Stunde der Wintervögel: Auch 2007 wieder ein voller Erfolg!


Dass auch ein gutes Ergebnis noch verbessert werden kann, haben am 6. und 7. Januar 2007 Vogelfreunde in ganz Bayern bewiesen: Bei der „Stunde der Wintervögel“, der Gemeinschaftsaktion von Landesbund für Vogelschutz, tz und Münchner Merkur wurde mit 1951 eingegangenen Meldungen die Beteiligung an der Wintervogelzählung glatt verdoppelt! Mitgeholfen haben 1907 Bürger und Bürgerinnen. Allein aus den Landkreisen um München – Dachau, Fürstenfeldbruck, Starnberg, Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Ebersberg, Erding, Freising - gingen 844 Meldungen ein. Diese Landkreise waren 2007 erstmals aufgefordert, mitzuzählen. Eine ähnlich umfangreiche Wintervogelzählung hat es bisher nirgendwo in Deutschland gegeben. Die Ergebnisse sind wissenschaftlich gut auswertbar. Sie bestätigen einige Vermutungen, ermöglichen aber auch völlig neue Erkenntnisse über die Überwinterung vieler Vogelarten

Bei allen fleißigen Zählern und Zählerinnen bedanken wir uns herzlich!
 

Zählbezirk

Meldebögen

München-Innenstadt

49       

München

668       

Landkreis München

230       

Umland (Landkreise um München)

844       

Bayern

160       

Summe

1951       

Ein paar Meldebögen gingen leider zu spät ein, um berücksichtigt zu werden, und bei einigen wenigen gab es Leseprobleme. Die meisten Fragen konnte das LBV-Team aber per Telefon klären.
Übrigens: Alle Melder, die ihre Adresse angegeben haben,  bekommen die Ergebnisse per Post – unabhängig davon, ob und wie viele Vögel sie gezählt haben! Denn einige wenige Melder mussten uns leider ein Null-Ergebnis präsentieren…


Knapp behauptet: Die Kohlmeise wieder auf Platz 1

Platz eins nimmt auch heuer – wie bereits im letzten Jahr – die Kohlmeise ein. Mit 9600 gezählten Individuen steht sie an der Spitze, letztes Jahr wurden 8118 Kohlmeisen gemeldet. Bei doppelter Anzahl von Meldebögen ist das allerdings eher dürftig. Ähnlich erging es Blaumeise und Amsel, die ihre Zahlen nur wenig verbessern konnten und sogar ein paar Plätze verloren. Den Grund dafür sehen die Vogelkundler vom LBV München in der temperaturbedingt geringeren Teilnahme dieser Arten an der Winterfütterung. Dafür holte der Grünfink stark auf: Er belegt nun Platz zwei und ist der Kohlmeise dicht auf den Fersen.

Die Vogel-Hitparade

Platz

Vogelart

Anzahl 2007

Anzahl 2006

 1

Kohlmeise

9600

8118

 2

Grünfink

7784

4603

 3

Haussperling

7725

3877

 4

Amsel

6598

4713

 5

Blaumeise

5508

3959

 6

Feldsperling

3687

2127

 7

Buchfink

3427

2209

 8

Wacholderdrossel

2067

  333

 9

Türkentaube

1687

  791

10

Kleiber

1559

  869

11

Bergfink

1369

1090

12

Buntspecht

1337

  876

13

Rotkehlchen

1319

  627

14

Schwanzmeise

1037

  508

15

Dompfaff/Gimpel

1018

  789

Durch die Mitwirkung der Landkreise wurde dieses Jahr der Haussperling deutlich nach oben gepuscht: Er belegt Platz 3, gleich nach dem Grünfink. Ein Blick auf die Verteilung (Tabelle 2) zeigt jedoch deutlich, was bereits letztes Jahr vermutet wurde: Je weiter man sich dem Stadtzentrum nähert, umso düsterer schaut es aus für den Spatzen. In gerade noch 14% der Meldebögen ist er im Münchner Innenstadtbereich vertreten, in den Stadtaußenbereichen ist er schon fast doppelt so häufig. In den stadtfernen Landkreisen findet er sich dann schon in 58% der Meldebögen – deutlicher kann einem die Stadtflucht des Haussperlings nicht mehr vor Augen geführt werden.
Gegensätzlich zum Haussperling verhält sich der Buntspecht: Er wurde auch dieses Jahr im städtischen Bereich und am Stadtrand deutlich öfter gesichtet als im Umland und in Bayern. Aus einem Waldvogel ist offensichtlich ein Städter geworden.


Deutlich zugelegt hat auch die Wacholderdrossel. Wo sie auftauchte, sah man sie in größeren Schwärmen – meist in der Nähe von Beeren tragenden Bäumen. Dagegen fielen die Seidenschwänze heuer fast völlig aus. Nur drei kleinere Trupps wurden gesichtet. Auch in ihrer Heimat – der sibirischen Taiga - ist es heuer nicht so kalt und die Vögel mussten sich nicht auf den weiten Weg nach Bayern machen.

