Umweltbildung: Umwelttipps - Käfer, bedrohte Schneckenfresser
50 Prozent der Arten im Allgäu stehen auf der Roten Liste

Es gibt tausende von Käferarten- auch im Allgäu. Viele der Insekten bekommt man jedoch höchst selten zu Gesicht. Das liegt zum einen daran, dass viele Käfer nachtaktiv sind. Zum anderen sind sie oft winzig klein und unscheinbar. Nach Aussage von Hubert Atwander, Biologe aus Ettenbeuren, stehen etwa 50 Prozent der Käferarten im Allgäu auf der Roten Liste gefährdeter Tiere.

„Bei manchen Gruppen sieht es besser, bei anderen schlechter aus“, erklärt Atwander. Aufgrund der großen Arten-Vielfalt sei es unmöglich, alle Bestände zu erfassen. Zudem gebe es ohnehin nur wenig Käfer-Experten, so der Biologe. Die Folge: „In manchen Gegenden ist die Situation sehr gut erforscht, in anderen gar nicht.“ Allgemein gelte, dass vor allem die Arten, die sich an spezielle Lebensräume angepaßt haben, ums überleben kämpfen. „Vor allem der Verlust der Lebensräume reduzierte viele Käfer-Bestände“, so Atwander. Ein Beispiel seien die sogenannten Totholz-Käfer oder andere Arten, die in irgendeiner Form Holz zum Leben brauchen: Der Hirschkäfer etwa sei auf alte Baumstrünke angewiesen. Ein Problem sei die flächendeckende forstwirtschaftliche Nutzung im Allgäu, es gebe nur noch wenige Altholz-Bestände. Betroffen seien zum Beispiel auch der Eichen- und der Alpenbock. Zwar versuche die Forstwirtschaft durchaus, Naturwald-Reservate zu schaffen. Aber meist handle es sich nur um weit auseinanderliegende „Inseln“. Ähnlich wie bei Schmetterlings-Arten fehle dann die Möglichkeit zum genetischen Austausch zwischen den einzelnen Beständen.

Auch für Lauf- und Wasserkäfer würden die Lebensräume immer knapper. „Naturbelassene Flusslandschaften gibt es nur noch selten.“, so Atwander. Käferarten, die etwa auf Kies- und Sandbänke angewiesen sind, können zwar in Kies- und Sandgruben ausweichen. Aber diese würden normalerweise früher oder später wieder rekultiviert.

Ein weiteres Problem sei der Einsatz von Insektiziden, der gerade den Laufkäfern sehr zusetze. Sie hätten als räuberische Insekten eine wichtige Funktion als biologische Schädlingsvertilger. „Manche Käferarten fressen 700 Schnecken im Jahr“, sagt Atwander. Aber ganz könne eben nicht auf chemische Schädlingsbekämpfung verzichtet werden. Wichtig sei deshalb, neue Nutzungsräume für Käfer zu schaffen – also Bereiche wie Feldraine oder Hecken, in die die Tiere ausweichen können. Käfer hätten auch in anderer Hinsicht eine wichtige Funktion: “Sie sind für andere Tiere wie Vögel oder Igel ein wichtiger Nahrungsbestandteil“, so der Biologe. Durch die abnehmenden Käferbestände würden also auch andere Arten unmittelbar gefährdet.