Braunes Langohr (Plecotus auritus)

Braunes Langohr – Dr. A. Zahn

Das Braune Langohr gehört mit einer Körpergröße von ca. 5 cm und einer Flügelspannweite von ca. 28 cm zu den mittelgroßen Fledermausarten. Auffällig an dieser Art sind die großen Ohren; sie sind mit 4 cm fast so lang wie der Körper. Im Schlaf und in der Winterruhe werden sie nach hinten geklappt und unter den Flughäuten versteckt, damit über ihre große Fläche keine Wärme verloren geht. Bei der Orientierung durch Ultraschall können Langohren auch die schwächsten Geräusche wahrnehmen; deshalb sind ihre Rufe auch leiser als die anderer Fledermausarten. 

Braune Langohren verlassen ihre Quartiere in der späten Dämmerung, meist sogar erst bei völliger Dunkelheit. Ihre Jagdgebiete liegen – nur wenig hundert Meter vom Quartier entfernt - vor allem an und in Gebüschen und Baumkronen, gelegentlich jedoch auch in Ställen. Durch ihre breiten Flügel sind sie auch auf kleinstem Raum extrem wendig; trotzdem fliegen sie bei der Jagd in der Regel langsam und niedrig und können sogar im Rüttelflug Insekten von Blättern, Zweigen oder Wänden ablesen. 

Langohrfrassplatz – Dr. A. Zahn

Die Nahrung der Braunen Langohren besteht aus mittelgroßen Insekten, größtenteils aus Nachtfaltern. Häufig wird die Beute an so genannten Fraßplätzen verzehrt, unter denen der Boden dann mit abgebissenen Insektenflügeln übersät ist.

Von April bis September besiedeln die Weibchen des Braunen Langohrs Wochenstuben von 20 bis 25 Tieren, in denen sie im Juni oder Anfang Juli ein bis zwei Junge zur Welt bringen. Nach 6 bis 7 Wochen werden die Jungtiere von der Mutter entwöhnt, die Wochenstuben lösen sich bis spätestens Mitte Oktober auf.

Quartier

Langohrquartier im Zapfenloch - Dr. A. Zahn

Braune Langohren sind in stärkerem Ausmaß als andere Langohrarten Waldbewohner. Ihre Sommerquartiere beziehen sie bevorzugt in Baumhöhlen, nehmen jedoch Vogel- und Fledermausrundkästen sowie Dachböden gerne als Ersatzquartier an. Auf Dachböden suchen sich Braune Langohren ihre Hangplätze vor allem in Zapfenlöchern, Balkenkehlen oder Firstspalten; Einzeltiere sind auch in Felshöhlen, hinter Fensterläden oder in Spalten an Gebäuden zu finden. Ähnlich wie die Großen Mausohren nutzen auch Braune Langohren je nach Temperatur unterschiedliche Hangplätze im Quartier; der Ausflug erfolgt sowohl durch freie Öffnungen als auch über Spalten, durch die die Tiere ins Freie kriechen.
Von Anfang November bis Anfang April halten sich Braune Langohren in ihren Winterquartieren auf, die sich in Kellern, Stollen oder Höhlen, selten auch in Mauerfugen an Gebäuden oder in dickwandigen Baumhöhlen befinden. Die Entfernung zwischen Sommer- und Winterquartier ist kurz, meist weniger als 20 km.

Gefährdung

Naturnaher Wald – Dr. A. Zahn

Als Wald- und Baumbewohner verliert das Braune Langohr vor allem durch das Fällen von alten Höhlenbäumen Quartiere. Auch Wochenstubenquartiere auf Dachböden sind durch Dachsanierungen in Gefahr; die Verwendung von giftigen Holzschutzmitteln ist hier unbedingt zu vermeiden! Da die Weibchen während der Jungenaufzucht besonders störungsanfällig sind, sollten Dacharbeiten nicht zwischen Anfang April und Ende Oktober ausgeführt werden. Ebenfalls störend für die Tiere ist die Verwendung von externer Beleuchtung; zumindest die Flugöffnungen müssen im Dunkeln bleiben.

Generell sollte vor Beginn einer Sanierung im Dachbereich bekannt sein, wie die Hangplätze im Quartier im Jahresverlauf genutzt werden, wo sich die Flugöffnungen befinden und ob potentielle Ausweichquartiere in der Nähe liegen. Braune Langohren sind orts- und quartiertreu und tolerieren Veränderungen in ihrem Quartier nur, wenn die Flugöffnungen und das Mikroklima erhalten bleiben. 

Schutz und Hilfe

Schutzstatus: streng geschützt gem. BNatSchG

 

 

Neben dem Erhalt von naturnahen Baum- und Buschlandschaften als Lebensraum und Jagdgebiet betreffen andere wichtige Schutzmaßnahmen den Erhalt und die Neuschaffung von Langohr-Quartieren an und in Gebäuden:

1. Prüfung auf Vorkommen von Fledermäusen und ihren Quartieren vor Sanierungsbeginn

2. Einflug- und Durchflugöffnungen von Quartieren offen halten

3. Erhalt des Mikroklimas im Dachstuhl

4. Erhalt alter Balken und Holzbretter mit typischem Koloniegeruch bei Umbau des Quartiers

5. Bauzeit während der Abwesenheit der Tiere

 

6. keine Verwendung von Fledermaus gefährdenden chemischen Holzschutzmitteln bei Dachsanierungen
Initiates file downloadListe Fledermaus verträglicher Holzschutzmittel (pdf 24 kb)

7. Schutz der Winterquartiere vor Störungen

8. Anbieten von Fledermauskästen in geeigneter Lage

Fledermauskästen sind im Fachhandel erhältlich.  [link auf NUZ-Adresse]    

Handelsübliche Fledermauskästen:


Wer ein Quartier für Braune Langohren schaffen möchte, sollte dabei beachten: 

Bevorzugte Gebäude Gebäude unterschiedlicher Höhe
Lage am Gebäude Dachböden (Sommer) Keller, Höhlen,Stollen (Winter)
Quartierstyp Spaltenquartier
Platzbedarf bxhxt (cm) Raum mit unterschiedlichen Klimabereichen
Einflugöffnung (mm) Spalt ab 20 mm oder Flugöffnung von mind. 20x50 mm 
Besondere Bedingungen Hangplatz aufgeraut; keine Zugluft!
weitere Maßnahmen

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Landesbund für Vogelschutz
Projekt Artenschutz an Gebäuden

Klenzestr. 37
80469 München

Tel.: 089 20 02 70-83
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