Umwelttipps: Wildgemüse-Tipp zum Monat November

Schlehenschnaps und -likör

Die Schlehen sind reif und man erkennt sie eindeutig daran, dass sie an einem dornigen Strauch hängen und etwas kleiner als eine Haselnuss sind und vor allem: an ihrer blauen Farbe, manchmal auch dunkelblau, fast schwarz. Da gibt es keine Verwechslungs-möglichkeit. Wenn es noch keinen Frost gegeben hatte, schmecken viele Schlehen noch sauer und sie ziehen dem Geschmacksprobierenden den Mund zusammen, wobei gleichzeitig ein sehr pelziges Gefühl im Mundraum entsteht. Viele Schlehensträucher erzeugen solche Effekte aber nur abgeschwächt. Der erste richtige Frost lässt diese unangenehmen Geschmackserlebnisse verschwinden und gibt der Aromareifung einen entscheidenden Entwicklungsschub, was der Schlehenfreund sehr schätzt. Das brachte viele Leute auf die Idee, die Schlehen schon vor dem ersten Frost zu ernten und sie dann mal über Nacht in die Gefriertruhe zu legen. Und grob betrachtet funktioniert es. Allerdings bemängeln Feinschmecker, dass die Aromaentwicklung per Gefriertruhe doch deutliche Defizite mit sich bringt und sie ernten erst nach dem ersten richtigen Frost. Problematisch wird es dann, wenn die Gefriertruhenfans in Bereichen mit wenigen Schlehensträuchern diese frühzeitig abgeerntet haben und für die geduldigen Feinschmecker nur noch sehr wenige Früchte übrig bleiben. Da lohnt es also, sich schon Anfang April auf den Frühlingsspaziergängen möglichst viele weiß blühende Schlehensträucher zu merken, die für den November eine reichliche Erntemöglichkeit anzeigen.

Rezept:

Man erntet so viele reife Schlehen, bis sie eine halbe 0,7-Literflasche füllen. Man wäscht die Früchte und piekst mit einem Zahnstocher durch sie durch, so dass sie zwei Löcher bekommen. Dann gibt man sie zurück in die 0,7-Literflasche und füllt auf mit Doppelkorn (38%ig). Diese Mischung lässt man 6 Wochen lang stehen und schüttelt sie täglich ein wenig, am besten mit schmunzelnder Vorfreude. Danach wird abgesiebt, neu abgefüllt und gekostet. Dabei ist verwunderlich, welch ausgeprägt Pflaumen ähnlichen und wirklich sauguten  Geschmack diese Zubereitung entwickelt hat. ( Anmerkung: die Schlehe gilt als die Urpflanze, aus der im Laufe der letzten Jahrhunderte und Jahrtausende all unsere Pflaumen- und Zwetschgensorten gezüchtet wurden.) Ein Pflaumenschnaps schmeckt übrigens bei weitem nicht so gut.

Likörfreunde brauchen das Ganze nur zu zuckern: entweder geben sie von Anfang an eine Handvoll weißen Kandiszucker mit in den Ansatz oder sie süßen nach den 6 Wochen mit schrittweise hinzu gegebenem Zuckersirup und jeweiligem Hinschmecken solange nach, bis die optimale Süßekonzentration erreicht ist.

Zuckersirup stellt man her, indem man 2 kg Zucker in 1 Liter Wasser auflöst. Das funktioniert  allerdings nur, wenn man diesen Ansatz zum Kochen bringt und dabei ständig umrührt und dann wieder abkühlen lässt.

Viele Rezepte empfehlen auch die Hinzugabe von Vanilleschoten, Sternanis etc. Das hier vorgestellte Rezept bietet vom Geschmack her eine solche Fruchtfülle, dass es fast schade ist, durch Gewürzzugaben diesen vollfruchtigen Schlehengeschmack aufbessern zu wollen.

In jedem Falle: wohl bekomms !