Sonja Schmids Marienkäferwonne

Sonja Schmids Marienkäferwonne

„Bunter Balkon“ – wie bestellt!


Dieses Jahr sollte es ein noch etwas bienenfreundlicherer Balkon werden. Allerdings nicht nur für Bienen attraktiver, sondern auch für Hummeln, Schwebefliegen und andere Insekten. Das hat sich hervorragend realisieren lassen.
So nach und nach wuchsen die Wildblumen hoch, allen voran die hübschen blauen Kornblumen, Borretsch mit seinen ansehnlichen rosa und hellblauen Blüten, die violette Wilde Malve und das hellrosa Strauchbasilikum; letzteres vor allem von Hummeln heiß begehrt trotz eines für unsere Nasen etwas miesen Duftes.
Zunächst fiel aber unangenehm auf, dass sich an den Kornblumen viele perlenschnurartig angeordnete Läuse einfanden. Was tun? Marienkäferlarven könnten wir im Internet bestellen, da werden gleich 1000 Stück angeboten. Das klang nach schneller Lösung.
Zum Glück war das aber nicht nötig, denn wie gewünscht passierte etwas im Stillen. An der Unterseite eines Sonnenblumenblattes und eines Sonnenhutes tauchten zunächst rätselhafte gelbe Eier auf, die sich weiß verfärbten und aus denen bald viele kleine schwarze Krabbeltiere krochen. Igitt, was ist das? Spinnen waren es nicht, wie ursprünglich vermutet, sondern aus ihnen wurden hübsche orange-schwarz gestreifte Marienkäferlarven und später dann eben ausgereifte flugfähige Marienkäfer. Ein sensationelles Naturereignis spielte sich da vor unseren Augen ab. Die flinken kleinen Larven verbreiteten sich rasant vor allem dort wo es leckere Läuse gab. Und so kam es, dass die Larven immer dicker und größer und die Läuse erfreulicherweise immer weniger wurden. Ein perfektes Zusammenspiel.
Den Höhepunkt bildete die Metamorphose vom Larvenstadium zum Marienkäfer, die sich innerhalb von ein paar Tagen vor meinen Augen vollzog. Die Larven hatten, bevor sie sich in Marienkäfer verwandelten, irgendwo – an einem Pflanzenstengel oder auch an einem Pflanzentopf – angedockt und sich nicht mehr bewegt. In dieser unbeweglichen und festen Haltung reifte das letzte Stadium des Marienkäfers heran. Er löste sich von der Larve und kam zunächst ohne Punkte auf die Welt, die sich jedoch nach und nach herausbildeten und das Tier war perfekt. Es war ein Faszinosum, das sich auf unserem Balkon abspielte und für ein buntes, abenteuerliches und aufregendes Leben dort sorgte.
Sonja Schmid