München vogelfeindlichste Stadt Deutschlands. Bauboom und ungebremste Nachverdichtung fordern ihren Tribut

Der LBV ist alarmiert: Bei Deutschlands größter Vogelzählung, der jährlich stattfindenden Stunde der Wintervögel, ist München  2017 das siebte Mal in Folge auf dem letzten Platz gelandet. Nirgendwo sonst wurden derart geringe Vogelzahlen gemeldet. Wir fordern entschlossenes Umlenken von Stadtplanern und besseren Schutz der verbleibenden Freiflächen.


Bei schönstem Winterwetter fand um den Dreikönigstag herum die Stunde der Wintervögel statt, zu dem die Naturschutzverbände LBV und NABU aufgerufen hatten. Fast 120.000 Teilnehmer aus ganz Deutschland trugen Daten zusammen, allein aus München Stadt und Land wurden über 47.000 Vögel gemeldet. Doch was zunächst beeindruckend viel wirkt, ist für Fachleute Anlass zur Sorge: Pro Zählort entspricht das nämlich im Schnitt noch nicht einmal 20 Vögeln im Stadtgebiet, im Landkreis immerhin 25. Der bundesdeutsche Durchschnitt liegt bei etwa 35. Seit die Zählung vor sieben Jahren von Bayern aufs ganze Bundesgebiet ausgedehnt wurde, belegt München durchgehend den letzten Platz im Vergleich der deutschen Großstädte. Nur Duisburg, im Herzen des Ruhrgebiets gelegen, ist ähnlich vogelarm wie die Landeshauptstadt.

In ganz Deutschland wurden heuer etwa 20% weniger Vögel gezählt als sonst. Die absoluten Zahlen beunruhigen uns allerdings nicht so sehr, denn die sind vor allem auf Vogelarten zurückzuführen, deren Winterbestände hierzulande stark vom Zuzug von Artgenossen aus dem kälteren Norden und Osten abhängen, und der ist diesen Winter gering ausgefallen. Hinzu kommt eine sogenannte Buchenmast, die für ein reiches Nahrungsangebot in den Wäldern sorgt. Viele Vögel halten sich daher wohl eher dort auf als an den Futterstellen in den Städten und Dörfern. Wenn jedoch seit Jahren in München deutlich weniger Vögel beobachtet werden als in allen anderen deutschen Großstädten, dann greifen solche Erklärungen nicht mehr, dann ist das ein Zeichen dafür, dass München lebensfeindlich geworden ist. Eine Trendumkehr ist nicht abzusehen, wie man am Beispiel des Haussperlings erkennen kann: Kein Vogel ist besser an das Zusammenleben mit dem Menschen angepasst, trotzdem werden von Jahr zu Jahr weniger Spatzen in München gezählt. Wir fordern ein konsequentes Umdenken: Erhalt und Schaffung von Brutplätzen für Gebäudebrüter und Fledermäuse, vogelfreundliche Gehölze und insektenfreundliche Blumenwiesen in allen Stadtquartieren sollten Standard sein bei allen Neuplanungen wie auch in Privatgärten. Mehr Natur in der Stadt ist möglich, davon sind wir überzeugt. Hier sind Bürger und Politiker gleichermaßen gefordert.