Turmfalke (Falco tinnunculus)

Turmfalke – Z. Tunka

In Mitteleuropa sind Turmfalken typische Vögel der Kulturlandschaft. Häufig sind sie in Stadt und Landkreis zu beobachten, wo sie sich hoch oben an Gebäuden, vorzugsweise an Kirchtürmen, niederlassen. Nicht umsonst bezeichnen sie die Menschen auch als Mauer-, Dom- oder Kirchfalken. Obwohl Turmfalken in Bayern noch flächendeckend verbreitet sind, gehen ihre Bestandszahlen langsam aber sicher zurück.

Turmfalken erreichen eine Körperlänge von ca. 35 cm und eine Flügelspannweite von ca. 75 cm, wobei die Weibchen geringfügig größer sind als die Männchen. Die beiden Geschlechter unterscheiden sich deutlich durch ihre Färbung: Zwar ist bei beiden die Oberseite rotbraun und die Unterseite cremefarben mit schwarzen Flecken, jedoch sind beim Männchen Kopf und Schwanz grau gefärbt, während die Weibchen eine durchgängig braune Färbung aufweisen. Der Schnabel ist bei beiden an der Basis gelblich und an der Spitze grau, die Füße sind gelb mit schwarzen Krallen.

Charakteristisch für Turmfalken sind die langen, schmalen Flügel und der abgerundete Schwanz. Im Flug werden die Schwanzfedern dicht aneinandergelegt, sodass er ganz schmal erscheint. 

Turmfalkenweibchen auf Ansitz – U. Lanz

Jagdgebiete der Turmfalken sind offene Flächen mit lückiger oder kurzer Vegetation wie Wiesen, Weiden oder extensiv genutztes Grünland. In der Stadt jagen sie über Gärten, Parks, Friedhöfen oder Sportplätzen Im Stadtzentrum brütende Turmfalken fliegen mehrere Kilometer weit, um zu ihren Jagdgebieten zu gelangen. Ihr Beutespektrum reicht von Großinsekten bis zu Eidechsen und Mäusen, die den größten Teil ihrer Nahrung ausmachen. Vor allem im Winter, bei geschlossener Schneedecke, jagen Turmfalken auch kleinere Vögel. Ihre Jagdstrategie ändert sich je nach Jahreszeit: Im Winter erspähen sie ihre Beute hauptsächlich von einem Ansitz aus, im Sommer aus dem typischen Rüttelflug. Dabei stehen sie mit gefächertem Schwanz in einer Höhe von 10 bis 20 Metern regelrecht in der Luft, bis sie ein Beutetier entdeckt haben. Dann stürzen sie sich hinunter, bremsen kurz vor dem Boden ab und greifen zu.  

Im Zeitraum von Anfang April bis Anfang Juni legt das Weibchen je nach Nahrungsangebot 3 bis 7 gelblich weiße Eier mit rotbraunen Flecken, die 27 bis 32 Tage lang bebrütet werden. Bei Turmfalken brütet das Weibchen alleine, während das Männchen jagt und Beute zurück ins Nest bringt. Nach weiteren 27 bis 32 Tagen sind die Jungvögel flügge, werden aber noch mindestens 4 Wochen von den Eltern betreut.

Die in Bayern lebenden Turmfalken sind Teilzieher – etliche von ihnen überwintern bei uns, teilweise ziehen sie aber auch in Mittelmeerländer oder sogar bis nach Afrika. Turmfalken wandern einzeln oder in kleinen Gruppen, Hauptzugzeit ist im September und Oktober. Ab Februar kehren sie in ihre städtischen Brutgebiete zurück.

Nistplatz

Turmfalken waren ursprünglich Felsbrüter; heutzutage nutzen sie in menschlichen Siedlungsgebieten vor allem hohe Gebäude wie Kirchtürme, Fabrikschornsteine und Hochhäuser zur Brut. An Gebäuden finden sie Nistmöglichkeiten in Mauer- und Fensternischen oder hinter Schallöffnungen von Kirchtürmen. Gelegentlich brüten sie auch in Bäumen, wobei sie alte Nester von Rabenvögeln oder anderen Greifvögeln übernehmen. Turmfalken nisten in der Regel einzeln, selten auch in Kolonien. Die unmittelbare Umgebung des Nistplatzes wird stark verteidigt, ebenso die Nahrungsreviere. 

Gefährdung

Turmfalkenkasten an Fabrikschornstein – W. Borok

Obwohl Turmfalken nicht als gefährdet gelten, geht ihr Bestand spürbar zurück; Hauptgründe hierfür sind Nahrungs- und Nistplatzmangel. Durch Versiegelung und Bebauung im Stadtgebiet und im Landkreis verschwinden wichtige Jagdreviere und mit ihnen auch die Beutetiere. Als Endglied der Nahrungskette sind Turmfalken auch durch den Einsatz von Pflanzen- und Schädlingsgiften bedroht, da sie das Gift über ihre Beute aufnehmen. Zusätzliche Gefahren für Turmfalken sind Verletzung oder Tod durch Kollision mit Autos oder Glasscheiben, sowie der Stromtod an ungesicherten Stromleitungen. Durch Taubenschutzmaßnahmen vor allem an Kirchen werden viele Nistplätze bzw. deren Einflugöffnungen verschlossen. Durch den Einsatz von künstlichen Nisthilfen und passgenau hinter Kirchturmfenstern eingepassten Nistkästen kann Turmfalken geholfen werden. 

Schutz und Hilfe

Schutzstatus:    besonders geschützt gem. BNatSchG Vogel des Jahres 2007 

 


Schutz- und Hilfsmaßnahmen für Turmfalken:

1.Erhalt von Brutplätzen und Einflugöffnungen; sie werden immer wieder benutzt und stehen unter Schutz. 

2.Anbieten von Nisthilfen in geeigneter Lage

Nisthilfen für Turmfalken sind im Fachhandel erhältlich, können aber auch selbst hergestellt werden.  

handelsübliche Turmfalken-Nisthilfe
Nistkasten, hinter Fensteröffnung angebracht

3.Bei Umbaumaßnahmen an einem Turmfalkenquartier: Bauzeit außerhalb der Brutzeit legen, Nistplatz erhalten


Wer ein Quartier für Turmfalken schaffen möchte, sollte dabei beachten: 

Bevorzugte Gebäude Hohe Gebäude, Türme
Lage am Gebäude Fenster-, Mauernischen
Quartierstyp Kasten
Platzbedarf bxhxt (cm) 30-50x35-40x30-50 cm
Einflugöffnung (mm) 200x300 mm 
Besondere Bedingungen keine
weitere Maßnahmen Anflugbrett 20 cm tief vor Quartier

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Landesbund für Vogelschutz
Projekt Artenschutz an Gebäuden

Klenzestr. 37
80469 München

Tel.: 089 20 02 70-83
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