Die detaillierten Ergebnisse finden Sie in unseren Tabellen: Tabelle 1 zeigt die absoluten Zahlen aller gemeldeten Vögel. In Tabelle 2 finden Sie die durchschnittliche gemeldete Zahl einer Art je Meldebogen, Tabelle 3 zeigt die prozentuale Verteilung der Arten in den Meldebögen. Die Tabellen 2 und 3 sind nach Zählbezirken unterteilt.

Knapp 80% der Melder zählten an einer Futterstelle – etwas weniger als im Jahr 2006. Dabei gaben viele Menschen an, dass in diesem Jahr deutlich weniger Vögel an die Futterstellen kamen als bei der letzten Zählung. Das ist bei Temperaturen um die 12 Grad nicht verwunderlich. Und so waren diejenigen, die ohne Futterhaus zählten, diesmal nicht im Nachteil – sie sahen genauso viele Vögel wie die Futterhaus-Besitzer. Das warme Wetter brachte noch ganz andere Arten zum Vorschein: Igel waren aus ihrem Winterschlaf aufgewacht, Mücken und Ameisen krochen und flogen in den Gärten umher und sogar ein Admiral-Schmetterling wurde beobachtet.



Spitzenergebnis, aber nicht an der Spitze: Der Zaunkönig
Foto: A. Limbrunner


Der Ausnahmewinter hat auch großen Einfluss auf die seltenen Überwinterungsarten: 174 Zaunkönige wurden gesichtet – im letzten Jahr waren es nur 54. Auch die Mönchsgrasmücken, die den Winter normalerweise im Mittelmeerraum oder in England verbringen, wurden fast viermal so häufig gesichtet als letztes Jahr. Nur ein Ausdruck des milden Winters oder bereits Anzeichen für eine Klimaveränderung?
Insgesamt wurden 78 Vogelarten gezählt. Auch ein paar „besondere Vögel“ tauchten auf: So erhielt eine Familie aus Germering auf ihrem Balkon Besuch von einem Glanzstar, einer südafrikanischen Vogelart. Der Vogel war wohl aus der Gefangenschaft entwischt und erfreute sich am Futterhaus. Auch ein Strohhals-Ibis aus Australien wurde gemeldet, ein bekannter Ausbrecher aus dem Tierpark. Ein Melder aus Ottobrunn legte einen Schnappschuss einer
Albino-Amsel bei – der schneeweiße Vogel erscheint regelmäßig in seinem Garten. Dass es gut ist, wenn man bei der Vogelzählung einen Foto zur Hand hat, bewies auch eine Melderin aus Peißenberg: mehr als 50 Wacholderdrosseln hat sie in einem Baum fotografiert und dann bequem zu Hause gezählt.



Saatkrähe (Foto: LBV-Archiv)





Die Glücksfee


Frau Weber (LBV) und der Gewin-
ner des Swarovski-Fernglases


Dass Vogelzählen zum Dauerhobby werden kann, entnehmen wir den Kommentaren zweier Melder: Sie schickten uns zusätzlich zum Meldebogen ihre langjährigen Vogel-Beobachtungen – Vielen Dank!
Auch die weniger beliebten Rabenvögel wurden heuer fleißig mitgezählt. Rabenkrähe, Saatkrähe und Elster tauchten in großer Stückzahl auf – nicht immer zur Freude der Zählenden, wie man etlichen Meldebögen entnehmen konnte. Viele Bürger befürchten einen Rückgang der Singvögel durch die Zunahme von Krähen und Elster und damit verbundenen Nestübergriffen. Vor der im Winter sehr häufigen Saatkrähe (914 Meldungen) muss sich allerdings kein Singvogel fürchten. Der Vogel, den man am grauen unbefiederten Augenbereich von der ganz schwarzen Rabenkrähe unterscheiden kann, ernährt sich nur von Sämereien, Würmern und Insektenlarven. Der Überflug eines Saatkrähenschwarmes von stattlichen 1500 Stück, der aus Neuaubing gemeldet wurde, bleibt außerdem ein Winter-schauspiel. Spätestens Anfang März verlassen uns fast alle Saatkrähen wieder und ziehen nach Nordosten in ihre Brutgebiete.

Dieses Jahr gab es auch eine Menge zu gewinnen: Bei der Verlosung des Swarovski-Fernglases und der 50 Geschenk-gutscheine der Hofpfisterei wirkte Milena (14 Jahre) als Glücksfee. Sie ist die Tochter einer unserer engagiertesten Naturpädagoginnen. Das Fernglas gewann ein Melder aus Vaterstetten. Er ist LBV-Mitglied und wohnt – passend zur Stunde der Wintervögel – am Zaunkönigweg. Zaunkönige hat er bei der Vogelzählung jedoch nicht beobachten können. Vielleicht hat er aber nächstes Jahr mit seinem neuen Fernglas mehr Glück

Herzlichen Glückwunsch!
Alle Gewinner werden von uns informiert.

Übrigens: Unsere singenden Vogelsteckbriefe können Sie weiterhin hier im Internet lesen!

Und wie wurde im letzten Winter gezählt?

Die Ergebnisse der Stunde der Wintervögel 2006 können Sie hier nachlesen.