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Die Wurmkiste

Der Liebe Gott allein weiß, wie man fruchtbare Erde macht,
und er hat sein Geheimnis den Regenwürmern anvertraut.
(Französische Bauernweisheit)

Auch wer keinen Garten hat, kann mithilfe einer Wurmkiste und Kompostwürmern frische Küchenabfälle geruchsneutral zu wertvollem Wurmhumus umsetzen. Selbst auf dem kleinsten Balkon oder in einer 1-Zimmer-Wohnung findet sich ein Plätzchen für einen Wurmkomposter. Solche Wurmkisten gibt es mit einer oder mehreren Kammern, fertig zu kaufen oder zum selber bauen. Wir empfehlen einen Aufbau mit 3 Stapel-Kammern, da dieser Ansatz am leichtesten zu handhaben ist.  Der ideale Standort ist an einem moderat temperierten Ort bei 15-25°C. Schützen Sie die Tiere vor zu extremen Temperaturschwankungen, Frost und Überhitzung durch Sonneneinstrahlung. 

Das Prinzip: Die drei Kammern der Wurmkiste werden aufeinander gestapelt: Die unterste Etage dient nur als Auffangbehälter für Flüssigkeit, darüber folgen die Arbeitsetagen.  Hier setzen Kompostwürmer leicht abbaubare Küchenabfälle zu nährstoffreichem Wurmhumus um. Löcher zwischen den einzelnen Kammern ermöglichen den Würmern einen Wechsel  zwischen den Etagen und einen Ablauf von überschüssiger Flüssigkeit. Die abtropfende Flüssigkeit, die sich unten sammelt, der sog. Wurmtee, bietet als Gießwasserzusatz einen hervorragenden Dünger (empfohlenes Verdünnungsverhältnis 1:10). 

Wie funktioniert‘s?
Zum Start werden ca. 500g Kompostwürmer Eisenia fetida, das entspricht etwa 1000 Tieren, mit 1-2 Liter frischer Kompost- oder Gartenerde und etwas Küchenabfällen in die mittlere Etage, direkt über der Auffangwanne gegeben. Da es die Tiere gerne dunkel und feucht mögen, sollte das Material am besten mit einer Hanfmatte oder einem angefeuchteten Handtuch abgedeckt werden. Kompostwürmer können entweder in frischem Kompost selber gesammelt oder im Internet bestellt werden. Wer Bekannte mit einer bereits funktionierenden Wurmkiste hat, kann sich auch dort Tiere holen. Regen- bzw. Tauwürmer sind dagegen nicht für eine Wurmkiste geeignet, da sie bevorzugt einzeln vorkommen und sich in Wurmkisten schlecht vermehren lassen.
Pro Woche sollten 250-500g kleingeschnittene Küchenabfälle gefüttert werden. Dazu eignen sich weiche Bioabfälle, Papier/Pappe (vorher anfeuchten) und Kaffeesatz. Verzichten sollten Sie dagegen  auf die Gabe von Zitrusfrüchten, Zwiebeln, Knoblauch und tierischen Produkten. Füttern Sie nicht mehr Abfälle, als die die Würmer tatsächlich innerhalb einer Woche verdauen können, da diese sonst verschimmeln und das Ökosystem in der Kiste aus dem Gleichgewicht gerät. Um die Tiere mit lebenswichtigen Mineralien zu versorgen, die sie unter natürlichen Bedingungen im Boden finden würden, ist die regelmäßige Zufütterung eines Mineralienmix mit Kalk anzuraten. Eine fertige Mischung können Sie z.B. im Internet bestellen.Sobald die mittlere Kammer randvoll ist, wird die obere befüllt. Wichtig ist ein direkter Kontakt mit der oberen Etage, nur so können die Würmer zwischen den Etagen wandern. Damit die teilweise recht erkundungsfreudigen Würmer nicht aus der Wurmkiste entwischen, wird die oberste Etage mit einem Deckel aus Holz oder Pappe verschlossen. Ein Plastikdeckel ist weniger gut geeignet, da dieser kaum Luft durchlässt. Innerhalb der Arbeitsetage sollte es beständig feucht sein, damit sich die Würmer wohl fühlen. Gegebenenfalls kann man das Substrat mit Wasser besprühen und so einem Austrocknen vorbeugen. Bereits nach 3-9 Monaten kann der erste Humus aus der unteren der Arbeitsetagen geerntet werden. Dafür wird die Wurmkiste umgeschichtet: Die Kammer mit dem reifen Humus kommt nun nach oben und der Deckel wird für einige Zeit entfernt. Die meisten Würmer befinden sich in der Etage mit frischen Küchenabfällen, die nun unten steht. Die oben verbliebenen Würmer meiden das Licht und ziehen sich bei geöffnetem Deckel in die untere Etage zurück. So müssen bei der Ernte des Wurmhumus nur noch wenige Kompostwürmer per Hand herausgelesen werden. 

Anleitung zum Selberbauen:
Zum Selberbauen eigenen sich ausrangierte Bäckerkisten hervorragend. Sie können aber auch andere Aufbewahrungskisten, die sich gut stapeln lassen, verwenden. Im Optimalfall stehen drei Kisten zur Verfügung, wobei die unterste als Flüssigkeits-Auffangwanne dient. In den Boden der mittleren und oberen Kiste werden Löcher gebohrt (Durchmesser der Löcher: ~ 0,5 cm). So kann das überschüssige Wasser ablaufen und die Würmer können zwischen den beiden oberen Etagen wandern. Damit nicht zu viele Würmer aus Versehen in der Auffangwanne landen, kann der Boden der unteren Etage mit einem dünnen, gut wasserdurchlässigen Baumwolltuch abgedeckt werden.
In der mittleren Kammer wird das sogenannte Wurmbett bereitet. Dazu werden zerkleinerte Kartonage oder Zeitungsschnipsel angefeuchtet und mit ca. 1 Liter frischer Kompost- oder Gartenerde gemischt. Insgesamt sollte eine etwa 10 cm dicke Streuschicht entstehen. Dann werden die Würmer zugegeben, die sich in der Regel sofort verkriechen. Geben Sie sogleich auch eine Portion zerkleinerte Bio-Abfälle als Futter dazu. Decken Sie das Ganze mit einer Hanfmatte oder einem feuchten Handtuch ab, damit die Tiere es schön dunkel und feucht haben. Vergessen Sie nicht auf der obersten Kiste den Deckel anzubringen, damit die Tiere nicht entwischen.

Übrigens: Die Würmer kann man problemlos bis zu einem Monat alleine lassen; einfach eine größere Menge feuchter Kartonage zerkleinern und zugeben.

Sollten Sie die Wurmkiste wieder auflösen wollen, entlassen Sie bitte nur einheimische Kompostwürmer, wie die Eisenia fetida, in den Garten oder die Natur.  

In der Arbeitsetage werden weiche Küchenabfälle zugegeben, die von den Würmern zu Wurmhumus umgesetzt werden. (Foto: J. Prummer)

Löcher im Boden der oberen Etagen ermöglichen einen Ablauf der Flüssig- keit und ein Wandern der Würmer zwischen den Arbeitsetagen. (Foto: J. Prummer)