(Foto: G. Maier)

 
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Vielfalt erhalten – mit gebietsheimischem Saatgut

Die Temperaturen steigen, die Sonne scheint länger und das Leben in der Natur nimmt langsam wieder Fahrt auf: Das sind perfekte Bedingungen für den Start in die Gartensaison. Hübsche Blumen sind im Gartencenter um die Ecke schnell gekauft. Aber wie kann man die heimische Artenvielfalt im Garten dauerhaft fördern?

Schon auf wenigen Quadratmetern können Sie mit einer Wildblumenwiese ein vielfältiges Nahrungsangebot für Insekten schaffen, das auch noch schön für’s Auge ist. Die Verwendung von autochthonem Saatgut, oder einfacher gesagt gebietsheimischem Saatgut ist hier der Königsweg.
Das besondere hierbei ist, dass das Saatgut von Wildpflanzen aus Ihrer Region vermehrt wurde. Das macht was aus, denn in Ingolstadt herrschen andere Wuchsbedingungen als in Rosenheim. Die lokale Population einer Art ist perfekt an den Standort angepasst: an das Klima, die Bodenverhältnisse, die Menge von Sonnenstrahlen und die Höhenlage. Diese Anpassung sorgt dafür, dass die Pflanzen in ihrer Herkunftsregion allgemein vitaler sind und mehr Biomasse und Blütenstände entwickeln als Artgenossen, die außerhalb ihrer Ursprungsregion wachsen. Diese genetischen Unterschiede und das Gedeihen der Art auf unterschiedlichen Standorten werden umso größer, je weiter entfernt die Herkunftsregionen voneinander sind. Margerite ist also nicht gleich Margerite.

Um die genetische Vielfalt innerhalb der Wildpflanzen Deutschlands zu erhalten, wurden 22 Herkunftsregionen definiert. München liegt in Herkunftsregion 16 „Unterbayerische Hügel- und Plattenregion“. Wer zertifiziertes Saatgut aus dieser Region aussät, leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der genetischen Vielfalt innerhalb einer Pflanzenart.

Auch Bestäuber wie Wildbienen oder Schmetterlinge haben Vorteile von gebietsheimischem Saatgut: Gebietsfremdes Saatgut neigt dazu, früher oder später aufzublühen als Saatgut aus der Region. Bei komplexen Blüte-Bestäuberbeziehungen kann das dazu führen, dass die Blüten der Nahrungspflanze längst verblüht sind, wenn der Bestäuber danach sucht. Für Insektenarten, die auf bestimmte Pflanzenarten angewiesen sind, kann das zu einem Nahrungsengpass führen. Bei autochthonem Pflanzmaterial wird der lokale jahreszeitliche Rhythmus der Pflanzen eher eingehalten, wodurch die wechselseitige Beziehung von Blütenbesucher und Blüten erhalten bleibt. Um die genetische Vielfalt von Pflanzenarten in der Region zu fördern, gibt es im LBV-Naturschutzzentrum in der Klenzestraße 37 in 80469 München ab sofort gebietsheimisches LBV-Saatgut. Mit der Samenmischung für 2-3 m² kann schon eine kleine Ecke im Garten zum Erhalt der genetischen Vielfalt unserer Wildpflanzenarten beitragen.