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Gefährdung

Die Bestände der Wechselkröte sind in den letzten Jahrzehnten in ganz Mitteleuropa aufgrund fortschreitender Zerstörung ihrer Lebensräume und aufgrund der veränderten Abbaumethoden von Kies, Lehm und Sand sehr stark zurückgegangen. In der Schweiz ist die Art ausgestorben, in Deutschland und Österreich stark gefährdet, in Bayern ist sie vom Aussterben bedroht.

Größere Bestände der Art finden sich in Bayern nur noch entlang des Donautales und auf der Münchner Schotterebene. Letztere beherbergte noch in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die größten Vorkommen Deutschlands. Der Bestand innerhalb des Münchner Stadtgebietes und des Landkreise München dürfte damals bei über 5.300 adulten Tieren gelegen haben. Ende der 1990er war der Bestand auf 1000 Tiere eingebrochen. Seitdem ist die Zahl der Wechselkröten wohl weiter zurückgegangen, sodass wir einen Rückgang von mehr als 80 % verzeichnen müssen. Mittlerweile ist die Wechselkröte sogar im Großraum München, wo derzeit schätzungsweise 1.600 erwachsene Tier leben, vom Aussterben bedroht. Seit dem Start des Artenhilfsprojekts konnte der Rückgang jedoch zumindest stark verlangsamt oder möglicherweise sogar gestoppt werden. Die nächste "Volkszählung" der Wechselkröten im Projektgebiet ist für die Jahre 2021 und 2022 vorgesehen.

 

Welche Gründe sind für diesen Bestandseinbruch in den letzten 40 Jahren zu nennen?

Als Kulturfolger ist die Wechselkröte von der Intensivierung der Landwirtschaft, die z.B. die Gelbbauchunke hart getroffen hat, nicht allzu stark betroffen. Ein Grund für den Bestandsrückgang der Wechselkröte ist die vermehrte Einführung des Nassabbaus in Kiesgruben. Hierdurch fielen sicher einige geeignete Laichgewässer in den Kiesgruben weg, in den Randbereichen der Gruben gibt es sie aber noch. Gravierender ist jedoch der Lebensraumverlust durch Bebauung und Sukzession, zumal Ausgleichsgewässer häufig nicht tauglich angelegt werden.

Ein anderes Problem ist die Zerschneidung der Lebensräume mit der einhergehenden Verinselung der einzelnen Biotope. Breite Durchlässe wie im Bild unter der Autobahn zwischen dem Nord- und Südteil der Fröttmaninger Heide sind eher die Ausnahme als die Regel. Gerade im Münchner Norden sind die Populationen unüberbrückbar voneinander getrennt worden.

Die Wechselkröte ist sehr wanderfreudig, das Tier kann in seiner Aktivitätszeit während der Nacht über einen Kilometer zurücklegen. Wenig bewachsene Bahndämme sind geeignete Wanderwege voller Bodeninsekten, der Lieblingsnahrung der Wechselkröte. Außerdem stellen sich den Tieren keine viel befahrenen Straßen in den Weg. Geeignete Wanderwege sind für die Münchner Wechselkröten genauso wichtig wie die eigentlichen Lebensräume.

Nur selten erlauben solch breite Durchlässe die Querung vielbefahrener Straßen – C. Köbele

Ausgleichsgewässer kurz nach der Anlage 2007

Das gleiche "Gewässer" 2010 –C. Köbele