Projekte: Insektenkartierung

Abfanggraben – Überlebensinsel im ausgeräumten Osten

Auf den Probeflächen fand Wolfgang Lorenz insgesamt 28 Laufkäferarten; von diesen sind 15 als stadtbedeutsam eingestuft. Sie bevorzugen unterschiedliche Strukturen. Die so genannten Kanalkäfer-Arten (Amara curta, Amara eurynota, Amara montivaga) besiedeln die offenen, sonnenexponierten Magerrasen der Böschung. Diese Laufkäfer stehen in Bayern und der Region auf der Vorwarnliste. Auf den kiesigen Rohböden lebt Bembidion femoratum (bei einigen Insektengruppen wie auch bei den Laufkäfern gibt es zu den wissenschaftlichen Namen des Öfteren keine deutsche Bezeichnung). Der schwarz glänzende Käfer ist an den weißen Flecken seiner Flügeldecken zu erkennen. An den trockenen Gebüschsäumen hält sich der schwarze Käfer Synuchus vivalis auf. Er ist zwischen 6 und 9 mm lang. Manche für diese Lebensräume typische Laufkäfer wie z.B. Paradromius linnearis fehlen jedoch.

Ähnliches spiegelt sich bei den Heuschrecken wider. Markus Schwibinger fand fünf Arten, die allgemein häufiger sind und keine besonderen Ansprüche an den Lebensraum stellen. Seltenere Heuschrecken kommen nicht vor.

Ursache hierfür dürfte in erster Linie die im Umfeld intensiv genutzte und biotoparme Landschaft sein. Wenig mobile Arten können aus weiter entfernt gelegenen Biotopen nicht zuwandern.

Für häufigere, aber an extensive Lebensräume angepasste Tagfalter wie Aurorafalter oder Schachbrett spielt der Abfanggraben eine entscheidende Rolle als Überlebensraum. Insgesamt zählte Markus Schwibinger 21 Tagfalterarten. Frühlings-Mohrenfalter, Himmelblauer Bläuling und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling sind bayernweit gefährdet. Letzterer hat hier neben denen im Schwarzhölzl und am Bahndamm der Moosschwaige die letzte individuenreiche Population Münchens. Die Raupen fressen in den Blüten des Großen Wiesenknopfes und verbringen ab September bis ins nächste Frühjahr ihre weitere Entwicklung in den Nestern der Wirtsameise (verschiedene Knotenameisen-Arten). Um den Wiesenknopf-Ameisenbläuling zu erhalten, dürfen die Wiesenknopfpflanzen von Juni bis Ende August nicht gemäht werden. Im Herbst müssen wir darauf achten, den Mäher nicht zu tief über den Boden zu führen, um die Ameisennester nicht zu zerstören.

Um die Insektenvielfalt zu fördern und vorhandene Populationen zu stärken, wollen wir die zugewachsenen Böschungsbereiche weiter öffnen. In den letzten beiden Jahren haben wir bereits einige Lichtungen vergrößert. Der Wiesenknopf-Ameisenbläuling hat seitdem deutlich zugenommen.

Der Schachbrett-Falter macht seinem Namen alle Ehre
Foto: Monika Graf

(Abb1 wird demnächst ergänzt)

Die weißen Flecken auf den Flügeldecken von Bembidion femoratum zeichnen eine Art Kreuz auf dessen Rücken Foto: Ortwin Bleich