Stunde der Wintervögel 2008 mit Rekordbeteiligung!

Vögel zählen macht Spaß! Das haben am 5. und 6. Januar 2008 Vogelfreunde in ganz Bayern mit einer Rekordbeteiligung bewiesen. Bei der „Stunde der Wintervögel“, der Gemeinschaftsaktion von Landesbund für Vogelschutz, tz und Münchner Merkur wurde mit 2882 eingegangenen Meldungen die letztjährige Beteiligung an der Wintervogelzählung noch einmal um fast 1000 Meldungen erhöht! Beteiligt haben sich heuer 2827 Menschen. Die meisten Meldungen gingen auch heuer wieder aus dem Zählbezirk der Landkreise um München – Dachau, Fürstenfeldbruck, Starnberg, Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Ebersberg, Erding, Freising – ein.

Die haupt- und ehrenamtlichen Helfer kamen bei der großen Datenmenge ganz schön ins Schwitzen. Bis alle Meldebögen eingegeben waren, war so manche Spät- und Wochenendschicht nötig. Aber der Aufwand hat sich gelohnt!

Die große Beteiligung lässt noch differenziertere Ergebnisse zu als in den Vorjahren. Auch die Zählungen werden immer besser: So wurden die Arten heuer deutlich besser unterschieden - unbestimmbare Vögel wie Krähe, Drossel, Taube wurden seltener angegeben – auch die Beobachter gewinnen also neue Erkenntnisse! Bei so viel Engagement bleibt uns nur zu sagen:


Ein herzliches Dankeschön an alle, die mitgemacht haben!

Ein paar Meldebögen gingen leider zu früh oder zu spät ein, um berücksichtigt zu werden, und bei einigen wenigen gab es Leseprobleme. Die meisten Fragen konnte das LBV-Team aber per Telefon klären. Übrigens: Alle Melder, die ihre Adresse angegeben haben, bekommen die Ergebnisse per Post – unabhängig davon, ob und wie viele Vögel sie gezählt haben! Denn auch heuer mussten uns einige wenige Melder leider ein Null-Ergebnis präsentieren. Und so verteilen sich die eingegangenen Meldungen auf die Zählbezirke:
 

Zählbezirk

Meldebögen

München-Innenstadt

66

München

878

München Landkreis

405

Umland (Landkreise um München)

1332

Bayern

201

Summe

2882

Kohlmeise bleibt auf Platz 1!

Wie bereits in den letzten Jahren belegt auch heuer wieder die Kohlmeise den Platz 1 als häufigster Vogel. Als Überraschung könnte das Aufholen des Haussperlings gesehen werden: Er liegt nun auf Platz 2 und hat in den drei Jahren der Wintervogelzählung kontinuierlich zugelegt (siehe Tabelle1 und weitere Vogelarten). Die Ursache dafür liegt aber nicht in einer Erholung der Bestände in den Städten, sondern darin, dass die Zählbeteiligung im Umland und im Rest von Bayern steigt. Im eher ländlichen Bereich kann der Haussperling sich nämlich noch ganz gut halten. In Tabelle2 und Tabelle2a kann man sehen, wie das Vorkommen und die Anzahl der gesichteten Spatzen zur Stadtnähe hin deutlich abnehmen; während in der Stadt im Durchschnitt nur 1 Spatz pro Beobachtung gesichtet wird, sind es im ländlichen Bereich 9 und mehr Spatzen pro Meldebogen. Also keine Entwarnung für den Rückgang der Haussperlinge, sondern ein deutlicher Beweis für deren Probleme in der Stadt!

Das Gegenteil kann man bei Buntspecht und der Rabenkrähe erkennen: Dass letztere ein paar Plätze zugelegt hat, liegt an den exakten Artangaben der Zähler. Während in den Vorjahren viele als „Krähen“ nicht näher definierte Zählungen unbewertet bleiben mussten, konnten wir heuer viele genaue Angaben aufnehmen – und so rückt die Rabenkrähe auf Platz 17 vor. Aus Tabelle3 lässt sich lesen: Beide Arten fühlen sich wohl in der Stadt. Während dies beim Buntspecht vor allem auf das Vorhandensein älterer Gehölzbestände zurückzuführen ist, ist bei der Rabenkrähe die Bejagung außerhalb der städtischen Bereiche für deren Umzug in die Stadt verantwortlich. Dies beweist, dass die Bejagung nur zu einer Verlagerung der Bestände führt – nicht nur bei der Rabenkrähe, sondern auch bei der Elster übrigens.

