AK Fledermäuse: Fledermausdrama in Schwabing

Am 8. Februar 2004 wurden 181 Abendsegler brutal aus ihrem Winterschlaf gerissen. Durch eine heftige Orkanböe brach in Schwabing in der Leopoldstraße ein großes Stammteil einer Esche aus und stürzte zu Boden. Leider riss dabei ein Höhlenquartier der Abendsegler auseinander und die Tiere, noch im Winterschlaf, stürzten mit dem Stammteil aus ca. 10 m Höhe in die Tiefe!

Die Feuerwehr sammelte den größten Teil der Tiere in 2 Transportkisten. Ab jetzt war es mit der sonntäglichen Ruhe der Fledermaus-Aktivisten vorbei: Die Feuerwehr rief Frau Dr. Frey-Mann zu Hilfe. Sie holte die Kisten mit den Fledermäusen auf der Feuerwache ab, sammelte noch viele Tote und einige Verletzte am Unglücksort ein und brachte sie zu Familie Kistler.

Abendsegler
Foto: Zahn

Wir versuchten zu viert, Frau Dr. Frey-Mann, Frau Dr. Thimel und Ehepaar Kistler, dem Chaos Herr zu werden. In heillosem Durcheinander lagen nasse und verschmutzte, leichtverletzte und schwerverletzte sowie tote Abendsegler in den Kisten. Wir untersuchten die Tiere sorgfältig und „sortierten“ aus!

Die 95 unverletzten Tiere ließen wir in einen Schwegler Winter-Quartier-Kasten krabbeln, der zufällig vorrätig war. Die Allianz Umweltstiftung übernahm spontan und großzügiger Weise die Kosten für den teuren Kasten mit dem Argument, dass der „Sturmbaum“ auf einem Grundstück der Allianz Firmengruppe stand. Zwei Tage später hängten wir den Kasten mit Hilfe einer Drehleiter der Feuerwehr im Englischen Garten an einem Baum auf, natürlich mit dem Einverständnis der Garten-Verwaltung. So fanden die unverletzten Tiere baldmöglichst wieder eine neue Heimat in einer fledermausfreundlichen Umgebung.
17 Tiere mit leichteren oder nicht genau erkennbaren Verletzungen kamen zu Frau Kistler in Pflege. Leider sind zwischenzeitlich 8 dieser Tiere gestorben.

Die schwerletzten Tiere, viele mit Brüchen der Extremitäten und der Wirbelsäule, mussten mit fachkundiger Hilfe von Frau Dr. Thimel eingeschläfert werden. Insgesamt gab es 77 tote Abendsegler. Besonders schwerwiegend ist die Tatsache, dass zwei Drittel der Tiere Weibchen waren, die ja für den Nachwuchs in diesem Jahr beigetragen hätten.
Bei der Esche in der Leopoldstraße handelte es sich um ein nicht bekanntes großes Abendsegler-Winterquartier für mindestens 181 Tiere, das für die Fledermäuse verloren ging.
Wir hoffen, dass sich der Münchner Abendseglerbestand durch einen guten Reproduktions-Sommer wieder erholt und die Tiere im Herbst auch wieder ein geeignetes Winterquartier ohne Störung finden.

Margarete Kistler
Dr. Irene Frey-Mann