Zum Hauptinhalt springen
Spenden

Landschaftspark Freiham: Kein Platz mehr für Naturschutz

München Stadt und Land

So groß wie der neue Stadtteil Freiham war vor gut zehn Jahren auch die Vision für den Landschaftspark am westlichen Rand des Gebiets. Auf 60 Hektar sollten ökologisch wertvolle Flächen entstehen – als Erholungsraum kombiniert mit einem Naturerlebnisraum für die Bewohnenden des neuen Viertels. In der stark versiegelten Landeshauptstadt wäre dies eine einmalige Chance gewesen, neue Lebensräume zu schaffen und dem Artensterben aktiv zu begegnen.

Doch im Januar beschloss der Stadtrat einstimmig im Bauausschuss, die 2016 verabschiedeten Pläne zu verwerfen. Im neuen Konzept spielen Naturschutz, Biodiversität und Naturerlebnis keine Rolle mehr – alles ist der Freizeitnutzung untergeordnet. Zwar wird Klimaschutz berücksichtigt, die geplanten Naturflächen entfallen jedoch. Dabei beruhte der ursprüngliche Entwurf auf einem Wettbewerb mit intensiver Beteiligung von Verbänden sowie Bürgerinnen und Bürgern. Gefordert waren ausdrücklich naturnahe Flächen, und so enthielt das Gewinnerkonzept Magerwiesen, heimische Gehölze und die Vernetzung mit umliegenden Schutzgebieten. Der für 2018 geplante Baubeginn wurde verschoben – nun sind die damaligen Ideen vom Tisch.

Stattdessen soll der Park bis 2040 abschnittsweise entstehen. Im Fokus stehen Erholung, Gastronomie, breite Wege, wenige Wiesenflächen und zwei Badeseen – ein dritter ist nahe der Autobahn geplant. Natur- und Artenschutz bleiben außen vor, obwohl die Artenkrise ebenso dringlich ist wie die Klimakrise. Naturnahe Flächen wären zudem klimaresilienter und besser gewappnet gegen zunehmende Dürreperioden.

Die Badeseen sind pflegeintensiv und benötigen viel Infrastruktur wie Zufahrten und Parkplätze. Hecken und Sträucher als Lebensräume entfallen, Blühwiesen werden reduziert, Hundefreilaufflächen als Alternative zu angrenzenden Schutzgebieten mit den letzten Feldlerchenvorkommen in München fehlen. Besonders kritisch ist die ausgebliebene Öffentlichkeitsbeteiligung – veränderte Bedürfnisse wurden nicht neu abgefragt.

Gemeinsam mit dem BUND Naturschutz München fordern wir daher, den Naturschutz nicht zur Nebensache werden zu lassen. Im Landschaftspark Freiham müssen Ökologie, Naturerlebnis und Erholung zusammen gedacht werden. Es ist die letzte Fläche dieser Größe in München, die all das verbinden kann. Diese Chance angesichts des dramatischen Artenschwunds zu verspielen, wäre unverantwortlich.