Verlust von Nahrungsgebieten

Am Anfang der Nahrungskette: heimische Stauden und Sträucher – A. Hoffmann

Neben dem Fehlen von Quartieren wirkt sich Nahrungsmangel als dezimierender Faktor bei Gebäudebrütern und Fledermäusen aus. Deshalb ist neben ausreichendem Quartierangebot der Erhalt geeigneter Nahrungsbiotope zu sichern. Doch vor allem in der Stadt ist dies oft nicht der Fall.

Der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden in Gärten, Grünanlagen und in der Landwirtschaft vergiftet Insekten und ihre Jäger - Vögel und Fledermäuse. Intensive Grünflächenpflege in öffentlichen und privaten Anlagen führt zum Rückgang von Insekten und damit zu schwindendem Nahrungsangebot für alle Insekten fressenden Tierarten. Viele Vögel und Insekten sind an heimische Pflanzen als Nahrung gebunden - exotische Gehölz- und Staudenpflanzungen und nicht fruchtende Pflanzenzüchtungen bieten ihnen kaum oder keine Nahrung.

Eine englische Studie zeigt auf, dass Haussperlinge auch bei ausreichendem Angebot von geeigneten Brutplätzen eine zu geringe Reproduktionsrate aufweisen, weil die nötigen Insekten zur Jungenaufzucht fehlen – zwei von drei Jahresbruten verhungern, die Bestände sinken. Und in der Tat mangelt es Haussperlingen in den heutigen Städten nicht nur eklatant an Brutplätzen, sondern auch an Insekten als Nestlingsnahrung, Samen tragenden Wildstauden und –gräsern als Nahrung für die Altvögel und an Sand- und Wasserflächen zur Gefiederpflege. Der Rückgang des einstigen Allerweltsvogels kann als Indikator für die Bestandsentwicklung anderer Stadt bewohnender Tierarten dienen. 

Artenschutz muss also bei allen bestandsbestimmenden Faktoren ansetzen. Der Erhalt von Stadtbrachen mit Ruderalvegetation, Langgrasfluren und altem Baumbestand und die naturnahe Bewirtschaftung geeigneter Grünflächen sind genauso wichtig wie der Erhalt von Brutplätzen und Quartieren an Gebäuden. Deshalb engagiert sich der Landesbund für Vogelschutz auch für den Erhalt wichtiger Biotope in Stadt und Landkreis.