Presseinformation, 1.2.2007

BN und LBV beantragen neues Schutzgebiet:
Schutzgebietsantrag für Pasinger Gleisdreieck an Bürgermeister Monatzeder übergeben

Um die außergewöhnlichen Qualitäten des Gleisdreiecks für die Münchner Bevölkerung langfristig zu erhalten, haben die Naturschutzverbände Bund Naturschutz (BN) und Landesbund für Vogelschutz (LBV) Bürgermeister Monatzeder heute einen Antrag auf Ausweisung dieses Gebietes als geschützten Landschaftsbestandteil nach Bayerischem Naturschutzgesetz überreicht.

Das Pasinger Gleisdreieck ist eine etwa 280.000 Quadratmeter große Freifläche im Westen Pasings. Sie liegt zwischen den S-Bahnstrecken nach Herrsching und Tutzing. Die durch kleine Gebüsche und Baumgruppen geprägte offene Wiesenlandschaft wird im Arten- und Biotopschutzprogramm der Landeshauptstadt München als überregional bedeutsam für den Naturschutz eingestuft. Zwei von Bund Naturschutz (BN) und Landesbund für Vogelschutz (LBV) beauftragte externe Gutachter haben auf dem Gelände des Pasinger Gleisdreiecks eine außergewöhnliche vielfältige Pflanzen- und Tierwelt festgestellt. Insgesamt kommen 244 Pflanzenarten vor. Dies entspricht rund 27 % aller Pflanzenarten in München. Sogar das Helm-Knabenkraut, eine bedrohte Orchideenart, gibt es dort noch. Von den im Gleisdreieck festgestellten Pflanzenarten stehen 64 auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen Bayerns. Ähnlich artenreich ist auch die Tierwelt. Obwohl nur wenige Tiergruppen untersucht wurden, enthält das Gutachten 19 Arten der Roten Liste der gefährdeten Tiere Bayerns. Besonders hervorzuheben sind Vorkommen von Grünspecht, Gartenrotschwanz, Zauneidechse und Idas-Bläuling. Die beiden letztgenannten genießen sogar europaweiten Schutz.

Über die Ausweisung gesetzlich geschützter Landschaftsbestandteile kann der Münchner Stadtrat alleine entscheiden. Zur Pflege des wertvollen Biotops schlagen die Naturschutzverbände eine Beweidung mit Schafen vor. Alternativ könnten auch Teilflächen ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden.

„BN und LBV sind bereit, sich aktiv an der Pflege dieses Münchner Naturjuwels zu beteiligen. Unser Antrag enthält konkrete Vorschläge, wie das Biotop langfristig erhalten werden kann“, verspricht Dr. Heinz Sedlmeier, Geschäftsführer der LBV-Kreisgruppe München.

Derzeit gibt es noch Überlegungen, auf dieser für den Naturschutz wertvollen Fläche einen Metromarkt anzusiedeln. Für diesen Markt, seine Verkehrserschließung und ein benachbartes Gewerbegebiet sollen lt. Planungsunterlagen insgesamt 109.600 Quadratmeter Freifläche komplett überbaut werden. Die geplanten öffentlichen Grünflächen umfassen 3.200 Quadratmeter, das entspricht 3 % der Gesamtfläche. Der aktuelle Flächennutzungsplan sieht hier bisher eine wichtige übergeordnete Grünbeziehung vor, die zu erhalten wäre.

 

„Wir fordern die Stadt München auf die Planungen für den Metromarkt einzustellen. Flächen, die von überregionaler Bedeutung für den Naturschutz sind, müssen für den Bau von Großmärkten tabu sein“, meint Dr. Rudolf Nützel, Geschäftsführer der BN-Kreisgruppe München.

 

Die Naturschützer zitieren den Stadtdirektor vom Münchner Planungsreferat, Herrn Stephan Reiß-Schmidt: „Wie die Münchner Flächenbilanz zeigt, sind nur noch 42 % des Stadtgebietes Freiraum, also Grün-, Wald-, Landwirtschafts- und Wasserflächen. Dies ist angesichts der relativ hohen Dichte innerhalb der Siedlungsbereiche ein absolutes Minimum, das ohne negative Folgen für Stadtklima und Lebensqualität nicht weiter verringert werden darf“ (Reiß-Schmidt, 2003: Wachstum nach Innen? Innenentwicklung und Flächenmanagement in München, Seite 6).

 

„Dieser Meinung des Planungsreferats schließen wir uns  inhaltlich voll an“, bestätigt Sedlmeier.

 

„Die noch bestehenden Münchner Freiflächen müssen erhalten werden, um die Lebensgrundlagen für die Münchner Bevölkerung und die Natur in der Stadt nachhaltig zu sichern. Das Pasinger Gleisdreieck ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Münchner Natur. Lebensqualität in der Stadt braucht auch Freiräume, nicht nur Großmärkte“, ergänzt Nützel.

Ihre Ansprechpartner für weitere Informationen:
Dr. Heinz Sedlmeier, Tel.: 089 / 200 270-71
Dr. Rudolf Nützel, Tel.: 089 / 51 56 76-70



Gleisdreieck im Sommer
Foto: U. Schwab


Zauneidechse Foto: A. v. Vacano


Gleisdreieck im Sommer
Foto: U. Schwab