Umweltbildung: Erste-Hilfe-Outdoor-Seminar für NaturgruppenleiterInnen

Erste-Hilfe-Gruppe

Verbrennungverband   Fotos: A. Baumgarten

In der Ruhe liegt die Kraft – und die Ruhe kommt mit dem Wissen

Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Wer mit Kindern und Jugendlichen im Gelände unterwegs ist, sollte sich darüber bewusst sein, dass auch in der eigenen Gruppe ein Unfall passieren kann, und der Rettungsdienst nicht immer in 10 Minuten vor Ort sein kann. Dies sollte kein Grund zur Sorge sein, oder gar solch eine Unternehmung verhindern.

Vielmehr sollten alle NaturgruppenleiterInnen fit in Ersthelfermaßnahmen sein. Dieses Wissen hilft auch Ruhe im Notfall zu bewahren, und vor allem dem/der Verletzte/n zu helfen – auch mit lebensrettenden Maßnahmen. Dass ein Erste-Hilfe-Kurs nicht nur trockene Theorie sein muss, hat uns das erfahrene Ausbildungsteam der Johanniter aus München gezeigt. Sie rückten mit 5 Jugendlichen an, die mit schauspielerischen und maskenbildnerischem Talent uns in echte „Notfälle“ versetzten.

Das Grundwissen, das wir am Vormittag unter praktischer Übung Schritt für Schritt erlernt hatten, durften wir dann an Fallbeispielen testen. Ich beispielsweise wurde in den Hinterhof gerufen und fand mich wieder neben einem hysterisch auf französisch kreischenden Mädchen, das neben ihrer französisch wimmernden Freundin kauerte. Als ich mich der Freundin genähert hatte, erblickte ich ein von Blut überströmtes Gesicht mit dicken blauen Hämatomen. Verstehen konnte ich nichts. Keine Chance raus zu bekommen, was geschah  – erstmal dann auch egal, denn es musste gehandelt werden. Das verletzte Mädchen untersuchen, und die Freundin beruhigen. Außer dem verletzten Gesicht konnte ich nichts feststellen. Eine Passantin übersetzte mir, dass das Mädchen wohl aus dem Fenster gefallen war. „Oh je!“ – ich hatte sie aufgerichtet, mir ihren Kopf auf den Schoß gelegt, um sie besser zu beruhigen, zu schützen, und auch um von ihrer Freundin nicht zu weit weg zu sitzen. Hoffentlich hat sich das Mädchen nicht ihren Rücken gebrochen, und ich habe alles verschlimmert, durch das Aufrichten und Umlegen. Ich sprach beruhigend auf die Verletzte ein, bat die Passantin einen Rettungswagen zu rufen. „Auch das noch!“ - das verletzte Mädchen verlor das Bewusstsein. Jetzt also egal, ob der Rücken gebrochen ist – denn bei Bewusstseinsverlust auf jeden Fall den Verletzten in die stabile Seitenlage – hatte ich ja am Vormittag gelernt. Atmet sie noch? Nein? Ah – doch, sie atmet…gut, vorsichtig in die stabile Seitenlage, Kopf überstrecken…beruhigend zureden – Kontrolle: „Ist der Rettungsdienst verständigt worden? Wann kommt er?“ Ja, und dann war ich wieder bei mir – alles war ja zum Glück nur ein Schauspiel – so hab ich mich aber währenddessen nicht gefühlt. Aber jetzt waren die anderen dran, ihren „Notfällen“ zur Ersthilfe zu kommen. Es gab Sonnenstich, Verbrennungen, gebrochene Nase…  und alles mit besorgten schreienden FreundInnen oder Geschwistern und sich teilweise wehrenden, oder unter Schock stehenden Kindern/Jugendlichen.

Wir waren uns am Schluss einig: Es hat Spaß gemacht, wir haben viel gelernt – und hoffen dennoch keinen Notfall versorgen zu müssen – wenn aber, dann fühlen wir uns mit Sicherheit nicht hilflos.

A.Baumgarten