Baumaßnahmen

Baumaßnahme - S.Weber

Gebäude bewohnende Tierarten sind vor allem durch Veränderungen an den von ihnen genutzten Bauten und an ihren Quartieren betroffen. Viele Gebäudebrüter und alle Fledermausarten leben sehr versteckt; bei Bauarbeiten wird ihre Anwesenheit bzw. die Nutzung bestimmter Bauteile als Quartier oft nicht bemerkt. Durch bauliche Veränderungen werden die Zugänge zu den Quartieren verschlossen oder die Quartiere zerstört, obwohl das Bundesnaturschutzgesetz deren Erhalt bzw. Ersatz vorschreibt.  

Zu den Bedrohungen durch Baumaßnahmen gehören insbesondere:

  • Dachaus- und umbau
  • Fassadensanierung (Wärmedämmung, Renovierungsarbeiten)
  • Dachstuhlsanierungen, v.a. mit chem. Holzschutzmitteln
  • Verschluss von Zugängen (Vogel- und Insektenschutzgitter)
  • Abbruch von Gebäuden
  • Umnutzung von Gebäuden

Das Informationsblatt für Bauherren und Architekten informiert darüber, welche Schritte zu einer Artenschutz gerechten Sanierung vorab nötig sind.

Umbau und Sanierung

Einbausteine für Mauersegler als Ersatzmaßnahme - S.Weber

Um den Wert der Bausubstanz zu erhalten und ältere Gebäude an den heutigen modernen Wohnstandard anzupassen, werden viele Gebäude saniert bzw. modernisiert. Der Einbau von Isolier- und Schallschutzfenstern oder die Wärmedämmung von Fassade und Dach erhöhen den Wert des Wohnraums und dienen der Einsparung von Energie. Der Ausbau ungenutzter Dachräume zu Wohnungen schafft neuen Wohnraum ohne Ausdehnung des Flächenfraßes. 

Moderne Bauweise scheint Spalten und Öffnungen für Tiere entgegenzustehen. Der Einbau von Vogel- und Insektenschutzgittern ist bei Dacherneuerungen zum Standard geworden. Quartiere Gebäude bewohnender Arten gehen dadurch zu Tausenden verloren. Das muss aber nicht so sein; durch die Zusammenarbeit von Architekt, ausführender Baufirma und Fachleuten für den Artenschutz finden sich immer Lösungen, die bautechnisch einwandfrei die Erhaltung von Quartieren für Fledermäuse und Gebäudebrüter ermöglichen: 

Um die Dachdurchlüftung nicht zu beeinträchtigen, können Einzelquartiere vom Rest des Dachraumes abgegrenzt werden; der Einbau spezieller Niststeine in die Fassade schafft Wohnraum für Tiere an Stelle früherer Bauschäden. Dem Einsatz von chemischen Holzschutzmitteln sind giftfreie Verfahren mit Hochfrequenztechnik, Heißluft oder CO²-Begasung zum Wohl von Mensch und Tier vorzuziehen. Bei den Umsetzungsbeispielen finden Sie Lösungen zum Schutz von Gebäudebrütern und Fledermäusen bei Baumaßnahmen sowie Beispiele für gelungene Sanierungs- und Umbaumaßnahmen.

Voraussetzung für das Gelingen einer Artenschutz gerechten Sanierung sind die Vorabprüfung auf Gebäudebrüter- oder Fledermausbesatz und die Einschaltung von Fachleuten für Artenschutz bereits in der Planungsphase.

Bild: Brutnische für Gebäudebrüter als Ersatzmaßnahme – S. Weber

Abbruch von Gebäuden

Abbruchhaus – A. Kistler

Nicht jedes Gebäude lässt sich wirtschaftlich sanieren oder modernisieren. Solche Bauten werden – oft nach jahrelangem Leerstand – abgerissen. Dabei gehen die dort befindlichen Quartiere verloren – denn oft bieten gerade diese Gebäude mit Fassaden-, Dach oder Mauerwerksschäden besonders gute Quartiersbedingungen für Fledermäuse und Gebäudebrüter. 

Um die Tiere durch den Abbruch nicht zu gefährden, sollten im Vorfeld bereits Fachleute zu Rate gezogen werden, die die  Anwesenheit von geschützten Tierarten oder das Vorhandensein von Quartieren feststellen können. 

An den späteren Neubauten sollten, wo immer möglich, wieder Quartiere eingeplant und geschaffen werden.      

Umnutzung von Gebäuden

Gerade in kleineren Siedlungen finden in den letzten Jahren umfangreiche Umstrukturierungen statt. Landwirtschaftliche Betriebe werden aufgegeben und Ställe oder Scheunen zu Büros und Werkstätten umgebaut, Fabrikanlagen und Produktionsstätten werden saniert und als moderne Loftwohnungen verkauft. Diese Umstrukturierungen beenden oft das jahrzehntelange, friedliche Zusammenleben von Mensch und Wildtier unter einem Dach. Vor allem bei Mehlschwalbe, Rauchschwalbe und Eulen ist deshalb ein Bestandsrückgang vorprogrammiert. Beim Umbau derartiger Gebäude sollte besonderer Wert auf die Wiederanlage der Quartiere gelegt werden. Wer sagt denn, dass z. B. die Beobachtung des Brutgeschehens bei Schwalben nicht auch modernes Arbeiten und Wohnen bereichert?