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Alternativen zu Torf

Torf wird im Gartenbereich seit den 1960ern aufgrund seiner hervorragend bodenlockernden und wasserspeichernden Eigenschaften eingesetzt. Doch wer genauer hinsieht, stellt fest, dass Torf keine Wundererde ist: Torf ist von Natur aus sehr nährstoffarm. Deshalb muss in Blumenerden in großen Mengen Kunstdünger, dessen Herstellung enorm energieintensiv ist, hinzugefügt werden. Und auch bei der Wasserspeicherkapazität lassen sich Mängel entdecken: ist die Erde einmal stark ausgetrocknet, werden die Torfpartikel für lange Zeit wasserabweisend. Diesen Effekt kann man bei Topfpflanzen deutlich sehen: Gießt man Wasser in eine völlig ausgetrocknete Torferde, dann fließt fast das gesamte Gießwasser ungehindert durch und sammelt sich im Übertopf. Darüberhinaus wirkt Torf versauernd auf den Boden, was nur für manche Spezialkulturen, wie z.B. Rhododendron, erwünscht ist. In den meisten Fällen jedoch ist ein saures Milieu für die Pflanzen ungeeignet und muss durch Kalkdüngung ausgeglichen werden. Die Verwendung von Torf als Humuslieferant ist auch nur von kurzem Erfolg. Der hohe Gehalt an organischen Stoffen im Torf ist auf die eingeschränkte Abbaubarkeit in der sauerstoffarmen Umgebung zurückzuführen (siehe 'Torf und Moor'). Sobald Torf in einer sauerstoffreichen Umgebung ist, wird dieser organische Anteil rasend schnell zu CO2 abgebaut, sodass kaum Substanz zum Humusaufbau übrig bleibt.

Mittlerweile haben sich auch schon einige Alternativen zu Torf gefunden, die diesen mehr als würdig ersetzen: Eine sehr leistungsstarke Möglichkeit ist der Einsatz von Kompost. Kompost entsteht durch die Verrottung von Bio- und Gartenabfällen und ist sehr nährstoffreich. Kompost kann entweder ganz leicht selber im Garten aus eigenen Garten- und Bioabfällen hergestellt werden, oder aber bei Kompostieranlagen meist zu sehr günstigen Preisen erworben werden. Vorteil am Kompost ist außerdem, dass zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden – einerseits wird organischer Abfall wie z.B. Pflanzen- und Gemüsereste aus Garten und Küche entsorgt und andererseits erhält man neue Erde. Auf diese Weise bleiben die Nährstoffe im Kreislauf, anstatt deponiert zu werden. Die Verwendung von regionalem Kompost ist daher eine umwelt- und ressourcenschonende Alternative, die auch noch den Boden verbessert. Für Topfpflanzen sollte Kompost allerdings immer mit Gartenerde gemischt werden (ca. 50:50), da er sonst zu nährstoffreich ist. Desweiteren werden Holzfasern und Rindenhumus eingesetzt, um die Bodendichte zu regulieren und langsamen Humusaufbau zu ermöglichen. Um die Wasserspeicherfähigkeit der Erde zu erhöhen werden in torffreien Erden oft Kokosfasern zugesetzt. Kokosfasern werden nicht bei uns hergestellt, sondern stammen aus (sub)tropischen Ländern. Sie sind ein Abfallprodukt der Kokosnuss, das bei der Herstellung von Bodenbelägen oder Matratzen aus Kokosfasern, sowie bei der Gewinnung von Kokosfett in rauen Mengen anfällt. Bisher wurden die Kokosfasern nicht genutzt und deponiert oder verbrannt. Vom gepa Zentralverband kann man sogar fair gehandelte Kokosblöcke erhalten.

Die meisten Gartencenter bieten fertig gemischte torffreie Erden als Sackware an. Diese ist allerdings oft unter den torfhaltigen Erden "versteckt". Daher am besten bei einem Mitarbeiter nachfragen, um lange Suchzeiten zu vermeiden.


Ab 2015 gibt es auch eine LBV-eigene torffreie Erde: die LBV-Naturschutzerde. Diese Bio-Universalerde punktet durch die Herstellung ohne Verwendung von Torf, Schlachtabfällen und synthetischen Düngemitteln.

Für Topfpflanzen kann man mittlerweile in den meisten Gartencentern torffreie Erden als Sackware kaufen. (Foto: LBV-Landsberg)

Ein Umsteigen der Verbraucher auf torffreie Substrate macht den maschinellen Torfabbau überflüssig. (Foto: E. Pfeuffer)

Wer einen eigenen Garten hat, kann durch Kompostierung der Gartenabfälle ganz leicht eigene Erde herstellen. (Foto: M. Meidinger)