Pressemitteilung: Der Landesbund für Vogelschutz präsentiert die Ergebnisse der Wintervogelzählung 2008


Kranichflug  Foto: H. Lutschak
 

Kohlmeise häufigste Vogelart, Kraniche über München, viele Zugvögel bleiben lieber daheim

Teilnehmerzahl: Im dritten Jahr der Durchführung beteiligte sich eine neue Rekordzahl von Teilnehmern aus München und den Nachbarlandkreisen an der Stunde der Wintervögel. Insgesamt 2.882 Vogelzähler machten mit und zählten am 5. oder 6. Januar jeweils eine Stunde lang alle Vögel in Gärten oder Grünanlagen. Die Rekordzahl der Zählungen (über 100.000 Vögel wurden gezählt) brachte nicht nur die ehrenamtlichen Mitarbeiter ins Schwitzen, die dreimal so viele Zählungen in die Computer eingeben mussten wie noch 2006, sondern bescherte dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) auch die größte Wintervogelzählung, die in Deutschland je durchgeführt wurde. Dr. Irene Frey-Mann, 1. Vorsitzende des LBV München bedankt sich herzlich bei allen Zählern: „Die hervorragend auswertbaren Ergebnisse helfen uns bei der Naturschutzarbeit enorm weiter. Die Zählung ist der Beweis, dass in jedem an der Natur interessierten Bürger auch ein Wissenschaftler steckt.“

Die Vogel-Hitparade
Wie sollte es anders sein, wie in den Jahren zuvor ist die Kohlmeise die häufigste Vogelart. Egal ob im kleinen Dorf oder der Millionenstadt München – überall kommt die Kohlmeise im Winter gut zurecht. Sie profitiert in besonderer Weise von der Winterfütterung.

Zwiespältig ist das Ergebnis für den Spatzen, der Platz zwei innehat. Während der Spatz im Zentrum Münchens erschreckend selten geworden ist (durchschnittlich nur noch ein Spatz pro Zählbogen), ist er in den umliegenden Landkreisen bis zu zehnmal häufiger (z.B. im Landkreis Weilheim-Schongau mit 11 Spatzen pro Meldebogen). Fazit: Der Spatz ist kein Städter mehr – wahrscheinlich weil die Nahrung für die Jungenaufzucht (viele Insekten im Sommer) fehlt.

Der Spatz ist in der Stadt schon fast vom Buntspecht eingeholt worden, der inzwischen in nahezu jedem Garten beobachtet werden konnte. Verblüffend ist, dass der Buntspecht in der dicht besiedelten Großstadt München inzwischen genauso häufig oder sogar häufiger ist als in den großen Flächenlandkreisen Miesbach, Weilheim oder Bad Tölz. Der ehemalige Waldvogel ist inzwischen einfach „verstädtert“ und mit Altbäumen entlang der Stadtstraßen genauso zufrieden wie mit einem Wäldchen in Dorfnähe. Auffällig ist die Häufigkeit des Zeisigs (13. Platz). Er hat gegenüber letztem Jahr acht Plätze gutgemacht. Allem Anschein nach sind große Schwärme aus Nordeuropa im Großraum München eingetroffen.

Die Ergebnistabelle

Platz Vogelart Zählungen 2008
1 Kohlmeise 17405
2 Haussperling 13449
3 Grünfink 12921
4 Amsel 11910
5 Blaumeise 8961
6 Buchfink 7199
7 Feldsperling 6728
8 Bergfink 4242
9 Saatkrähe 3024
10 Türkentaube 2931
11 Kleiber 2744
12 Dompfaff/Gimpel 2605
13 Zeisig/Erlenzeisig 2474
14 Buntspecht 2459
15 Rotkehlchen 2332
16 Schwanzmeise 1840
17 Rabenkrähe/Aaskrähe 1313
18 Stieglitz 1168
19 Eichelhäher 1142
20 Haubenmeise 1111

Der milde Winter: Wie wirkt sich der zweite milde Winter in Folge auf unsere Zugvögel aus? Kurz gesagt – immer mehr von ihnen bleiben daheim. Vom Hausrotschwanz, der früher ausschließlich im Mittelmeergebiet und Nordafrika überwinterte wurden 50 Individuen gezählt, die sich auf unterschiedlichste Orte im ganzen Zählgebiet verteilen.
Ähnlich spannend unsere Mönchsgrasmücken. Vor etwa 15 Jahren war es eine Sensation für Ornithologen, dass diese Vögel nicht nur am Mittelmeer, sondern auch im wintermilden England zu überwintern begannen. Nun wurde die Mönchsgrasmücke mitten im Winter schon 32mal aus dem Großraum München gemeldet. Den Zaunkönig, der früher fast komplett aus Südbayern abzog, mag man schon gar nicht mehr als Zugvogel bezeichnen. 391mal wurde er bei der Stunde der Wintervögel festgestellt.

Völlig verwundert rieben sich zwei Zähler in der Isarau und in Johanneskirchen die Augen als sie unabhängig voneinander sieben Kraniche über dem Münchner Stadtgebiet fliegen sahen. Dieser majestätische Vogel, der in Bayern als Brutvogel ausgestorben ist, überwinterte früher nur in Spanien und Afrika. Seit etwa 10 Jahren tut er das auch in Frankreich. Für das alpennahe und eigentlich kalte München kann die Beobachtung der Kraniche am 6. Januar als Sensation gelten.

Während die Vogelzähler also viele daheim gebliebene Vögel beobachten konnten, warteten sie auf echte Wintergäste oft vergebens. Der sibirische Seidenschwanz wurde fast gar nicht gemeldet (14 Meldungen), Wacholderdrosseln waren deutlich seltener als in den Vorjahren (nur 643 Meldungen gegenüber 2.067 im Vorjahr). Als häufige Wintergäste waren nur der Bergfink (4.254 Meldungen) und der Zeisig (2.474 Meldungen) zu sehen. Beide kommen aus Nordeuropa im Winter zu uns nach München.

Glückliche Gewinner
Natürlich gab es für die Teilnehmer auch etwas zu gewinnen.
Den 1. Preis, ein hervorragendes Vogelbeobachtungs-Fernglas von Swarovski-Optik gewann Frau Annelise Braun aus Berg.
Über den 2. Preis eine Digitalkamera von Foto-Video Sauter darf sich Georg Brunner aus Planegg freuen.
Weitere Zähler gewannen Geschenkgutscheine der Hofpfisterei, die in ihren Bäckereien nur Getreide aus ökologischem Anbau verwendet.
Weitere detaillierte Ergebnisse zur Stunde der Wintervögel sind ab 30. Januar hier im Internet zu sehen.

München, den 24.01.2008
V.i.S.d.P. und Ihr Ansprechpartner für weitere Informationen:
Dr. Heinz Sedlmeier, Klenzestr. 37, 80469 München
Tel.: 089/200270-71 Fax: 089/200270-88
Email: info@lbv-muenchen.de