Kohlmeise (Parus major) und Blaumeise (Parus caeruleus)

Kohlmeise - Dr. Andreas Schulze

Mit ihrer kecken Art und ihrem abwechslungsreichen Gesang gehört die Kohlmeise sicherlich zu den bekanntesten und beliebtesten Vogelarten in unseren Gärten. Die größte Meisenart Europas – sie wiegt an die 20g – kann man gut an ihrer gelben Unterseite, dem schwarzen Bruststreifen und der schwarz-weißen Kopfhaube erkennen. Bei den Männchen ist die schwarze „Krawatte“ meist ausgeprägter als bei den Weibchen, wodurch man das Geschlecht leichter bestimmen kann.

Blaumeise - Josef Schröpfer

Auch die kleinste heimische Meise, die Blaumeise, ist mit ihrem blau leuchtenden Gefieder kaum zu übersehen. Der lebhafte Vogel turnt gerne in den äußersten Baumwipfeln umher, wo er mit akrobatischer Leichtigkeit nach kleinen Insekten sucht. Männchen und Weibchen sehen fast identisch aus: beide haben eine blaue Stirn mit einem feinen Augenstrich, auch Flügel und Schwanz sind blau – beim Männchen von etwas kräftigerer Farbe als beim Weibchen. Brust und Bauch sind zart gelb. Obwohl Kohl- und Blaumeisen eigentlich in Laub- und Mischwäldern Zuhause sind, fühlen sie sich in der Nähe der Menschen ebenfalls sichtlich wohl und kommen in Parks und Gärten häufig vor. 

Im Sommer ernähren sich die beiden Meisenarten hauptsächlich von Insekten, deren Larven und Spinnen, außerhalb der Brutzeit werden vermehrt Sämereien, Früchte und Knospen verspeist. Auch in harten Wintern brauchen sie aufgrund menschlicher Zufütterung Nahrungsengpässe kaum zu fürchten.

Nistplatz

Die neugierigen Meisen sind Höhlenbrüter, die neben ihren ursprünglichen Baum- und Spechthöhlen überwiegend Nistkästen an Bäumen zur Brut benutzen. Gelegentlich suchen sie auch in Mauerritzen, unter Dachziegeln, unter Flachdächern oder in anderen Höhlungen an Gebäuden nach Nistgelegenheiten – manchmal sogar in Briefkästen oder Gieskannen! Gebäudehöhe und -typ spielen kaum eine Rolle. Da Meisen Reviere bilden und diese auch energisch verteidigen, ist der Abstand zwischen den Nistplätzen recht groß. Blaumeisen bevorzugen Bruthöhlen mit kleinen Einfluglöchern (d=26-28 mm) – somit ist die Gefahr geringer von einer größeren Vogelart vertrieben zu werden. Beide Meisenarten bauen ihr Nest aus Moos; die Nistmulde wird mit Tierhaaren ausgepolstert. 

Gebrütet wird zwischen April und August, wobei Kohlmeisen je nach Nahrungsangebot bis zu drei Bruten aufziehen können. Blaumeisen ziehen meist nur ein bis zwei Bruten pro Saison auf, haben dafür aber größere Gelege mit bis zu 16 Eiern – Kohlmeisen legen dagegen normalerweise nicht mehr als 12 Eier. 

Die standorttreuen Meisen bleiben das ganze Jahr über in ihrem Revier und benutzen auch im Winter die Nistplätze gerne als Schlafhöhlen. Wer also einer Meise Mitwohngelegenheit bietet, kann sich auf eine längere Nachbarschaft freuen!

Meisennester im Flachdachbereich - S. Weber

Schutz und Hilfe

Schutzstatus: besonders geschützt gem. BNatSchG

 
Schutz- und Hilfsmaßnahmen für Kohl- und Blaumeisen:

1. Höhlungen am Haus oder im Mauerwerk offen lassen

2. Bauzeit während der Abwesenheit der Vögel 

3. Auf Baustellen: Bruten zu Ende führen lassen, keine Störungen am Nest! 

4. Anbieten von Nistkästen in geeigneter Lage  

Meisen lassen sich leicht für Nistkästen begeistern. Falls eine Meise am Ihrem Haus nistet, können Sie diese zum Umsiedeln bewegen, indem Sie vor Beginn der Brutsaison einen oder mehrere Meisenkästen an Bäumen aufhängen. Die neugierigen Vögel werden die neue Nistgelegenheit schnell entdecken und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch beziehen - immerhin haben sie dort mehr Platz zur Verfügung als in einer Mauerritze oder unterm Dach. Achten Sie darauf, dass die Kästen in der Nähe der alten Brutstätte sind – außerdem sollten sie Wind- und Wetterfest sein. Blaumeisen bevorzugen Eichenbäume, Kohlmeisen eher kleinere Bäume (z.B. Obstbäume). 

Wer Nistmöglichkeiten für Kohl- oder Blaumeisen schaffen möchte, sollte dabei beachten:

Bevorzugte Gebäude Gebäude unterschiedlicher Höhe oder Bäume
Lage am Gebäude Nistkästen oder Niststeine an Wänden, unterm Dach oder an Bäumen; ab 3 m Höhe
Quartierstyp Höhlenbrüter
Platzbedarf bxhxt (cm) Mind.14x16x12 cm
Einflugöffnung (mm) Blaumeise d=27 mm Kohlmeise d=32 mm
Besondere Bedingungen Einzelbrüter, halten Reviere
weitere Maßnahmen Nistkästen im Winter säubern

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Projekt Artenschutz an Gebäuden

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