Presseinformation, München, 18.11.2005

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Trauermarsch der Münchner Naturschutzverbände in Freiham
Landesbund für Vogelschutz (LBV) und Bund Naturschutz (BN) betrauern Verlust von Freiflächen und Artenvielfalt.

Mehr als 50 Trauergäste begleiteten den Trauerzug der Naturschutzverbände zum Schloss Freiham. Mit der Errichtung des Gewerbegebietes Freiham im Münchner Westen, das auch mehrere Möbel- und Heimwerkergroßmärkte aufnehmen soll, schließt sich die Landeshauptstadt München einem gefährlichen Trend an. In ganz Bayern werden riesige Freiflächen entlang der Autobahnen mit Großmärkten und Gewerbeflächen überplant. Unter diesem Flächenverbrauch gigantischen Ausmaßes, in Freiham handelt es sich um 554.000 Quadratmeter für Bauland und Erschließung, leiden Bevölkerung und Natur. Denn es werden immer mehr Einkäufe mit dem PKW erledigt, was zu Lärm, Abgasen und Staus führt.
Außerdem stehen dem Erholungssuchenden in der zersiedelten Landschaft immer weniger Räume offen. Tier- und Pflanzenwelt verlieren ihre traditionellen Vorkommensgebiete, so dass sogar Allerweltsvögel wie die Feldlerche im Raum München schon zu Raritäten geworden sind. Da der Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz die ausufernde Flächenversiegelung in Bayern nicht allein verhindern können, soll unser Trauermarsch als Denkanstoss und Handlungsaufforderung an alle Verantwortlichen dienen, sich in Zukunft für Flächen schonendes Bauen einzusetzen und die letzten Münchner Freiflächen zu erhalten.
Die Fehler, die bei der Planung in Freiham gemacht wurden lassen sich allegorisch in 7 Todsünden übersetzen. Diese 7 Todsünden der Münchner Stadtplanung wurden beim Trauermarsch in Trauerreden vorgestellt.

1. Todsünde - Flächenvergeudung
Für die Bebauung in Freiham werden 554.000 Quadratmeter als Bauland oder für die Erschließung verbraucht. Es handelt sich um Bebauung „auf der grünen Wiese“. Auf Tiefgaragen wird bei der Bebauung verzichtet. Die Großmärkte verzichten meist auf Flächen sparende, mehrstöckige Bauweise.

2. Todsünde - Vernichtung der Artenvielfalt
Die Freiflächen um Schloss Freiham beherbergen viele Tier- und Pflanzenarten: Rebhuhn, Feldlerche, Rauch- und Mehlschwalbe und der Feldhase sind davon die bekanntesten. Diese Tiere hatten einen Verbreitungsschwerpunkt im Stadtgebiet im Münchner Westen. Durch die Bebauung werden sie auch dort zu Raritäten und sind von Münchner Bürgern in Zukunft wohl nur noch bei Urlaubsreisen oder im Zoo zu beobachten.

3. Todsünde - Zerstörung der Kulturlandschaft
Das landwirtschaftliche Gut Schloss Freiham hat über die letzten vierhundert Jahre mit seinen Hecken, Äckern und Alleen die Landschaft im Münchner Westen geprägt. Nun wird diese Landschaft in ein Mosaik aus Autobahnzubringern und Großmärkten verwandelt. Der Landschaftscharakter wird unwiederbringlich zerstört.

4. Todsünde - Verlust der Einkaufsmöglichkeiten in der Innenstadt
Auch wenn es jetzt wieder einen Möbelgroßmarkt mehr in München gibt, werden trotzdem nicht mehr Möbel gekauft. Das heißt: Möbelmärkte in der Innenstadt und in den Nachbargemeinden müssen wegen der Billigkonkurrenz auf der grünen Wiese schließen.

5. Todsünde - Verschwendung von Steuergeldern
Die Verkehrserschließung des Gewerbegebietes Freiham kostet 52 Millionen € (Endgültiger Beschluss des Stadtrates vom 15.12.2003 Vorlagen-Nr.: 02-08 / V 03585). Mit mindestens 5,8 Millionen ist der Steuerzahler bei der Finanzierung dabei (staatliche Fördermittel für den Autobahnanschluss). Gelingt es nicht die übrigen Kosten auf die Käufer umzulegen, drohen weitere Kosten. Es darf die Frage gestellt werden, ob dieses Geld nicht in Bildung und Forschung günstiger investiert wäre als in die Subventionierung von Möbelmärkten.

6. Todsünde – Verkehrslärm und Abgase
Das Gewerbegebiet Freiham erhält einen eigenen Autobahn-Halbanschluss an die A96. Es liegt zudem unmittelbar am zukünftigen Autobahndreieck München West. Damit wird der Trend Einkäufe bevorzugt mit dem PKW zu erledigen weiter befördert. Auf die Einwohner von Aubing, Neuaubing und Pasing rollt damit eine neue Verkehrslawine zu. Vor allem Anwohner der Bodensee- und Landsberger Straße sind betroffen.

7. Todsünde – Ungenügende Bürgerbeteiligung
Im Genehmigungsverfahren für das Gewerbegebiet Freiham sind alle Argumente der Naturschutzverbände „abgewogen“ worden. Kein Verbesserungsvorschlag wurde in irgendeiner Weise aufgegriffen oder tiefer gehend diskutiert. Man konnte den Eindruck bekommen, dass das Ergebnis des Bebauungsplanverfahrens schon vor der Beteiligung von Öffentlichkeit und Naturschutzverbänden feststand.

Fazit des Trauermarsches
Das Münchner Stadtgebiet ist bereits zu mehr als 45 % versiegelt. Es muss jetzt bei allen Verantwortlichen schnellstmöglich die Erkenntnis reifen, dass weitere Freiflächen nicht mehr verbraucht werden können. Ein Mindestmaß an Erholungs- und naturnahen Flächen muss für die Münchner Bürger und auch für die Tier- und Pflanzenwelt der Münchner Schotterebene erhalten bleiben. Für eine Münchner Stadtplanung, die sich das Motto „kompakturban- grün“ auf die Fahnen geschrieben hat, ist die Planung in Freiham ein schwerer Sündenfall.

V.i.S.d.P. und Ihre Ansprechpartner für weitere Informationen:
LBV Kreisgruppe München
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