Tierfeindliche Bauweise

Glas-Stahl-Fassaden – S. Weber

Die heutige Architektur bedient sich zur Gestaltung vielfach neuer Baumaterialien – Glas, Stahl, Kunststoffe und Beton prägen das Erscheinungsbild moderner Bauten. Die Fassaden sind oft glatt, ohne Nischen und andere dreidimensionale Strukturen. Die Dachbereiche sind mit Lochblechen gegen das Eindringen von Tieren hermetisch abgeriegelt. 

Gebäudebrüter und Fledermäuse finden hier kein Quartier mehr, sie können sich an den glatten Wänden nicht festhalten. Große Glasflächen bergen zudem ein hohes Unfallrisiko für Vögel. Doch moderne Bauweise muss nicht tierfeindlich sein! 

Moderne Fassadengestaltung

Mauersegler-Nistplatz an einem Schulneubau – Planung AB Lenz + Helmes

Auch in Neubaufassaden lassen sich Quartiere für Gebäude bewohnende Arten integrieren – ohne optische oder bautechnische Einbußen. In aller Regel reicht es, wenn der direkte Einschlupfbereich eine leicht aufgeraute Oberflächenstruktur aufweist. Da sich die Quartiere ohnehin meist ganz oben an einem Gebäude  befinden, ist der Unterschied in der Oberfläche von unten nicht zu erkennen. Die Quartiere sollten als in sich abgeschlossene Bereiche oder Kästen ausgebildet sein. So wird z. B. der Eintrag von Nistmaterialien in die Durchlüftungszone des Dachbereichs vermieden. 

Entschärfte Glasfläche einer Lärmschutzwand – S. Weber

Glas

Die großflächige Verwendung von Glas ist gefährlich: Vögel können es nicht als Hindernis erkennen. Sie nehmen lediglich den Raum dahinter wahr oder Bäume und Himmel, die sich darin spiegeln; beim Anflug dieser Landschaften prallen sie gegen die Scheiben. Täglich sterben so über 250.000 Vögel in Europa. 

Das Problem ist seit Jahren bekannt. Die Wirkung von Mustern und Strukturen auf Scheiben wurde wissenschaftlich untersucht, und Scheiben mit speziell für Vögel visualisierten Beschichtungen sind bereits auf dem Markt. Insbesondere Lärmschutzwände müssen nicht komplett durchsichtig sein und sollten so gestaltet werden, dass sie keine Gefahr für Vögel darstellen. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt: Ziel ist ein Muster auf der Scheibe, mit Abständen der Markierungen möglichst unter 10 cm.  Auf die Verwendung von Spiegelglas verzichtet der verantwortungsbewusste Planer ganz – der Natur zuliebe.

 

Wie mit Glas gebaut werden kann und der Vogelschutz dennoch berücksichtigt wird, zeigt der Neubau der Paulaner-Brauerei in München-Langwied.

Weitere Informationen zur Problematik und Entschärfung von Glasflächen bieten die Informationsbroschüre "Glasflächen und Vogelschutz" sowie unser Infoflyer "Vogelschutz an Glasflächen".