AK Schmetterlinge: Der Untere Teufelsgraben im Mai 2010

Wer den Artenreichtum im Unteren Teufelsgraben kennenlernen will, der sollte sich zu unterschiedlichen Zeiten dort einfinden. Also lud Dr. Annette von Scholley-Pfab nach den Juni- und Juli-Exkursionen der vergangenen Jahre dieses Mal zu einer Führung am 22. Mai ein. Nach kühlen und regnerischen Wochen war es an diesem Pfingstsamstag zwar noch nicht richtig sonnig, aber doch endlich etwas wärmer.

   
 Grünader-Weißling 

Ei des Aurora-
falters

Aurorafalter (Männchen)

Dem Wetter entsprechend zeigten sich nur wenige Tagfalter: der Aurorafalter (Anthocharis cardamines), das Landkärtchen (Araschnia levana), der Grünader-
weißling (Pieris napi). Erstaunen erregte das winzige orangefarbene Ei des Aurorafalters an einer Knoblauchrauke. Und die schwärzlichen Raupen des Kleinen Fuchses (Aglais urticae) entdeckte nur, wer sich die Brennnesseln genauer anschaute.

Somit fühlten sich die Teilnehmer zur Raupen-Suche herausgefordert: Der Körper einer schwarzen Wickler-Raupe (Aphelia unitana bzw. paleana) war mit zahlreichen "Augen" besetzt - erst mit der Lupe konnte man sie erkennen; eine Sackträger-Raupe (Psyche casta) lugte nur ein wenig aus ihrem selbstgefertigten Gehäuse hervor; die Raupe des Brennnesselzünslers (Eurrhypara hortulata) hatte sich ebenso wie die der Nessel-Schnabeleule (Hypena proboscidalis) in einem Brennnesselblatt verborgen; und die Gesäumte Glanzeule (Amphipyra perflua) verschleierte ihre Raupengestalt durch einen pyramidenartigen Höcker.

Wickler-Raupe Aphelia spec.

Hellrandige Erdeule

Sackträger-Raupe

Wer die Pflanzen näher untersucht, scheucht auch manchen "Nachtfalter" auf. Uns fielen auf: der Gitterspanner (Chiasmia clathrata) und die Braune Tageule (Euclidia glyphica), der Mausspanner (Minoa murinata) und der Erlengebüschspanner (Euchoeca nebulata), die Hellrandige Erdeule (Ochropleura plecta) und der Schattenbinden-Weißspanner (Lomographa temerata). Der hübsche Goldzünsler (Pyrausta aurata) und zwei Langhornmotten mit ihren langen Fühlern (Adela reaumurella und Nematopogon swammerdamella) zogen die Blicke besonders auf sich.

Für die Überraschung des Tages sorgten jedoch einige "Urmotten" (Micropterigidae) - winzig kleine Falter von außergewöhnlicher Schönheit. Der metallische Flügelglanz von Micropterix schaefferi ist einfach hinreißend; Micropterix calthella besticht durch bronzeartig-violett schimmernde Flügel mit außergewöhnlich langen Fransen.

Micropterix schaefferi   

Micropterix calthella

Krabbenspinne

Von all den anderen Insekten, die unseren Weg säumten, sollen nur ein paar erwähnt werden: z. B. der ungewöhnlich groß wirkende Lederlaufkäfer (Carabus coriaceus) und der Bissige Zangenbock (Rhagium mordax). Oder der Große Wollschweber (Bombylius major), der nach Schwebfliegenart vor einer Blüte in der Luft stehen kann. Eine Krabbenspinne hatte eine kleine Fliege erbeutet - mit Schmetterlingen konnte sie wohl erst in den nächsten sonnigeren Tagen rechnen.

Siegfried Braun      Fotos:  AK Schmetterlinge