Zweifarbfledermaus (Vespertilio murinus)

Zweifarbfledermaus – Dr. A. Zahn

Zweifarbfledermäuse gehören zu den mittelgroßen Fledermausarten; sie erreichen eine Körperlänge von 5 bis 6 cm und eine Spannweite von ca. 30 cm. Ihren Namen verdankt die Zweifarbfledermaus ihrer charakteristischen Fellfärbung: Die Wurzeln der Haare auf ihrer Oberseite sind schwarzbraun, die Spitzen hingegen silberweiß. Die Unterseite ist weißgrau und scharf von der Oberseite abgegrenzt. In der späten Dämmerung verlassen die Zweifarbfledermäuse ihre Quartiere. Sie jagen in schnellem Flug in großer Höhe oder über größeren Gewässern Insekten wie z. B. Käfer oder Nachtfalter.

Die Wochenstubenzeit der Zweifarbfledermaus ist vermutlich von Anfang Mai bis Ende Juli, es sind jedoch keine genauen Daten bekannt. Dies liegt daran, dass bei dieser Art auch die Männchen Kolonien von bis zu 200 Tieren bilden, die dieselben Quartiere besiedeln wie die aus Weibchen bestehenden Wochenstuben. In Westeuropa sind fast nur solche Männchenkolonien nachgewiesen. Anfang bis Mitte Juni bringen die Weibchen 2 bis 3 Junge zur Welt, die mit 6 bis 7 Wochen entwöhnt werden. Zweifarbfledermäuse sind die einzige europäische Art, bei der die Weibchen 2 Paar Milchzitzen haben; dies erklärt auch, weshalb Zwillings- und Drillingsgeburten die Regel sind. 

Gefährdung

Da die Quartiere der Zweifarbfledermäuse hauptsächlich an und in Gebäuden liegen, sind sie durch den Verlust dieser Unterschlüpfe sowie durch die Verwendung giftiger Holzschutzmittel bei Sanierungen bedroht. Im Vorfeld einer Gebäudesanierung ist es wichtig, zunächst zu klären, ob eine Wochenstuben- oder eine Männchenkolonie vorliegt. Des Weiteren sollte bekannt sein, zu welchen Zeiten ein Quartier genutzt wird. Problematisch ist, dass die Besiedlungszahlen stark schwanken können und die Tiere nicht jedes Jahr zur gleichen Zeit ankommen. Andere wichtige Informationen, die vor Baubeginn vorliegen sollten, betreffen die Nutzung der Hangplätze im Quartier, die Nutzung der Flugöffnungen sowie potentielle Alternativquartiere in der Nähe. 

Zweifarbfledermäuse sind sehr zugluftempfindlich; es ist daher bei allen Maßnahmen darauf zu achten, dass die Quartiere möglichst luftgeschützt bleiben. Männchenkolonien nehmen Ersatzquartiere mitunter an, diese sollten jedoch ein möglichst breites Spektrum an Temperaturbereichen besitzen, um den natürlichen Wechsel zu Plätzen mit Temperaturoptimum zu ermöglichen.

Kot hinter dem Fensterladen weist auf ein Fledermausquartier hin - Dr. A. Zahn

Quartier

Die ursprünglichen Lebensräume der Zweifarbfledermäuse sind felsige Landschaften; deshalb sind sie im Stadtgebiet häufig an Hochhäusern zu finden. Im Sommer nutzen die Männchen Quartiere hinter Holzverkleidungen, Fensterläden, in Rollladenkästen, Zwischendächern oder Kamineinfassungen. Wochenstubenquartiere befinden sich in Spalten an und in Gebäuden, in Mauerrissen oder im Gebälk von Dachböden. Der Einflug in die Quartiere erfolgt meist von unten, die Umgebung der Öffnungen sollte frei von störender Vegetation sein. Die zeitliche Nutzung der Sommerquartiere durch Männchenkolonien ist sehr variabel: Manche sind im Frühjahr oder Frühsommer nur einige Wochen besetzt, andere von April bis August. Da in Bayern schon seit Jahren keine Wochenstube mehr nachgewiesen wurde, ist keine genaue Aussage zum Zeitraum der Nutzung möglich. Sowohl Männchenkolonien als auch Wochenstuben wechseln häufig ihre Quartiere.

Zweifarbfledermäuse legen auf dem Weg zu ihren Winterquartieren Strecken bis zu 900 km zurück, damit gehören sie zu den Langstreckenziehern unter den Fledermäusen. Den Winter verbringen sie in Spalten auf Dachböden, in Mauern oder Felsen, selten auch in Kellern oder unterirdischen Gewölben.

Schutz und Hilfe

Schutzstatus: streng geschützt gem. BNatSchG Rote Liste 2 stark gefährdet

 

Da die bevorzugten Jagdreviere der Zweifarbfledermäuse Seen und Flachmoore einschließen, ist es wichtig, diese samt ihrer umgebenden Landschaftsstrukturen zu erhalten; weitere Schutzmaßnahmen betreffen die Zweifarbfledermaus-Quartiere an Gebäuden:

1. Einflugöffnungen von Quartieren offen halten

2. Prüfung auf Vorkommen von Fledermäusen und ihren Quartieren vor Sanierungsbeginn

3. Erhalt des Klimas im Quartier, keine Zugluft!

4. Bauzeit während der Abwesenheit der Tiere 

5. keine Verwendung von Fledermaus gefährdenden chemischen Holzschutzmitteln bei Dachsanierungen

Initiates file downloadListe Fledermaus verträglicher Holzschutzmittel (pdf 24 kb)

6. Schutz der Winterquartiere vor Störungen

7. Anbieten von Fledermauskästen in geeigneter Lage

Fledermauskästen sind im Fachhandel erhältlich.

 

Handelsübliche Fledermauskästen

Fledermauskasten; Fledermausröhre zum Einbau in die Hauswand – eingebaut unter Putz (Fa. Schwegler)


Wer ein Quartier für Zweifarbfledermäuse schaffen möchte, sollte dabei beachten:

Bevorzugte Gebäude Gebäude unterschiedlicher Höhe
Lage am Gebäude Hinter Außenverkleidungen, oder im Mauerwerk eingebaut
Quartierstyp Spaltenquartier
Platzbedarf bxhxt (cm) 20-60x50x15 cm 
Einflugöffnung (mm) Freie Anflugmöglichkeit
Besondere Bedingungen Hangplatz aufgeraut; keine Zugluft!
weitere Maßnahmen

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Landesbund für Vogelschutz
Projekt Artenschutz an Gebäuden

Klenzestr. 37
80469 München

Tel.: 089 20 02 70-83
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