 Die Vogel-Hitparade

Platz

Vogelart

Anzahl 2008

Platz 2007

Anzahl 2007

Platz 2006

Anzahl 2006

1

Kohlmeise

17405

1

9600

1

8118

2

Haussperling

13449

3

7725

5

3877

3

Grünfink

12921

2

7784

3

4603

4

Amsel

11910

4

6598

2

4713

5

Blaumeise

8961

5

5508

4

3959

6

Buchfink

7199

7

3427

6

2209

7

Feldsperling

6728

6

3687

7

2127

8

Bergfink

4242

11

1369

8

1090

9

Saatkrähe

3024

16

914

18

412

10

Türkentaube

2931

9

1687

12

791

11

Kleiber

2744

10

1559

10

869

12

Dompfaff/Gimpel

2605

15

1018

13

789

13

Zeisig/Erlenzeisig

2474

21

430

14

649

14

Buntspecht

2459

12

1337

11

876

15

Rotkehlchen

2332

13

1319

15

627

16

Schwanzmeise

1840

14

1037

16

508

17

Rabenkrähe/Aaskrähe

1313

18

698

20

280

18

Stieglitz

1168

19

521

23

232

19

Eichelhäher

1142

23

356

21

266

20

Haubenmeise

1111

20

505

22

239



Erlenzeisig


Völlig abgeschlagen sind heuer zwei unserer Wintergäste: Der Seidenschwanz und die Wacholderdrossel, die letztes Jahr in großen Schwärmen zu uns kam. Heuer wurden häufig nur vereinzelte Vögel dieser Art gezählt. Auch der Seidenschwanz machte sich – wie auch schon im Vorjahr – rar. Dieser Gast aus der sibirischen Taiga kommt etwa alle sieben Jahre in großen Mengen zu uns, das letzte Mal im Januar 2005. Der Bergfink dagegen – ebenfalls Gast aus dem Norden – war heuer wieder gut

vertreten. Und auch eine andere Vogelart hat zur Nahrungssuche vermehrt die Futterhäuschen in der Stadt aufgesucht: Erlenzeisige wurden heuer von vielen Beobachtern gesichtet, oft in größeren Gruppen. Und nicht selten waren sie in Begleitung von Stieglitz und Dompfaff, allesamt eher seltene Gäste in München.


Kraniche

Auch ein paar Kuriositäten gab es heuer wieder: Eine Meldung über 30 Alpendohlen erreichte uns aus dem Zillertal. Sogar beim Skilaufen kann man also Vögel beobachten. Wir bezweifeln allerdings, dass eine Stunde lang gezählt wurde – außer, es gab eine Schlange am Hochlift! Völlig verwundert rieben sich zwei Zähler in der Isarau und in Johanneskirchen die Augen, als sie unabhängig voneinander sieben Kraniche über dem Münchner Stadtgebiet fliegen sahen. Dieser majestätische Vogel, der in Bayern als Brutvogel ausgestorben ist, überwinterte früher nur in Spanien

und Afrika. Seit etwa 10 Jahren tut er das auch in Frankreich. Für das alpennahe und eigentlich kalte München kann die Beobachtung der Kraniche am 6. Januar als Sensation gelten.
Wie schon in den letzten Jahren gab es wieder Meldungen über Eichhörnchen, Katzen und Füchse. Ein Meldebogen verzeichnete die Sichtung eines „Waldläufers“. Ob damit eine Sagengestalt oder ein Jogger gemeint war? Wir entschieden uns ganz anders - für die Vogelart Waldbaumläufer.

Der zweite milde Winter in Folge wirkte sich auch auf unsere Zugvögel aus. Kurz gesagt – immer mehr von ihnen bleiben daheim. Vom Hausrotschwanz, der früher ausschließlich im Mittelmeergebiet und Nordafrika überwinterte, wurden 50 Individuen gezählt.

Ähnlich spannend zeigt sich das Ergebnis bei den Mönchsgrasmücken. Vor etwa 15 Jahren war es eine Sensation für Ornithologen, dass diese Vögel nicht nur am Mittelmeer, sondern auch im wintermilden England zu überwintern begannen. Nun wurde die Mönchsgrasmücke mitten im Winter schon 32mal aus dem Großraum München gemeldet.

Den Zaunkönig, der früher fast komplett aus Südbayern abzog, mag man schon gar nicht mehr als Zugvogel bezeichnen. 391mal wurde er bei der Stunde der Wintervögel festgestellt.


 

Einige Melder schickten uns den Meldebogen mit einem Brief – hübsch von Kinderhand bemalt, als Etui gebastelt oder mit Fotos von Garten und Futterstelle, an denen überwiegend (86%) gezählt worden war. Viele gaben an, dass an anderen Tagen mehr Vögel zu sehen sind – vor allem der Sonntag war ja ungewöhnlich warm und in vielen Regionen regnete es zudem. Aber weitaus öfter wurde für das Ausbleiben der Vögel ein anderer und viel traurigerer Grund angegeben:


 

Viele Beobachter beklagten Radikalmaßnahmen bei der Pflege öffentlicher Parks und Gärten: Gefällte Bäume, gerodete Gehölze und überpflegte Wiesen nannten sie als Grund für den Rückgang der Vogelgäste und beschwerten sich über die Verschwendung von Steuergeldern und deren negative Konsequenzen.


Milena, die Glücksfee

Für die Teilnehmer gab es auch heuer etwas zu gewinnen: Bei der Verlosung wirkte Milena (15 Jahre) als Glücksfee.
  
Den 1. Preis,
ein hervorragendes Vogelbeobachtungs-Fernglas von Swarovski-Optik gewann Frau Anneliese Braun aus Berg.
Über den 2. Preis, eine Digitalkamera von Foto-Video Sauter darf sich Georg Brunner aus Planegg freuen.
Weitere Zähler gewannen Geschenkgutscheine der Hofpfisterei, die in ihren Bäckereien nur Getreide aus ökologischem Anbau verwendet.
Alle Gewinner werden von uns informiert.


Frau Anneliese Braun


Herzlichen Glückwunsch den Gewinnern, und herzlichen Dank unseren Sponsoren!

Übrigens: Unsere singenden Vogelsteckbriefe können Sie weiterhin hier im Internet lesen!
Und die Ergebnisse der Stunde der Wintervögel aus den Vorjahren finden Sie hier: Jahr 2006 und 2007.