Arbeitskreis Saatkrähe/ Kiebitze    (Der Arbeitskreis Kiebitze wurde aufgelöst)

Kiebitze
(Vanellus vanellus)
sind seltene bedrohte Watvögel und brauchen unseren Schutz


Steckbrief

Ordnung: Regenpfeifer, Rote Liste: Kategorie 4 potentiell gefährdet
Vogel des Jahres 1996, Volkstümliche Name: Muttergottestaube

Kennzeichen
:

Abstehende Feder am Hinterkopf, auffallender Kontrast zwischen metallisch grüner Oberseite und weißer Unterseite mit scharf abgesetzten schwarzen Brustschild. Schnabel knapp kopflang und schwarz, Füße bräunlich fleischfarben, wunderschöner Vogel
Lautäußerung
„kie-witt“, Alarmsignal lang gezogenen „pii“, während des Ausdrucksfluges „chä-chuit“ oder „wit-wit-wit“   
Nahrung
Würmer, Insekten, Pflanzensamen
Gelege
am Boden, meist vier birnenförmige, schwarz gefleckte gelbbraune Eier
Brutdauer
26 bis 29 Tage

Kiebitz.karte.jpg (62350 Byte) 
Kiebitz von Rita Mühlbauer, Vogel des Monats Sept. 2002 bei der Hofpfisterei München
Die Hofpfisterei schützt die Natur! Der anerkannt ökologische Landbau schützt nachweislich den Lebensraum der Vogelart auf Wiesen, Weiden, Feldern und Buschland
Als typischer Offenlandbewohner profitierte der Kiebitz zu nächst bei uns von der Umwandlung von Wäldern in Wiesen- und Ackerlandschaften. In Mitteleuropa Bewohner von Niederungsgebieten ist er vor  allem in der norddeutsch – polnischen  Tiefebene ein weit verbreiteter Charaktervogel. Viele seiner Eigenschaften prädestinieren ihn zu einem „Anpasser“ an gewandelte Lebensräume infolge von Nutzungsänderungen. Während seine „Wiesenvogelkollegen“ (die in München schon längst ausgestorben sind) wie Großer Brachvogel und Uferschnepfe durch ihre „Werkzeuge“ (= Schnäbel) viel enger an feuchte Wiesen angepasst sind, schien den Kiebitz die Umwandlung von Feuchtgrünland in Äcker nicht weiter zu beeindrucken. Der kurzschnäbelige Kulturfolger machte den Nutzungswandel mit und baute vielerorts an seiner flachen, spärlich ausgepolsterten Nestmulde weiter, um die meist vier birnenförmigen, olivbraunen, schwärzlich gefleckten Eier fortan auf Mais- und Getreideäckern 26-29 Tage hauptsächlich durch das Weibchen zu bebrüten.

Auch in puncto Feindabwehr besitzt der Kiebitz im Vergleich zu Brachvogel und Uferschnepfe etwas günstigere Karten. Mit seinen runden, breiteren Flügeln ist er ein ausgesprochener Schnellstarter und Kunstflieger, der es sich „leisten“ kann, Luftfeinde näher herankommen zu lassen, ihnen durch Blitzstart und Flugakrobatik auszuweichen, um sie mit dem auffälligen Schwarz – Weiß - Muster im Flug noch zusätzlich zu verwirren. Wo es ihr Lebensraum erlaubt, brüten Kiebitze zusammen in lockeren Kolonien. Gemeinsam können Fressfeinde noch besser verunsichert werden durch wechselseitiges Angreifen mit verwirrenden Flugmanövern.
Der Kiebitzspeiseplan besteht hauptsächlich aus vielartigem Kleingetier, vor allem Insekten, und nur aus wenig Pflanzlichem. Die sozialen Vögel lassen sich außerhalb der Brutzeit bei Zug und Rast auf kurzrasigem Grünland und braunen Äckern, Schlammflächen und offenen Ufern oft in großen Schwärmen beobachten. Diese „Kiebitzschwärme“ die sich hauptsächlich aus Vögeln nördlicher und östlicher Herkunft zusammensetzen, gaukeln uns eine Kiebitz-Fülle vor, die bei uns nicht mehr existiert.
Überall in unserem Land mehren sich die Feststellungen katastrophal schlechter Brutbestände und  Fortpflanzungserfolge. (Vogelschutz Heft 1 / 1996) 

Situation in München:

Von den Feld- und Grünland - Arten haben gegenwärtig nur Kiebitz (80 – 90 Paare) und Schafstelze (30 – 40 Reviere) einen größeren Brutbestand im Stadtgebiet. Beide Arten haben aber in den letzten Jahrzehnten starke Lebensraumverluste und Bestandseinbrüche in München hinnehmen müssen. Die größere ökologische Flexibilität von Schafstelze und Kiebitz, die nach dem Verlust der ursprünglichen Lebensräume (naturnahes Grünland) auf Äcker als Ersatzlebensräume ausweichen konnten, hat das Aussterben beider Arten bisher verhindert. (Naturschutz Report 1. Halbjahr 2002 , Claus Obermeier)   

Robert Reisinger