Umweltbildung: Umwelttipps

Aktueller Hinweis:

Dienstag, 6. März 2012 20 Uhr

Essbare Wildkräuter des Frühjahres – bestimmen, nachhaltig ernten, Rezepte und Kostproben

Ulrich Dopheide, Vortragsabend im Bürgerhaus Gräfelfing, direkt am S-Bahnhof

 

Samstag, 31. März 2012

Bärlauchkundlich-kulinarischer Spaziergang

Am Oberstjägermeisterbach im Englischen Garten finden sich genügend frische Pflanzen zur Herstellung von Bärlauch-Pesto und weiterer Schmankerl, die vor Ort zubereitet und genossen werden. Heilkraft, Biologie und Kulturgeschichte des Bärlauchs werden ebenso besprochen wie neue Erkenntnisse zum Fuchsbandwurm. Diese und auch giftige Doppelgänger werden bei der Sammlung der Pflanzen berücksichtigt. Mit einem Stamperl Bärlauchlikör wird der Nachmittag beschlossen. Alle Teilnehmer erhalten Rezepte zur Mitnahme.

Ulrich Dopheide, 15 Uhr

Treffpunkt: Ecke Mommsen-/Osterwaldstraße (Nähe Haltestelle Dietlindenstraße, U6). Dauer: etwa 2 Stunden. Information: Tel. 0 89 / 2 19 64 30 53


Bärlauch
(Allium ursinum),
auch  Bärenlauch, Zigeunerlauch, Waldknofel,
Wurmlauch, wilder Knoblauch, Hexenzwiefel, und früher auch Rams und Ramsen genannt: noch heute weisen Ortsnamen wie Ramsau oder -ram auf (zumindest frühere) große Bärlauchvorkommen hin.
Vorkommen gibt es in fast ganz Europa sowie im Kaukasus und Nordasien, über 1500 Meter Meereshöhe nur noch vereinzelt. Großflächige Vorkommen vor allem in schattigen Au- und Laubwäldern, Parks. In manchen Gegenden Norddeutschlands ist er so selten, dass er dort unter Naturschutz steht.

Biologie: Ein mehrjähriges Liliengewächs, nah verwandt mit Zwiebel, Knoblauch, Schnittlauch und Porree. Jede Pflanze besteht aus einer länglichen, aufrecht stehenden und bis zu 7 cm großen Zwiebel, zwei (manchmal auch drei) direkt aus der Zwiebel sprießenden und bis zu 40 cm hohen parallelnervigen Laubblättern mit gedrehtem Blattstiel. Ab Ende April entwickelt sich zwischen ihnen ein kantiger Blütenstiel, an dessen Ende eine flache, vielblütige Scheindolde steht, die 10 bis 20 sternförmige, reinweiße Einzelblüten trägt. Aus ihnen entwickeln sich im Sommer schwarze Samen in kapselartigen Früchten. Die Verbreitung dieser Samen geschieht über Elaiosomen, das sind kleine eiweiß- oder fettreiche Samenanhängsel, die von Ameisen als Nahrung gesammelt werden. Beim Transport in den Bau verlieren die Ameisen den ein oder anderen Samen, der dann so zur Bärlauchverbreitung beiträgt.

Garteln mit Bärlauch: Die Samen (übrigens auch im Fachhandel erhältlich) sät man am besten zwischen September und März an feuchten, halbschattigen Stellen aus. Zum Umsetzen der Zwiebeln eignet sich der Herbst.

Kulturgeschichte: Der Bärlauch gehört mit zu den ältesten uns bekannten Heilpflanzen, er wurde schon vor über 2000 Jahren von Kelten und Germanen genutzt. In der Edda wurde der Lauch als eine der ersten Pflanzen seit der Welterschaffung gelobt. Die Germanen kultivierten sogar verschiedene Lauchgewächse in Lauchgärten.
Namensherkunft: Die Germanen glaubten, der starke Bär könne die Macht des Winters besiegen und die Kraft des Bären sei in verschiedenen bärenstarken Pflanzen der Erneuerung und der Reinigung verkörpert: in Bärwurz, Bärlapp, Bärenklau und Bärlauch. Der Sage nach frisst der Bär nach langem Winterschlaf zunächst Bärlauchblätter zu seiner Kräftigung.
Karl der Große ordnete in seiner Landgüterverordnung im 8. Jahrhundert Bärlauchpflanzungen an. Später wurde Bärlauch in Klöstern kultiviert, er machte sich jedoch wohl zusätzlich als Klosterflüchtling selbständig. Auch in der Nachkriegszeit galt er als willkommenes Wildgemüse.

