Projekt Gebäudebrüter: Fledermäuse

Quartier     Gefährdung     Schutz und Hilfe

Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)


Großer Abendsegler
Foto: A. Zahn

Der Große Abendsegler ist mit seiner Spannweite von knapp 40 Zentimetern die zweitgrößte heimische Fledermaus. Die Flügel sind schmal und für schnellen und ausdauernden Flug gebaut, mit Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h. Große Abendsegler sieht man oft schon nachmittags und am frühen Abend hoch oben am Himmel fliegen – nicht selten werden sie dann mit Schwalben oder Mauerseglern verwechselt. Fledermausarten sind schwer zu bestimmen. Typisch für den Großen Abendsegler ist sein pilzförmiger Ohrdeckel, Tragus genannt.

Abendsegler ernähren sich hauptsächlich von größeren Insekten wie Maikäfern und Faltern, erbeuten aber auch Zuckmücken und anderen schwärmende Kleininsekten. Sie jagen über insektenreichen Flusslandschaften und Feuchtgebieten, aber auch über hell beleuchteten Parkplätzen und Straßen.
Im Juni und Juli sind bei uns nur wenige männliche Tiere anwesend. Die Weibchen ziehen in ihre Wochenstuben im nordöstlichen Mitteleuropa, wo sie ihre Jungen aufziehen. Bei der Wanderung von den Sommer- in die Winterquartiere legen Große Abendsegler bis zu 1500 km zurück.


Quartier

Große Abendsegler sind eigentlich typische Waldfledermäuse, die Quartier in Spechthöhlen alter Bäume beziehen. Weil solche Unterschlüpfe bei uns immer seltener werden, greifen sie zunehmend auf Ersatzquartiere an Gebäuden zurück. Dabei bevorzugen sie hochgelegene Spaltenquartiere, vor allem an älteren Flachdachbauten. Dort beziehen sie ihre Hangplätze vor allem hinter Dachrandverkleidungsplatten und Attikaverblechungen.

Vor allem im Winter sind solche Quartiere starken Temperaturschwankungen ausgesetzt. Abendsegler sind aber gegen Kälte unempfindlicher als andere Fledermausarten. Bei niedrigen Temperaturen drängen sich die Tiere – oft mehrere Hundert in einem Quartier - eng zusammen um zu überleben. Bei warmem Winterwetter hingegen werden die Fledermäuse wach, ihre Soziallaute (sog. Zwitschern) sind dann unter den Hangplätzen zu hören.
 

Gefährdung


Das Schutzschild weist auf ein Baumquartier von Fle-dermäusen hin
Foto: I. Frey-Mann

Neben der für alle Fledermausarten geltenden Bedrohung durch Insektizide und den Einsatz chemischer Holzschutzmittel  leiden Große Abendsegler hauptsächlich an Gefährdung durch Quartierverlust. Das Fällen von Bäumen im Winter zerstört nicht nur Quartiere in Spechthöhlen. Es gefährdet auch das Leben überwinternder Abendsegler, denn das Aufwachen bei gleichzeitigem Nahrungsmangel zehrt an den Kraftreserven – die Tiere verhungern oder sterben vor Erschöpfung, weil ihre Reserven nicht mehr ausreichen, um den Winter zu überleben. Vor Beginn der Fällarbeiten sind daher Bäume mit Hohlräumen auf den Besatz mit Fledermäusen zu überprüfen. Dies übernehmen die Fledermausexperten des LBV. Mit einem Endoskop können auch uneinsehbare Bereiche

untersucht werden. Bereits bekannte „Fledermausbäume“ werden vom LBV mit Schildern markiert. Solche Bäume dürfen nur mit behördlicher Ausnahmegenehmigung und nach vorhergehender Prüfung gefällt werden!
Auch viele Gebäudequartiere gehen verloren. Die bevorzugt besiedelten Gebäudetypen aus den siebziger Jahren sind großenteils sanierungsbedürftig. Durch Fassadendämmung und Dachsanierung entstehen neue Gebäudestrukturen, die die alten Hangplätze manchmal nicht mehr zulassen oder das Klima darin verändern. Ersatzmaßnahmen müssen daher sehr genau auf ihre Eignung geprüft werden. Während des Winters (November bis März) dürfen an den Quartieren keinerlei Veränderungen vorgenommen werden.


Fledermausquartier unter
den Platten der Dachrand-verkleidung  Foto: S. Weber


Schutz und Hilfe

Schutzstatus:

streng geschützt gem. BNatSchG

Rote Liste 3 gefährdet

Neben dem Aufruf zum Versicht auf Insektizideinsatz in der Landschaft setzen die Schutzmaßnahmen für den Großen Abendsegler bei Sanierung und Umbau von Gebäuden und beim Umgang mit alten Bäumen an:

  1. Voruntersuchung durch Fledermausexperten auf Fledermausbesiedelung alter Bäume bei Fällmaßnahmen
  1. Prüfung auf Vorkommen von Fledermäusen und ihren Quartieren vor Sanierungsbeginn
  1. Bauzeit während der Abwesenheit der Tiere

  1. keine Verwendung von Fledermaus gefährdenden chemischen Holzschutzmitteln bei Dachsanierungen

      Liste Fledermaus verträglicher Holzschutzmittel (pdf 530 kb)

  1. Anbieten von Ersatzquartieren nach der Sanierung
     

Fledermaus-Ersatzquartier in der Franz
Wolterstr. in Oberföhring   pdf-Datei 1,9 MB

    6. Vorbeugende Quartierschaffung bei Neubauten

Quartiere für Fledermäuse können auch in moderne Gebäude integriert werden, z. B. in den Attikabereich.

Sind Sie ein Anwärter für unseren Baupreis?

  1. Anbieten von Fledermauskästen in geeigneter Lage

Fledermauskästen sind im Fachhandel erhältlich, können aber auch leicht selbst hergestellt werden.
 

Bauanleitung Fledermaus-Kasten

handelsübliche Fledermauskästen
Fotos: S. Weber, Firma Schwegler


Fledermauskasten
pdf 165 kB

Wer ein Quartier für Abendsegler schaffen möchte, sollte dabei beachten:
 

 

Bevorzugte Gebäude

 

Lage am Gebäude

Quartierstyp

Platzbedarf bxhxt (cm)

Einflugöffnung (mm)

Besondere Bedingungen

weitere Maßnahmen

Hohe Gebäude

hinter Wand- und Dachrandverkleidungen ab 5 m Höhe

Spaltenquartier

100x50x3-10 cm

 

20-40 mm Spalt auf ganzer Länge

 

Hangplatz und Einflugbereich aufgeraut;

keine Zugluft!

 

Freier Anflug vor und unter dem Quartier

Nordost bis Südost bevorzugt


Sie wünschen Beratung?

Landesbund für Vogelschutz
Projekt Artenschutz an Gebäuden
Klenzestr. 37
80469 München
T:20 02 70-83
E-Mail:
s-weber@lbv.de