Gewässersanierung bei Dietersheim

Südlich der Garchinger Heide zwischen Eching und Dietersheim befand sich noch vor wenigen Jahren das größte Wechselkrötenvorkommen des Landkreises Freising. Zu diesem Zeitpunkt war dort eine kleinere Kiesgrube, welche in den Jahren 2010 und 2011 rekultiviert wurde. Glücklicherweise gehört die Fläche den Münchner Stadtgütern, die für Artenschutzmaßnahmen sehr aufgeschlossen sind. So blieben nach der Renaturierung vier Laichgewässer und heideartiges Grünland erhalten.

 

Trotz kleinerer Pflegemaßnahmen wuchsen im Lauf der Jahre Röhricht und Weiden in den Gewässern auf, so dass sie zum Jahresbeginn 2018 nur mehr kurzzeitig bespannt waren - zu kurz für ein erfolgreiches Aufwachsen von Kaulquappen.

 

Im Sommer 2018 konnten wir dann zwei der Gewässer erfolgreich sanieren. Die Stadgüter München stellten für zwei Tage Bagger, einen Traktor mit Kippanhänger und einen Teleskoplader samt Bedienungsmannschaft zur Verfügung. Nun ging es daran, die durchwurzelte Waschschlamm-Deckschicht abzutragen, den darunter liegenden Lehm neu zu verdichten und eine neue Deckschicht aufzubringen. Den Waschschlamm dafür stellte uns die Münchner Kies Union kostenlos zu Verfügung!

 

Bei der Verdichtung des Waschschlamm bewies sich der Teleskoplader als ideales Gerät, denn dank voll befüllter Schaufel brachte er neun Tonnen auf die Wage, gleichzeitig hatte er recht schmale Reifen, so dass der Bodendruck sehr hoch waren. Der Fahrer verstand es zudem, mit nur einer halben Reifenbreite versetzt vor und zurück und dann nochmal quer zu fahren, so dass der Lehm sehr gut verdichtet wurde.

 

Seit den ersten Regenfällen zeigen sich die Gewässer wieder gut gefüllt und warten darauf, 2019 wieder von Wechselkröten besiedelt zu werden. Allen Beteiligten sagen wir herzlichen Dank für ihr großes Engagement!

Entfernung der durchwurzelten Deckschicht - C. Köbele
Verdichung mit Teleskoplader - C. Köbele
Saniertes Gewässer nach den ersten Regenfällen - C. Köbele

Kooperation in der Kiesgrube

Bei vielen Rohstoffbetrieben hielt sich lange die Vorstellung vom Naturschützer, der stets eine Verbotstafel mit sich führt und nur „scharf darauf ist“, das nächste Naturschutzgebiet auszuweisen. Um dieses Vorurteil auf die Schippe zu nehmen, aber auch ein wenig Selbstironie zu üben, wirbt das Artenhilfsprojekt Wechselkröte bereits seit 2010 unter der Überschrift „Scharf auf die Kiesgrube“ für eine Zusammenarbeit zwischen Kiesabbau und LBV beim Amphibienschutz. Dazu wurde ein Infoblatt speziell für Kiesbetriebe erstellt, das kostengünstige und räumlich flexible Methoden des Amphibienschutzes vorstellt, die den Betriebsablauf nicht stören und auch keine Schutzgebiete erfordern. Als kleines Dankeschön wird teilnehmenden Kieswerken die Plakette „Amphibienfreundlicher Betrieb“ verliehen.

 

Da Rohstoffgewinnungsstätten wie Kies- oder Lehmgruben heute einer der wichtigsten Lebensräume für die Wechselkröte sind, sind Beratungen der Betreiber ein wesentlicher Bestandteil der Artenhilfsprojekts Wechselkröte. Für ein neues Laichgewässer reicht es dabei häufig, geeignete Standorte zu identifizieren. Nachdem Radlader oder Bagger eh vor Ort sind, ist die eigentliche Maßnahme in der Regel schnell und kostengünstig durchgeführt. Viele Betreiber verlassen sich bereits seit Jahren auf unser Know-How und rufen mittlerweile vor der Laichsaison von sich aus an, um Maßnahmen zu besprechen.

Gewässer in einem Rekultivierungsbereich des Kieswerks Glück - C. Köbele
Gewässerbau im Kieswerk Obermayr - H. Sedlmeier
Gewässer am Grubenrand der Münchner Kies Union - C. Köbele

Untersuchungen von Erdhaufen

Solche Erdhaufen dienen Wechselkröten als Winterquartier und Tagesversteck - C. Köbele

Egal ob Kieswerk oder Baustelle - Erdhaufen sind für Kleintiere wie Wechselkröte oder Zauneidechse beliebte Wohnorte. Müssen diese entfernt werden, besteht immer die Gefahr Tiere zu verletzen oder gar zu töten. Im Idealfall werden wir vorher kontaktiert, um solche Strukturen zu untersuchen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Auf was man dabei stoßen kann, zeigt dieser Artikel.

Die Anfänge des Artenhilfsprojekts Wechselkröte

Unser erstes großes Laichgewässer während dem Bau - H. Sedlmeier

Im Jahr 2003 übernahm der LBV eine als Containerlagerplatz genutzte Kiesfläche neben der Kiesgrube Obermayr in Riem, um dort ein Biotop zu entwickeln. Dort gab es einen kleinen Bestand der Wechselkröte. Die Besitzerin des Kieswerkes, Gabriele Mittermaier, stand dem Schutz der Tiere sehr positiv gegenüber; und so konnte mit vereinten Kräften des LBV und einiger Radlader und Bagger des Betriebes ein Biotop ganz nach den Erfordernissen der Tiere angelegt werden. Die Zahl der Tiere stieg daraufhin innerhalb von zwei Jahren auf etwa 150 Tiere an.

Der Erfolg dieser ersten LBV-Initiative überzeugte die für den Artenschutz zuständigen Fachleute im Referat für Gesundheit und Umwelt der Stadt München, so dass mit Förderung der Stadt eine umfangreiche Kartierung der Vorkommen und einige weitere Hilfsmaßnahmen im Stadtgebiet möglich wurden. Darauf wurde der damalige Umweltminister Otmar Bernhard aufmerksam und bot dem LBV den Start eines „Artenhilfsprogrammes für die Wechselkröte im Großraum München“ an.

Ende 2009 beauftragte der Freistaat Bayern den LBV München mit dem Artenhilfsprojekt Wechselkröte im Raum München. Das Projektgebiet umfasst Teile von Stadt und Landkreis München sowie die Landkreise Dachau, Ebersberg Freising und Fürstenfeldbruck. Seit 2018 wird das Projekt vom Bayerischen Naturschutzfonds aus Erlösen der GlücksSpirale finanziert.