Wildgemüse:
Die ganze Pflanze ist essbar, die Blätter erntet man im März und April, jedenfalls noch vor der Blüte. Dann sind sie besonders schmackhaft und noch nicht so scharf. Die rohen Blätter legt man sich entweder aufs Butterbrot oder Käsebrot.
Klein gehäckselte Blätter kann man in Butter oder in (Kräuter)quark einarbeiten, oder man gibt sie zu Salaten, Soßen, Suppen oder Gemüse. Traditionellerweise ist der Bärlauch eines der 7 frischen Frühlingskräuter, mit denen am Gründonnerstag vielerorten die "7erlei Suppe" gekocht wird. Oder man bereitet aus den fein geschnittenen Blättern eine Bärlauchsuppe, gibt die Blätter aber erst wie in den anderen Fällen auch, zum Schluss des Kochvorgangs hinzu. Denn Aufkochen, Trocknen und Einfrieren bringt starke Geschmacksverluste mit sich. Für empfindliche Mägen wird der Bärlauch dadurch zwar weniger scharf, aber gleichzeitig auch besser verträglich. 
Bärlauch gilt geschmacklich als noch schärfer als Knoblauch, aber milder im Nachgeschmack.
Mitte Juni pflückt man die Bärlauchfrüchte, die als kleine, grüne Beeren aus den Blüten hervorgegangen sind. Man kann sie als "grünen Kaviar" zu Brot oder Quark essen oder als "Wildkapern" konservieren: mit viel Salz bestreut wird ihnen 24 Stunden lang die Feuchtigkeit entzogen. Dann werden sie abgespült, 5 Minuten in Essig aufgekocht und mit dem Essig in ein Glas abgefüllt.

Zwiebeln gräbt man im Herbst an Stellen aus, die man sich als Bärlauchstandort gemerkt hat. Ab August ist nämlich oberirdisch von den Pflanzen so gut wie nichts mehr zu finden. Man verwendet sie in der Küche wie Zwiebeln bzw. Knoblauchzwiebeln. Will man anschließend Lauchgeruch von den Fingern entfernen, so wäscht man sie mit Salz, als ob es Seife wäre.
Beim Sammeln darf man Bärlauch keinesfalls mit den ähnlich aussehenden und sehr giftigen Blättern von Maiglöckchen oder Herbstzeitlose verwechseln. Aber deren Blätter sind geruchlos und dadurch lassen sie sich eindeutig von den stark knoblauchartig riechenden Blättern des Bärlauch unterscheiden.

Medizinische Wirkung: Dem Bärlauch wird die die gleiche Heilwirkung zugeschrieben wie dem Knoblauch oder sogar noch wirksamer, weil der Bärlauch keinem Kraftverlust durch jahrtausendelange Kultivierung ausgesetzt war. Schon die Römer wussten dieses Heilmittel einzusetzen bei
- weit fortgeschrittener Arterienverkalkung
- hohem Blutdruck (eine Kur wirkt blutdrucksenkend)
- Leberleiden
- Befall mit Madenwürmern
Bärlauchzwiebeln, zerquetscht in Milch und in kleinen Schlucken getrunken, vertreiben nicht nur Madenwürmer, sondern gelten wie Bärlauchblätter pur auch als sehr gutes Reinigungsmittel für Magen und Darm sowie als verdauungsanregend. Mit Bärlauch lässt sich auch die Darmflora normalisieren.
Schon Kräuterpfarrer Künzle sagte:" Wohl kein Kraut der Erde ist so wirksam zur Reinigung von Magen, Gedärmen und Blut wie der Bärlauch."
Für eine blutreinigende Frühjahrskur sollte man 2 bis 3 Wochen lang täglich eine Handvoll frischer Blätter essen. Ein anderes Rezept empfiehlt, eine Woche lang sein Abendessen durch Bärlauchspeisen zu  ersetzen.
Als Hauptwirkstoff gilt das antibakteriell wirkende Allicin (vornehmlich aus der Zwiebel). In den Blättern finden sich schwefelhaltige ätherische Öle, Lauchölglycoside und Senfölglycoside (welche für den intensiven charakteristischen Duft verantwortlich sind), sowie diverse Mineralstoffe. Der hohe Vitamin C -Gehalt (bis zu 66 mg Vit. C pro 100 g Bärlauchblätter) wird medizinisch ebenfalls sehr geschätzt. Das Erhitzen von Bärlauch mindert seine medizinische Wirksamkeit beträchtlich. Im Mittelalter galt Knoblauch und mit ihm auch der Bärlauch als Universalheilmittel gegen fast alle Krankheiten.

Im Volksglauben vieler indogermanischer Völker schützt Knoblauch vor Zauber, bösem Blick und bösen Hexen. Vor allem sein Geruch verschreckt auch Geister und Vampire. So schützten sich viele Menschen mit Amuletten aus Knoblauch oder mit dessen Knollen, die in Säckchen gefüllt wurden.

Ulrich Dopheide



Ferdinand beim Bärlauch-Pflücken