| Arbeitskreis Saatkrähe/ Kiebitze (Der Arbeitskreis Kiebitze wurde aufgelöst) |
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Als
typischer Offenlandbewohner profitierte der Kiebitz zu nächst bei uns von
der Umwandlung von Wäldern in Wiesen- und Ackerlandschaften. In
Mitteleuropa Bewohner von Niederungsgebieten ist er vor
allem in der norddeutsch – polnischen
Tiefebene ein weit verbreiteter Charaktervogel. Viele seiner
Eigenschaften prädestinieren ihn zu einem „Anpasser“ an gewandelte
Lebensräume infolge von Nutzungsänderungen. Während seine
„Wiesenvogelkollegen“ (die in München schon längst ausgestorben
sind) wie Großer Brachvogel und Uferschnepfe durch ihre „Werkzeuge“
(= Schnäbel) viel enger an feuchte Wiesen angepasst sind, schien den
Kiebitz die Umwandlung von Feuchtgrünland in Äcker nicht weiter zu
beeindrucken. Der kurzschnäbelige Kulturfolger machte den Nutzungswandel
mit und baute vielerorts an seiner flachen, spärlich ausgepolsterten
Nestmulde weiter, um die meist vier birnenförmigen, olivbraunen, schwärzlich
gefleckten Eier fortan auf Mais- und Getreideäckern 26-29 Tage hauptsächlich
durch das Weibchen zu bebrüten. Auch in puncto Feindabwehr besitzt der Kiebitz im Vergleich zu Brachvogel und Uferschnepfe etwas günstigere Karten. Mit seinen runden, breiteren Flügeln ist er ein ausgesprochener Schnellstarter und Kunstflieger, der es sich „leisten“ kann, Luftfeinde näher herankommen zu lassen, ihnen durch Blitzstart und Flugakrobatik auszuweichen, um sie mit dem auffälligen Schwarz – Weiß - Muster im Flug noch zusätzlich zu verwirren. Wo es ihr Lebensraum erlaubt, brüten Kiebitze zusammen in lockeren Kolonien. Gemeinsam können Fressfeinde noch besser verunsichert werden durch wechselseitiges Angreifen mit verwirrenden Flugmanövern. Der Kiebitzspeiseplan besteht hauptsächlich aus vielartigem Kleingetier, vor allem Insekten, und nur aus wenig Pflanzlichem. Die sozialen Vögel lassen sich außerhalb der Brutzeit bei Zug und Rast auf kurzrasigem Grünland und braunen Äckern, Schlammflächen und offenen Ufern oft in großen Schwärmen beobachten. Diese „Kiebitzschwärme“ die sich hauptsächlich aus Vögeln nördlicher und östlicher Herkunft zusammensetzen, gaukeln uns eine Kiebitz-Fülle vor, die bei uns nicht mehr existiert. Überall in unserem Land mehren sich die Feststellungen katastrophal schlechter Brutbestände und Fortpflanzungserfolge. (Vogelschutz Heft 1 / 1996) |
Situation in München: Von den Feld- und Grünland - Arten haben gegenwärtig nur Kiebitz (80 – 90 Paare) und Schafstelze (30 – 40 Reviere) einen größeren Brutbestand im Stadtgebiet. Beide Arten haben aber in den letzten Jahrzehnten starke Lebensraumverluste und Bestandseinbrüche in München hinnehmen müssen. Die größere ökologische Flexibilität von Schafstelze und Kiebitz, die nach dem Verlust der ursprünglichen Lebensräume (naturnahes Grünland) auf Äcker als Ersatzlebensräume ausweichen konnten, hat das Aussterben beider Arten bisher verhindert. (Naturschutz Report 1. Halbjahr 2002 , Claus Obermeier) Robert Reisinger |