Umweltbildung - Umwelttipps

Kleintiere im Wasser

Für die heißen Hochsommertage bieten Bäche und kleine Flüsse und deren Seitenarme willkommene Gelegenheiten, sich fernab vom lauten Getümmel der Badeseen zu erfrischen und durch knöcheltiefes oder auch knietiefes Wasser zu waten. Den ganz direkten Naturkontakt findet man natürlich barfuß, in Bereichen mit eventuellen Glasscherben im Wasser bieten Badeschuhe aus Plastik Schutz und meist auch einen sichereren Stand. Wer nun gut ausgerüstet ist und eine Becherlupe, einen Pinsel und eine kleine Bestimmungshilfe über Wassertiere bei sich hat, kann jetzt idealerweise die Kleintierwelt in einem Fließgewässer erforschen.

Aber wo findet man denn die vielen Kleintiere? Wenn man ins Wasser hinein schaut, sieht man vielleicht ein paar kleine Fische, die aber viel zu flink verschwinden, als dass sie mit einer Becherlupe gefangen werden könnten. Die anderen Wassertierchen findet man vor allem unter der Wasseroberfläche an Stängeln und Blättern von Pflanzen und – noch viel einfacher – an der Unterseite größerer Steine. Hierzu nimmt man Steine von Faustgröße oder auch doppelt so groß aus dem Wasser heraus und betrachtet deren Unterseite. Da wuseln dann oft zentimetergroße oder auch nur wenige millimetergroße Tierchen auf der Steinfläche herum, manchmal bewegen sie sich auch nur recht langsam. Das können Strudelwürmer sein oder Bachflohkrebse oder auch Schneckenegel.

Die meisten sind jedoch die unter Wasser lebenden Larven von Eintagsfliegen, Köcherfliegen oder auch Steinfliegen. Das kann man jedoch erst dann genau erkennen, wenn man diese Tierchen ganz behutsam mit einem zuvor nass gemachten Pinsel vom Stein in die mit etwa 1 Zentimeter hoch mit Wasser befüllte Becherlupe hinüber pinselt und sie dort in aller Ruhe gut vergrößert und in ihrer ganzen Schönheit und mit ihren vielen überraschenden Feinstrukturen betrachten kann. Da sieht man die oft ganz unterschiedlichen Beinchen und Greifer der Tiere, ihre oft lustig anmutenden Gesichter oder auch ihre zittrig schwingenden oder rhythmisch pumpenden Außenkiemen, mit denen sie den im Wasser gelösten Sauerstoff aufnehmen. Die kleine Bestimmungshilfe gibt dann Aufschluss und Informationen über die gefundenen Tierarten.

Der aufgenommene Stein soll gleich nach der Abpinselung wieder genau an seine alte Stelle zurück gelegt werden, die Tierchen aus der Becherlupe sollen auch nach wenigen Minuten in ihren Lebensraum zurück gegeben werden, damit sie nicht ersticken, denn an heißen Tagen erwärmt sich das Wasser in einer Becherlupe relativ schnell und verliert dabei sehr viel Sauerstoff. So versuchen wir, als Besucher in einem fremden Lebensraum möglichst behutsam mit dessen Bewohnern umzugehen, insgesamt kaum Schaden anzurichten und doch gleichzeitig wunderschöne Einblicke in die Faszination dieser Unterwasserwelt erleben zu können.

Ulrich Dopheide

Becherlupe, Pinsel und eine kleine Bestimmungshilfe erhält man für etwa 6 Euro im Naturschutzzentrum vom Landesbund für Vogelschutz, Klenzestr. 37, Mo-Fr 13-18 Uhr.