Rauchschwalbe (Hirundo rustica)

Rauchschwalbe – M. Fröhlich

Rauchschwalben sind typische Kulturfolger; während sie früher auch häufig in Städten brüteten, findet man sie heute vor allem im Umfeld von landwirtschaftlichen Gehöften am Stadtrand und in den umliegenden Gemeinden.

Rauchschwalben sind durch ihre langen Schwanzspieße, die weißliche Körperunterseite und die rostrote Farbe von Stirn und Kehle gut von der ebenfalls bei uns vorkommenden Mehlschwalbe zu unterscheiden. Ihre gesamte Oberseite glänzt metallisch dunkelblau, Schnabel und Füße sind schwarz.

Rauchschwalben sind geschickte Flieger. Bei ihren Flugmanövern erreichen sie Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h. Die Fütterung der Jungen geschieht häufig im Rüttelflug vor dem Nest oder über den außerhalb sitzenden flüggen Jungvögeln. 

Die Nahrung der Rauchschwalben besteht aus Fluginsekten aller Art wie Fliegen, Mücken und Blattläusen; sie jagen meist im näheren Umkreis ihrer Nester über offenen Grünflächen, bei ungünstigem Wetter auch in großen Scharen dicht über Gewässern, wo sie schlüpfende Mücken erbeuten, oder in Ställen. Ihre Flughöhe variiert je nach Wetterlage, was ihnen auch den weit verbreiteten Ruf als Wetterboten einbrachte.

Rauchschwalben brüten in der Zeit von Mitte April bis Anfang September zweimal. Das erste Gelege besteht meist aus 3 bis 6 weiß-braun gefleckten Eiern, die zweite Brut beginnt ungefähr 50 Tage später und ist etwas kleiner. In besonders günstigen Jahren kann es zu einer dritten Brut kommen. Trotz der scheinbar hohen Vermehrungsrate überleben nur wenige Jungvögel das erste Jahr. Die Eier werden 12 bis 18 Tage lang bebrütet. Die Jungen bleiben nach dem Schlüpfen 20 bis 24 Tage am Nistplatz, werden aber nach dem Ausfliegen noch bis zu 2 Wochen von den Eltern gefüttert. Jungvögel kehren in dieser Zeit zur Übernachtung ins Nest zurück.

Rauchschwalben sind Zugvögel, die die Zeit von Ende März bis Mitte September bei uns verbringen. Als ausgesprochene Langstreckenzieher überwintern sie im südlichen Afrika.

Nistplatz

Rauchschwalbennistplatz – Dr. A. Schulze

Rauchschwalben haben ihre Verbreitungsschwerpunkte in München im Süden (Tierpark), in Reiterhöfen am Stadtrand und in den Reitanlagen in Riem und Daglfing. In Stadt und Landkreis weichen sie wegen zunehmender Aufgabe landwirtschaftlicher Betriebe auf Tiefgaragen, Tordurchfahrten und offen stehende Werks- und Bahnhofshallen aus.

Im Gegensatz zur Mehlschwalbe befinden sich die Nistplätze der Rauchschwalbe im Inneren von Gebäuden – sie werden entweder frei an Wände oder Vorsprünge geklebt oder auf Balken, Vorsprünge und Simse aufgesetzt. Die Nester haben die Form einer oben offenen Viertelkugel und bestehen aus lehmigen Erdklümpchen, in die zur Verstärkung Grashalme oder Haare eingearbeitet werden. Im Inneren wird die geglättete Nestmulde mit Federn, Haaren oder feinem Pflanzenmaterial ausgekleidet.

Je nach Nistplatzangebot brüten Rauchschwalben entweder in Einzelpaaren oder in Gruppen; der Nistplatz wird heftig gegen Artgenossen verteidigt; Flugfeinde (z.B. Greifvögel) hingegen werden gemeinschaftlich angegriffen.

