Pressemitteilung:Traurige Weihnachtsüberraschung für die Münchner Natur    9.12.2008


Gleisdreieck Pasing – im Sommer eine blühende Naturoase – Foto: LBV
 
Zerstörung des Biotops im Pasinger Gleisdreieck wird endgültig beschlossen

Alle Eingaben und Appelle von Seiten des Landesbund für Vogelschutz (LBV) und anderer Umweltverbände blieben vergebens, am 26.11.  hat der Münchner Stadtrat endgültig entschieden, große Teile des Biotops im Pasinger Gleisdreieck zu überbauen. Der Beschlussabdruck ging dem LBV am heutigen 9.12.2008 zu.
In die Heimat von 64 gefährdeten Pflanzen- und 19 gefährdeten Tierarten ziehen nun mit Metro und Praktiker zwei weitere Großmärkte „auf der grünen Wiese“ ein. Umfangreiche Rodungs- und Planierungsarbeiten im Biotop hatten schon vor dem endgültigen Beschluss der Stadträte stattgefunden.
Die von der Kommunal- über die Landes- bis zur Bundespolitik immer wieder betonte Verantwortung zum Erhalt der Biodiversiät (Artenvielfalt) wurde beiseite geschoben.

Warum ist die Bebauung im Pasinger Gleisdreieck ein schwerer ökologischer Sündenfall?

  1. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) hat mit Schreiben vom 1.2.2007 einen Schutzgebietsantrag für das Pasinger Gleisdreieck bei den zuständigen Behörden eingereicht. Der Antrag wurde am 1.2.2007 Bürgermeister Monatzeder offiziell übergeben. Damit sollte ein unverzichtbares Stück Münchner Natur langfristig erhalten werden. Dennoch werden nun auf 100.000 Quadratmetern wertvolle Biotopflächen vollständig verloren gehen. Das Biotop im Pasinger Gleisdreieck ist ungeheuer artenreich, z. B. wurden 244 Pflanzenarten festgestellt.

  2. Nach wie vor stehen im voll erschlossenen Gewerbegebiet Freiham Süd, das nur wenige hundert Meter entfernt vom Pasinger Gleisdreieck liegt, mindestens 6 ha stadteigene Gewerbeflächen zum Verkauf ( http://www.standort-muenchen.info/seiten/g_liste.html - Gewerbegebiet Freiham, klassisches Gewerbe). Es ist nicht begründbar, warum wichtige Natur- und Erholungsflächen gewerblich überbaut werden sollen, während in unmittelbarer Nähe ein mit Steuergeldern sehr teuer (eigener Autobahnanschluss) hergerichtetes Gewerbegebiet halb leer steht. Dazu bringt der Beschluss des Stadtrats lediglich die Begründung, die ganzen freien Gewerbeflächen in Freiham Süd wären für verarbeitendes Gewerbe reserviert. Dazu gibt Heinz Sedlmeier, Leiter der Geschäftsstelle München des LBV München folgende Prognose ab: „Dass sich in Freiham Süd in den nächsten Jahren verarbeitendes Gewerbe ansiedelt, ist entweder weltfremdes Wunschdenken oder Irreführung. Der Standort Freiham ist für produzierendes Gewerbe viel zu teuer – die Flächen bleiben auch in Zukunft leer oder man siedelt irgendwann in den nächsten Jahren dann doch weitere Bau- oder Möbelmärkte an. Vor diesem Hintergrund ist die Bebauung des Pasinger Gleisdreiecks völlig unverständlich.“

  3. Die Bebauung im Pasinger Gleisdreieck geht mit einer unvorstellbaren Flächenverschwendung einher.  Die Verkaufshallen sind allesamt eingeschossig – Parkhaus oder Tiefgarage sind nicht vorgesehen. Als Begründung für den Verzicht auf Mehrgeschossigkeit und Parkhaus wird im Stadtratsbeschluss folgendes angeführt (S. 30) „Die Kunden der Metro entnehmen die Produkte in größeren Gebinden und laden diese in Einkaufswagen mit großem Fassungsvermögen.“  Das heißt übersetzt, weil die Kunden angeblich besonders große Einkaufswagen nutzen, kann ihnen ein Parkhaus nicht zugemutet werden. Dafür gehen zigtausende Quadratmeter Münchner Freifläche verloren, die über flächensparende Parkplätze hätten erhalten werden können.

Das wäre eine sinnvolle Alternative zur Bebauung im Biotop gewesen:

  • Die beiden Märkte hätten ins Gewerbegebiet Freiham Süd ziehen können. Nun werden diese mit Steuergeldern teuer hergestellten Gewerbegebietesflächen jahrelang leer stehen.

  • Die Gewerbebauten hätte man flächensparend mehrgeschossig und mit Tiefgaragen bauen können.

  • Der Landesbund für Vogelschutz wäre bereit gewesen, die Pflege des Biotops im Pasinger Gleisdreieck zu übernehmen und den Erhalt der für den städtischen Bereich einmaligen Artenvielfalt zu gewährleisten.

Der Landesbund für Vogelschutz empfiehlt den Verbrauchern, genau zu überlegen, ob sie mit ihrem Einkauf Unternehmen unterstützen wollen, die sich großflächig in Naturgebieten ansiedeln, obwohl es umweltverträgliche Alternativen gibt.

München, den 9.12.2008

V.i.S.d.P. und Ihr Ansprechpartner für weitere Informationen:
Dr. Heinz Sedlmeier, Klenzestr. 37, 80469 München Tel.: 089/200270-71 Fax: 089/200270-88
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