Umweltbildung: Umwelttipps

Wiesenmusikanten
Der LBV lädt zu einem Wiesenkonzert ein

Neben dem Vogelgesang und Froschquaken gibt es in der Natur noch weitere Stimmen zu hören. Wenn unsere Grillen und Heuschrecken auch nicht annähernd ein solches Spektakel machen, wie deren tropische Verwandte, so tönt doch ein deutlich hörbares Geigen, Zirpen und Schwirren aus Ackerrandstreifen oder Wiesen.

Alle diese Wiesenmusikanten gehören zu der Gruppe der Geradflügler. Allerdings lassen sich zwei Gruppen von Heuschrecken unterscheiden. Langfühlerschrecken, bei denen – nomen est omen – die Fühler mindestens genauso oder meist sogar noch länger sind als der Körper. Sie erzeugen ihr Zirpen, indem sie ihre beiden Vorderflügel aneinander reiben. Zu den Langfühlern gehören die Grillen und Laubheuschrecken (Beispiel Heupferd). Kurzfühler– oder Feldheuschrecken, sie werden im Volksmund auch Grashüpfer genannt, spielen mit einer etwas anderen Technik auf. Sie streichen die Hinterbeine über die Vorderflügel und lassen so ihr charakteristisches Lied erklingen.

Die meisten heimischen Heuschrecken überwintern im Ei-Stadium und durchlaufen bis zum Sommer mehrere Larvenstadien, erklärt der Landesbund für Vogelschutz (LBV). Erst im Sommer – nach der letzten Häutung – sind die Tiere erwachsen und beginnen mit ihren akustischen Aktivitäten, die, wie bei vielen anderen Tierarten auch, dem Werben eines weiblichen Partners dienen. Nach der Paarung legen die Weibchen die Eier mit Hilfe eines „Legebohrers“ bzw. „Legestachels“ in die Erde oder in das Pflanzengewebe. Bereits unmittelbar nach dem Schlüpfen besitzt die Larve eine sehr große Ähnlichkeit mit dem Altinsekt. Erst nach mehreren Häutungsstadien erlangt das Junginsekt seine endgültige Größe.

Allein in Deutschland gibt es 81 verschiedene Arten von Heuschrecken und Grillen. Da sie sehr empfindlich auf die Änderung von Umweltbedingungen reagieren, sind etwa die Hälfte aller Arten gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Um eine vielstimmige Sinfonie spielen zu können, brauchen die tierischen Musikanten einen abwechslungsreichen Lebensraum. Vor allem in Acker- und Wegrainen fühlen sich die Heuschrecken, aber auch viele andere Insekten wohl. Arten- und strukturreiche Pflanzengesellschaften mit Klatschmohn, Feldrittersporn und vielen weiteren Wildkräutern bieten Nahrung und Deckung. Sie sind aber auch Rückzugsgebiete und Ersatzlebensräume für eine Reihe von Arten, die von intensiv genutzten Wiesen und Äckern verdrängt wurden. So beherbergt dieser Lebensraum ein unersetzliches Artenreservoir an Wildpflanzen sowie Vogel-, Käfer- und Schmetterlingsarten.


Wolfgang Kuhn