in München feststellen. Einige davon sind von Quellbiotopen umgeben, andere sind verbaut und kaum noch als Quellen zu erkennen. Raphaela Karl ist beim LBV München für den Schutz verschiedener Quellbiotope verantwortlich und beantwortet spannende Fragen zu diesem Thema.
WAS GENAU IST EINE QUELLE?
Eine Quelle ist eine Stelle, an der Grundwasser an die Oberfläche tritt, also eine wichtige Verbindungen zu unterirdischem Wasservorkommen. Oftmals hat das dort austretende Wasser eine lange Reise durch verschiedenste Gesteinsschichten hinter sich. Entlang der Isar gibt es vermehrt Quellen, die der Fluss im Laufe der Zeit freigelegt hat.
KOMMT AUS MÜNCHNER QUELLEN UNSER TRINKWASSER?
Von den Anfängen der Stadt vor über 850 Jahren bis ins 19. Jahrhundert spielten die Quellen eine wichtige Rolle, unter anderem für die Bierbrauerei. Inzwischen kommt unser Trinkwasser vorwiegend aus dem bayerischen Voralpenland, davon circa 80 % aus dem Mangfalltal. Es gehört zu den reinsten Trinkwässern Europas.
WAS MACHT QUELLEN SO BESONDERS?
Wassertemperatur, Sauerstoff- und Nährstoffgehalt sind bei Quellen das ganze Jahr über relativ konstant, das macht sie zu einzigartigen Lebensräumen. Organismen, die dort vorkommen, sind perfekt an diese Gegebenheiten angepasst und reagieren empfindlich auf Veränderungen. Einige dieser Lebewesen sind Relikte aus der Eiszeit, zum Beispiel die Quellschnecken der Gattung Bythinella.

WARUM SCHÜTZT MAN QUELLBIOTOPE?
Durch Bebauung, sinkende Grundwasserstände und ungeregelte Freizeitnutzung sind unsere Quellen zunehmend bedroht. Der LBV München setzt sich seit 2006 für Quellbiotope ein – naturschutzpolitisch, wissenschaftlich und durch die Lenkung von Besuchenden vor Ort. Denn der Schutz der Quellen ist doppelt wichtig: Zum Erhalt der Lebensräume und ihrer Organismen als Teil eines funktionierenden Ökosystems, aber auch als Trinkwasserreserve. Mit unserem Engagement tragen wir dazu bei, diesen ökologischen Schatz zu bewahren.
WIE HEISST DAS TIER, DAS DEUTSCHLANDWEIT NUR IN EINEM MÜNCHNER QUELLBIOTOP VORKOMMT?
Das besondere Lebewesen ist die Fluss-Zwergdeckelschnecke, Sadleriana fluminensis. Mit 2 bis 4 Millimetern Länge ist sie ein Winzling. Man geht davon aus, dass sie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten ist. Nun kommt sie – nach aktuellem Wissensstand – in ganz Deutschland nur noch in München an dieser einen Stelle vor. Der Schutz ihres Lebensraums ist daher immens wichtig.

WAS KANN MAN SELBST FÜR DEN QUELLSCHUTZ TUN?
Wer in der Natur unterwegs ist, befindet sich quasi „im Wohnzimmer“ anderer Lebewesen. Durch Tritte, Lärm, Müll, Druck von Fahrradreifen oder die pure Anwesenheit von Mensch oder Hund kann man viel zerstören und vertreiben … oftmals, ohne dass man es merkt. Meine Tipps: Immer auf Wegen bleiben, Hunde anleinen, niemals Müll zurücklassen und sich ruhig verhalten. Besonders in beschilderten Quellbiotopen bitte den Anweisungen auf den Hinweistafeln folgen. Das ist die vielleicht einfachste Art, etwas zum Artenschutz in München beizutragen.
