AK Fledermäuse: Europäische Fledermausnacht im Englischen Garten 2009

Am Samstag, den 29. August lud der Arbeitskreis Fledermäuse des LBV zum 10. Mal zur „Europäischen Fledermausnacht“ im Englischen Garten ein.
Eher unauffällig gibt sich der Laden des LBV (Landesbund für Vogelschutz) in der Klenzestraße 37. Und wer nicht weiß, was sich darin verbirgt, mag achtlos daran vorübergehen. Eine ganz große Organisation nämlich. Mit aller Vielfalt, die zum Vogel- und Naturschutz gehört: Hinter dem Laden befinden sich die Geschäftsräume des LBV – Kreisgruppe München.

Hier tagen die diversen Arbeitskreise, wie AK Fledermäuse, Schmetterlinge, auch Biotoppflege, um nur einige zu nennen. Und natürlich steht das alles im Austausch mit der Landschaftspflege und reicht bis in die Politik hinein. Die meisten hier arbeiten ehrenamtlich. Ohne sie gäbe es das alles nicht.
Das Fest begann um 14.00 Uhr am Rumfordschlössl, dem Natur- und Kultur-Treff nördlich des Chinesischen Turms.
Reichsgraf von Rumford hätte sich darüber sicher gefreut. Denn er war nicht nur ein hervorragender Militärstratege, der unter Kurfürst Karl Theodor, welcher übrigens den Englischen Garten bauen ließ, am Ende des 18. zu Beginn des 19. Jahrhunderts zur Zeit der Kriege zwischen dem Hause Habsburg und Napoleon durch kluges Taktieren erreichte, dass München weitgehend verschont blieb. Sondern er entwickelte auch ein Konzept gegen die Armut.

An die „Rumford´sche Suppe“, einer überwiegend aus Graupen zubereitete Kraftbrühe, die im damaligen Zeughaus – heute das Stadtmuseum - an die Armen ausgeteilt wurde, erinnern sich allerdings nur noch wenige.
Dieses Fest galt den Fledermäusen, die immer mehr unter mangelnder Insektennahrung durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder anderen Chemikalien in der Landwirtschaft und dem Verlust an landschaftlicher Vielfalt leiden. Aber sie verlieren auch durch chemische Behandlungen von Dachstühlen, Verlusten an Höhlenbäumen und Spalten an Gebäuden durch Renovierungen ihre Quartiere. Fast alle 24 bayerischen Fledermausarten werden auf der Roten Liste der gefährdeten Arten geführt.

Der Samstag war ein Familiennachmittag der besonderen Art: Alles drehte sich um diese geheimnisvollen lautlosen Nachtjäger. Gleich am Eingang des Platzes eine große Fledermausattrappe. In das ausgeschnittene Gesichtsoval steckten Klein und Groß das ihrige für ein Foto für das Familienalbum.
Die Maskenbildnerinnen hatten viel zu tun. Wollte doch fast ein jeder eine Fledermausmaske oder ein Tattoo aufgemalt bekommen!

Und dort hinten, an den anderen Ständen, da konnten alle selber Masken ausschneiden, bemalen, und - mit nach Hause nehmen. Für die Älteren gab es reichlich Literatur. Vor allem aber: Die Leiterin des Arbeitskreises Margarete Kistler zeigte aus ihrer Auffangstation für verletzte Fledermäuse 2 lebende Pfleglinge, einen Abendsegler und eine Zwergfledermaus, die abends in die Freiheit entlassen wurden und sie erklärte deren Lebensweise. Große Augen, aufmerksame Stille. Nix Vorurteile wie: “Das sind blutsaugende Vampire“ oder: „Die fliegen in die Haare.“

Und wenn es dann noch wunderbaren Kaffee und selbst gebackenen Kuchen zu allem gibt - wie viele fleißige Hände haben hier zugearbeitet! - dann ist das wirklich ein gelungenes Fest. Sie waren nicht dabei? Schade! Ein Trost:
Am Freitag, den 18. und Samstag, den 19. September veranstaltet der AK Fledermäuse zur Nacht der Umwelt jeweils im Englischen Garten eine Fledermaus-Exkursion.
Veranstaltungskalender liegen auch bei den Hofpfistereien aus. Am besten aber: Sie werden gleich selbst Mitglied. Dann haben Sie alles aus erster Hand.
Wo man das macht? Im kleinen Laden in der Klenzestraße 37.
Selber suchen!!!

Heide-Marie Emmermann, Fotos A. Kistler
Diesen Artikel finden Sie auch im Feuilleton des Glockenbachkurier