Rauchschwalben zeigen eine hohe Nistplatztreue: viele Jungvögel siedeln sich für ihre erste Brut nur wenige Kilometer von ihrem Geburtsnest entfernt an. Altvögel bessern ihre Nester aus und benutzen sie immer wieder - in manchen 

Fällen über einen Zeitraum von bis zu 25 Jahren. 

Gefährdung

Der Bestand an Rauchschwalben geht in menschlichen Ballungsräumen stetig zurück, in Großstadtzentren fehlen sie mittlerweile fast völlig. Grund dafür sind Nahrungsmangel sowie Mangel an Nistplätzen und Nistmaterial, die durch mehrere Faktoren entstehen: Die Aufgabe von Reiterhöfen oder landwirtschaftlichen Betrieben mit Tierhaltung sowie die Veränderung der Viehhaltung (moderne Ställe ohne Einflugmöglichkeiten oder mit starker Durchlüftung) beraubt sie ihrer Nistplätze. Mit Verdichtung und Flächenbebauung in Stadt und Landkreis steigt die Versiegelung, Jagdgebiete der Rauchschwalben verschwinden; auch die für den Nestbau nötigen Lehmpfützen gibt es auf versiegelten Flächen nicht mehr, Insektenreichtum kann sich hier nicht entwickeln – Nahrungsengpässe entstehen. Die Ergebnisse der Münchner Rauchschwalbenkartierung, die der LBV 2013 mit Förderung der Landeshauptstadt München durchgeführt hat, finden Sie Initiates file downloadhier.

Obwohl Rauchschwalben orts- und nistplatztreu sind, gewöhnen sie sich problemlos an bereit gestellte künstliche Nester. Diese dürfen jedoch nicht zu weit vom ursprünglichen Nistplatz entfernt sein.

Schutz und Hilfe

Schutzstatus:    besonders geschützt gem. BNatSchG Rote Liste V  Vogel des Jahres 1979


Schutz- und Hilfsmaßnahmen für Rauchschwalben:


1.Nester nicht entfernen, sie stehen unter Schutz und werden wieder verwendet!

2.Sollte der herunterfallende Kot stören, kann ca. 60 cm unter dem Nest ein Kotbrett angebracht werden. Dieses sollte 25 cm tief sein und an den Seiten 10-20 cm über den Nestrand herausragen.

3.Abbrechen der Nester und Mangel an Baumaterial kann durch Bereitstellen von Stützbrettchen und Lehmwannen verhindert werden.  

4.Anbieten von Nisthilfen in geeigneter Lage

Nisthilfen für Rauchschwalben sind im Fachhandel erhältlich.

handelsübliche Rauchschwalben-Nisthilfe Auf einem Stützbrettchen hält das Nest besser
Rauchschwalben am Kunstnest – M. Fröhlich
Rauchschwalbennest auf Stützbrettchen – M. Fröhlich

5. Bei Umbaumaßnahmen in einem Rauchschwalbenquartier: Bauzeit außerhalb der Brutzeit legen

6.Erhalt von Brutplätzen oder Anbieten von Ersatznistplätzen nach dem Umbau; Offenhalten der Einflugöffnungen

Wer ein Quartier für Mehlschwalben schaffen möchte, sollte dabei beachten: 

 

Bevorzugte Gebäude Scheunen, Ställe, Tiefgaragenzufahrten, Durchfahrten
Lage am Gebäude im Gebäude 15 bis 20 cm unter der Decke aufgesetzt auf Vorspüngen/Sims
Quartierstyp Nest
Platzbedarf bxhxt (cm) 15x15x15
Einflugöffnung (mm) Halbschale, oben offen
Besondere Bedingungen ggfl. Fenster offen halten
weitere Maßnahmen Kotbrett empfehlenswert

 

Besonders vorteilhaft sind ein naturnahes Umfeld und die Nähe zu extensiv bewirtschafteten, insektenreichen Grünflächen sowie Gewässern als Jagdgebiet.

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