<- Zurück zu: Gärtnern ohne Torf

Multitalent Moor

Moore erfüllen nicht nur im Sinne des Klimaschutzes (siehe Moore sind Kohlenstoffbomben) eine zentrale Rolle, sondern auch als Lebensraum für seltene Arten. Die sehr spezifischen Ansprüche des Moores fordern speziell angepasste Strategien der Bewohner. Viele der Arten, die hier vorkommen, sind vom Aussterben bedroht. Ihnen steht kein ähnliches Habitat zur Verfügung, auf das sie ausweichen könnten, wenn sie ihren natürlichen Lebensraum verlieren. Das macht Moore zu einem einzigartigen und schützenswerten Gebiet. Gefährdete Arten, die auch in Münchner Mooren vorkommen sind z.B. die Trollblume und der Idas-Bläuling.
Darüber hinaus sind Moore bis zu 10000 Jahre alte Archive, denn in ihrem Torf können sich zahlreiche Hinweise auf die Lebensbedingungen der vergangenen Jahrzehnte finden. Alles was in den letzten Jahrtausenden im Moor gelandet ist, wurde im Torf konserviert. Das wohl beeindruckenste Beispiel dafür sind Moorleichen, wie z.B. der 2003 in Irland entdeckte ‚Old-Croghan-Mann‘, der auf 362–175 v. Chr. datiert wird. Weniger spektakulär, aber für die Wissenschaft von großer Bedeutung, sind archivierte Pflanzenpollen. Durch die Menge und die Pflanzenarten von denen die Pollen stammen, kann man heutzutage auf die Vegetationszusammensetzung, Artenverteilung sowie die Klimageschichte seit der letzten Eiszeit  rückschließen.
Eine weitere Dienstleistung, die Moore für uns erbringen, ist in ihrer enormen Wasserspeicherfähigkeit begründet: Bei Starkregenereignissen wirken Moore als Pufferspeicher. Sie fungieren wie riesige Schwämme, die das Wasser aufnehmen und bei Trockenheit wieder langsam abgeben. Dadurch mindern sie Hochwasserspitzen und verhindern größere Schäden durch Überschwemmungen. Der Schutz von Mooren ist außerdem billiger als aufwendige Hochwasserschutzvorrichtungen.
Außerdem besitzen Moore auch eine Filterwirkung, indem sie Verunreinigungen des Wassers zurückhalten. Niederschlagswasser sickert durch die verschiedenen organischen Schichten des Moores hindurch. Dabei bleiben Schadstoffe an der großen Oberfläche der Moorsubstanz haften. Moore werden daher auch als Nieren der Landschaft bezeichnet.
Moore sind folglich wahre Multitalente, deren Schutz wichtig für unsere Zukunft ist. Die Kosten für die Erhaltung der Moore sind günstig und der Nutzen, den wir dadurch erhalten, ist enorm und zwar nicht nur in einem Bereich.

Der große Brachvogel ist wegen großflächiger Moorzerstörung seit 1969 nicht mehr in München anzutreffen. (Foto: Z. Tunka)

Der Hochmoorbläuling wird in Deutschland in der Roten Liste als stark gefährdet aufgeführt. (Foto: R. Sturm)

Der LBV fördert die Verbreitung der gefährdeten Trollblume in München durch spezielle Pflegemaßnahmen. (Foto: M. Graf)