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Trauermarsch der Münchner
Naturschutzverbände in Freiham
Landesbund für Vogelschutz (LBV) und Bund Naturschutz (BN) betrauern Verlust
von Freiflächen und Artenvielfalt.
Mehr als
50 Trauergäste begleiteten den Trauerzug der Naturschutzverbände zum Schloss
Freiham. Mit der Errichtung des Gewerbegebietes Freiham im Münchner Westen,
das auch mehrere Möbel- und Heimwerkergroßmärkte aufnehmen soll, schließt
sich die Landeshauptstadt München einem gefährlichen Trend an. In ganz
Bayern werden riesige Freiflächen entlang der Autobahnen mit Großmärkten und
Gewerbeflächen überplant. Unter diesem Flächenverbrauch gigantischen
Ausmaßes, in Freiham handelt es sich um 554.000 Quadratmeter für Bauland und
Erschließung, leiden Bevölkerung und Natur. Denn es werden immer mehr
Einkäufe mit dem PKW erledigt, was zu Lärm, Abgasen und Staus führt.
Außerdem stehen dem Erholungssuchenden in der zersiedelten Landschaft immer
weniger Räume offen. Tier- und Pflanzenwelt verlieren ihre traditionellen
Vorkommensgebiete, so dass sogar Allerweltsvögel wie die Feldlerche im Raum
München schon zu Raritäten geworden sind. Da der Bund Naturschutz und der
Landesbund für Vogelschutz die ausufernde Flächenversiegelung in Bayern
nicht allein verhindern können, soll unser Trauermarsch als Denkanstoss und
Handlungsaufforderung an alle Verantwortlichen dienen, sich in Zukunft für
Flächen schonendes Bauen einzusetzen und die letzten Münchner Freiflächen zu
erhalten.
Die Fehler, die bei der Planung in Freiham gemacht wurden lassen sich
allegorisch in 7 Todsünden übersetzen. Diese 7 Todsünden der Münchner
Stadtplanung wurden beim Trauermarsch in Trauerreden vorgestellt.
1.
Todsünde - Flächenvergeudung
Für die
Bebauung in Freiham werden 554.000 Quadratmeter als Bauland oder für die
Erschließung verbraucht. Es handelt sich um Bebauung „auf der grünen Wiese“.
Auf Tiefgaragen wird bei der Bebauung verzichtet. Die Großmärkte verzichten
meist auf Flächen sparende, mehrstöckige Bauweise.
2.
Todsünde - Vernichtung der Artenvielfalt
Die
Freiflächen um Schloss Freiham beherbergen viele Tier- und Pflanzenarten:
Rebhuhn, Feldlerche, Rauch- und Mehlschwalbe und der Feldhase sind davon die
bekanntesten. Diese Tiere hatten einen Verbreitungsschwerpunkt im
Stadtgebiet im Münchner Westen. Durch die Bebauung werden sie auch dort zu
Raritäten und sind von Münchner Bürgern in Zukunft wohl nur noch bei
Urlaubsreisen oder im Zoo zu beobachten.
3.
Todsünde - Zerstörung der Kulturlandschaft
Das
landwirtschaftliche Gut Schloss Freiham hat über die letzten vierhundert
Jahre mit seinen Hecken, Äckern und Alleen die Landschaft im Münchner Westen
geprägt. Nun wird diese Landschaft in ein Mosaik aus Autobahnzubringern und
Großmärkten verwandelt. Der Landschaftscharakter wird unwiederbringlich
zerstört.
4.
Todsünde - Verlust der Einkaufsmöglichkeiten in der Innenstadt
Auch wenn es jetzt wieder einen Möbelgroßmarkt mehr in München gibt, werden
trotzdem nicht mehr Möbel gekauft. Das heißt: Möbelmärkte in der Innenstadt
und in den Nachbargemeinden müssen wegen der Billigkonkurrenz auf der grünen
Wiese schließen.
5.
Todsünde - Verschwendung von Steuergeldern
Die Verkehrserschließung des Gewerbegebietes Freiham kostet 52 Millionen €
(Endgültiger Beschluss des Stadtrates vom 15.12.2003 Vorlagen-Nr.: 02-08 / V
03585). Mit mindestens 5,8 Millionen ist der Steuerzahler bei der
Finanzierung dabei (staatliche Fördermittel für den Autobahnanschluss).
Gelingt es nicht die übrigen Kosten auf die Käufer umzulegen, drohen weitere
Kosten. Es darf die Frage gestellt werden, ob dieses Geld nicht in Bildung
und Forschung günstiger investiert wäre als in die Subventionierung von
Möbelmärkten.
6.
Todsünde – Verkehrslärm und Abgase
Das Gewerbegebiet Freiham erhält einen eigenen Autobahn-Halbanschluss an die
A96. Es liegt zudem unmittelbar am zukünftigen Autobahndreieck München West.
Damit wird der Trend Einkäufe bevorzugt mit dem PKW zu erledigen weiter
befördert. Auf die Einwohner von Aubing, Neuaubing und Pasing rollt damit
eine neue Verkehrslawine zu. Vor allem Anwohner der Bodensee- und
Landsberger Straße sind betroffen.
7.
Todsünde – Ungenügende Bürgerbeteiligung
Im Genehmigungsverfahren für das Gewerbegebiet Freiham sind alle Argumente
der Naturschutzverbände „abgewogen“ worden. Kein Verbesserungsvorschlag
wurde in irgendeiner Weise aufgegriffen oder tiefer gehend diskutiert. Man
konnte den Eindruck bekommen, dass das Ergebnis des Bebauungsplanverfahrens
schon vor der Beteiligung von Öffentlichkeit und Naturschutzverbänden
feststand.
Fazit des
Trauermarsches
Das Münchner Stadtgebiet ist bereits zu mehr als 45 % versiegelt. Es muss
jetzt bei allen Verantwortlichen schnellstmöglich die Erkenntnis reifen,
dass weitere Freiflächen nicht mehr verbraucht werden können. Ein Mindestmaß
an Erholungs- und naturnahen Flächen muss für die Münchner Bürger und auch
für die Tier- und Pflanzenwelt der Münchner Schotterebene erhalten bleiben.
Für eine Münchner Stadtplanung, die sich das Motto „kompakturban- grün“ auf
die Fahnen geschrieben hat, ist die Planung in Freiham ein schwerer
Sündenfall.
V.i.S.d.P.
und Ihre Ansprechpartner für weitere Informationen:
LBV Kreisgruppe München
Dr. Heinz Sedlmeier, Klenzestr. 37, 80469 München
Tel.: 089/200270-71 Fax: 089/200270-88,
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