Stunde der Wintervögel 2019: Viele Wintergäste und nur leichter Rückgang der Amseln

Nachdem der Winter erst einmal auf sich hat warten lassen, setzte im Süden Bayerns kurz vor dem Zähltermin der Schneefall ein und beendete die zuvor beobachtete Flaute an den Futterhäuschen. Die Beobachter mussten dafür aber wetterfest und kälteresistent sein. Fast 140.000 Vogelfreunde aus ganz Deutschland haben sich an der Stunde der Wintervögel beteiligt und über 3,5 Mio. Vögel gezählt – wir sagen Danke! Trotz erwarteter Rückgänge behauptet die Amsel nach der Kohlmeise noch einen soliden zweiten Platz in München Stadt und ist im Landkreis sogar der häufigste Vogel. Auffallend waren auch die zahlreichen Wintergäste.

Durch einen Winter, der europaweit sehr mild begonnen hat, sind weniger Wintervögel aus dem Norden und Osten Europas nach Deutschland gekommen, wie der Blick auf die gesamtdeutschen Daten zeigt. In Bayern und besonders in München Stadt und Land sind dennoch ungewöhnlich viele Erlenzeisige, Bergfinken und Wacholderdrosseln beobachtet worden. Diese Vögel treten invasionsartig auf, wenn die Population in den nördlichen Brutgebieten hoch, gleichzeitig aber das winterliche Futterangebot gering ist. Bergfinken profitieren von der Buchenmast, die in diesem Winter für reiche Nahrung in den Wäldern sorgt, und Wacholderdrosseln zehren von der guten Obsternte des vergangenen Jahres: Vielerorts hängen noch Äpfel an den Bäumen, auch viele Sträucher wie Weißdorn, Mehlbeere oder Hartriegel tragen reiche Ernte und sichern die Nahrungsverfügbarkeit. 

Schwieriges Jahr für Amseln, Zunahmen beim Spatz

Mit bundesweit nur 3,1 Amseln je Garten fährt diese Art ihr mit Abstand schlechtestes Winterergebnis ein, ein Rückgang von 14% gegenüber dem Vorjahr. Weitaus dramatischere Befürchtungen bestätigten sich aber glücklicherweise nicht. Amseln hatten 2018 in zweierlei Hinsicht ein schlechtes Jahr, denn für den Regenwurm-Jäger erschwerte der trockene Sommer die Nahrungssuche enorm und der Bruterfolg dürfte entsprechend niedrig ausgefallen sein. Hinzu kam die im Sommer grassierende Usutu-Epidemie, die in einigen Gegenden Deutschlands zahlreiche Todesfälle forderte.

Des einen Leid, des andern Freud: Als einstiger Steppenvogel kam der Haussperling mit den staubig-trockenen Bedingungen des Dürresommers 2018 besser klar. Er legte deutschlandweit um 14%, in der Landeshauptstadt München gar um 44% zu! Das freut uns ganz besonders, ist der Spatz doch seit Jahren unser Sorgenkind in München, das allzu oft durch Sanierungen obdachlos wird und durch den Verlust von Nahrungsflächen hungrig bleibt.

Grünfink über den Berg?

Der Wintervogel mit den bisher deutlichsten Rückgängen ist der Grünfink: Seine Bestände nahmen bundesweit seit 2011 um durchschnittlich 13% jährlich ab und auch in München verzeichneten wir in den vergangenen Jahren starke Rückgänge. Seit einem Negativrekord 2017 gibt es in München aber glücklicherweise wieder leichte Zuwächse. Hoffentlich setzt sich dieser positive Trend fort! Grünfinken brauchen das ganze Jahr über ein reiches Angebot an Sämereien, profitieren daher besonders von der Umwandlung von Rasen in Blumenwiesen in öffentlichem Grün und von naturnaher Gestaltung von Gärten und Grünanlagen. Hierzu fordern wir ein konsequentes Umdenken: Vogelfreundliche Gehölze und insektenfreundliche Blumenwiesen in allen Stadtquartieren sollten Standard sein in allen Grünanlagen wie auch in Privatgärten. Mehr Natur in der Stadt ist möglich, davon sind wir überzeugt. Hier sind Bürger und Politiker gleichermaßen gefordert.