Rückblick auf das Jahr 2011

AK Fledermäuse organisierte die bundesweite Fledermaustagung 2011
3 Tage Anfang April, 300 Teilnehmer. Eine prächtige Kulisse und beste Unterstützung durch das Kloster (Pater Geißinger) und gute Vorarbeit ließen die Veranstaltung zu einem ganz großen Erfolg werden. Die Teilnehmer zeigten sich durchweg zufrieden.
Eine sehr arbeitsintensive Aktion, die uns auch schon Jahre vorher beschäftigte fand vom 1.- 3. April statt, die 10. Fachtagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Fledermausschutz, die vom Bundesamt für Naturschutz finanziell unterstützt wurde. Die Tagung für 300 Teilnehmer fand im Kloster Benediktbeuern statt. Es galt die gesamte Veranstaltung zu organisieren. Mit Unterstützung vieler Helfer und Pater Geißinger vom Kloster meisterten wir diese Herausforderung zur Zufriedenheit aller Gäste. Die Versorgung klappte, das angebotene Essen war schmackhaft und ausreichend. Das prächtige Ambiente des Klosters Benediktbeuern und dessen Umgebung im traumhaften Frühlingswetter und der interessante Erfahrungsaustausch begeisterte die Fledermausschützer und ließ sich nach Meinung vieler Teilnehmer „nicht toppen“.

 

Wie alle Jahre wieder im August feierten wir diesmal am 27.8. unser Fledermausfest im Englischen Garten, leider unter trüben Voraussetzungen: Bei Wind, Kälte und Regenschauern ließen sich nicht so viele Besucher zum Rumfordschlössl locken, wie wir es aus den vergangenen Jahren gewohnt waren. Trotzdem wollten am Abend zur Ausflugsbeobachtung 80 Erwachsene und 25 Kinder die heimischen Fledermäuse live erleben.

 

Weitere Führungen, Schul- und Kindergartenbesuche, Freizeitprogramme, PowerPoint-Vorträge, Presse-, TV-, und Radiobeiträge sorgten auch in diesem Jahr für eine noch bessere Akzeptanz der Fledermäuse in der Bevölkerung.

 

Um Fledermäuse nachhaltig zu schützen ist vor Allem der Quartierschutz wichtig. Nur wenn Quartiere bekannt sind kann man sich um ihren Schutz bemühen. 2011 gab es für uns 23 Quartiermeldungen, darunter eine Wochenstube an einer Hausfassade mit 80 Bartfledermäusen oder ein Baumquartier im Englischen Garten mit 40 Abendseglern. Leider erkennt man Quartiere oft erst wenn sie zerstört werden. Bei einer Baumfällung im Februar beim Siegestor wurde so versehentlich ein großes Winterquartier zerstört. 55 weibliche und 54 männliche große Abendsegler hatten sich dort zum Überwintern eingefunden. Alle Tiere kamen in unsere Auffangstation, wo sie erst einmal ungestört weiter schlafen konnten. Mitte März galt es, sie gering gewichtigen der Tiere etwas aufzupäppeln, um ihnen mit einem guten Startgewicht reelle Chancen in Freiheit zu geben.
An dieser Stelle herzlichen Dank an unsere treuen Helfer!

Mehr als 20 Mal waren wir mit unserm Endoskop unterwegs zur Baumhöhlenkontrolle. Viele Abende beanspruchten Ausflugszählungen und Gebäudekontrollen. Auch versuchen wir systematisch bestimmte Parks oder Friedhöfe nach Fledermausvorkommen zu erfassen.

 

Etwa 200 Mal wurden wir zu Einzelfällen gerufen, dabei sahen wir uns ca 180 Fledermäuse genauer an. Wir nahmen die Daten auf, untersuchten und versorgten sie. Die einzelnen Arten waren:

 

17 Weißrandfledermäuse
5 Wasserfledermäuse
6 braune Langohren
28 Abendsegler ohne Quartierbaum
18 kleine Bartfledermäuse
37 Zweifarbfledermäuse
28 Rauhhautfledermäuse
40 Zwergfledermäuse

 

Darunter waren auch 40 juvenile Tiere, von denen 15 noch mit Hand aufgezogen werden mussten. 37 wurden mit Sicherheit von Katzen gefangen, nur 6 davon überlebten und kamen wieder frei, zwei sind noch in Pflege. Besonders tragisch ist es, wenn säugende Mütter von den Katzen erwischt werden, denn dann ist auch das Jungtier verloren. Wir hatten bei den Katzenopfern 6 lactierende Weibchen, also sind dadurch mindestens 12 Tiere umgekommen.

 

Im Winterhalbjahr 2010/2011 hatten wir bis zu 30 neue Wintergäste in der Auffangstation, zusätzlich die 109 Abendsegler aus dem Baumquartier. Bis auf 4 Tiere konnten sie im Frühjahr wieder in Freiheit gelassen werden. Im Jahr 2011 verfütterten wir 23 kg Mehlwürmer an unsere Pfleglinge!


FALLBEISPIELE

Eine junge Dame rief ganz aufgeregt an, zwischen ihrem Fliegengitter und dem Fenster im 5. Stock hänge eine Fledermaus. Sie getraue sich nicht, das Tier weg zu nehmen. Ich fahre durch die ganze Stadt, um tatsächlich eine Zweifarbfledermaus aus dem Gitter, in dem sie sich total verfangen hat, heraus zu bekommen. Währenddessen erzählt mir das junge Mädchen, sie habe schrecklich Angst vor Allem was krabbelt, sie hätte das Tier niemals selbst dort wegnehmen können!

 

Anruf gegen 23.30 Uhr aus Aubing: Ein Herr hatte zwischen zwei Fensterflügeln eine tote Fledermaus entdeckt und wollte unbedingt, dass ich zu ihm fahren sollte, um das Tier zu entfernen. Er hatte Angst, er könne sich über das Tier irgendeine Krankheit einfangen. Da ich zu der nächtlichen Fahrt nicht bereit war, konnte ich ihm nur den Rat geben, das Tier doch selbst zu entfernen oder sich an die Feuerwehr zu wenden. Ich weiß nicht, was aus dem Fall wurde.

 

Ein Anruf ebenfalls zur Nachtzeit ließ mich zuerst auch an einen Scherz glauben: Die Anruferin aber versicherte, an der U-Bahnstation Fraunhofer Straße sehe sie durch die Glasscheibe eine Fledermaus auf einem Fenstersims liegend, die versuche, dort weg zu krabbeln, aber sie komme nicht los. Der U-Bahn-Abgang sei mit einem Bauzaun verschlossen, man käme nicht hinein, außerdem sei diese Stelle nur mit einer Leiter erreichbar. Wir fuhren nun mit einer Leiter auf dem Autodach zu der Einsatzstelle. Bis zuletzt kam mir die Meldung sehr zweifelhaft vor. Aber die Anruferin stand noch dort und zeigt uns die Stelle. Tatsächlich mühte sich dort eine kleine Fledermaus vergeblich, frei zu kommen. Wir entfernten ein Absperrgitter, brachten auf der Treppe (!) die Leiter in Stellung und griffen das Fledermäuschen. Es war in Spinnweben verwickelt und wäre aus eigener Kraft wohl nicht mehr freigekommen.

 

Einen schönen Erfolg können wir melden: Ein Zweifarbmännchen kam mit frisch gebrochenem Unterarm im August zu uns. Tierarzt Dr. Graf aus Johanneskirchen konnte den geschlossenen Bruch nageln. Nach über 3 Wochen wurde der Nagel entfernt. Nun blieb das Tier noch bis Anfang Oktober in Pflege, konnte aber dann doch wieder so gut fliegen, dass es in die Freiheit entlassen wurde.

 

Margarete Kistler