Münchner Biotope:  Forstenrieder Park

Lage / Ausdehnung
Südwestlich von München, von Forstenried bis Oberdill, von Pullach, Baierbrunn und Hohenschäftlarn bis an die Gemeindewaldung Buchendorf und Leutstetten.

Früher war der Forstenrieder Park sehr viel größer. Er ging im Norden bis zum Hirschgarten, im Westen schloss er die Ortschaften Buchendorf, Krailling, Planegg und Lochham ein, die Ostgrenze war die Isar, das südliche Ende war der Starnberger See.

Charakter

Große zusammenhängende Waldfläche (rund 4000 Hektar)

  - Wildpark, ein ca. 2000 Hektar eingezäuntem Waldgebiet, Wildruhezonen mit

    Wildbeobachtungsplätzen (Hirsch, Reh, Wildschwein) 

  - Eichelgarten 

    (ehemalige Forstwiese zur Gras- und Weidenutzung)

  - Baumartenlehrpfad Maxhof

  - den Wald quert die alte Römerstraße von Augsburg nach Salzburg

Baumbestand
Noch im 18. Jahrhundert bestand der Wald hauptsächlich aus Buchen (Hochterrasse), Eiche, Birke und Hagebuche (Schotterebene). Heute dominiert die Fichte in Reinbeständen, es gibt jedoch auch Kulturen von Föhren, Buchen, Birken und Weymuthskiefern. 
Ab 1810 wurden die Forstwiesen aufgeforstet, zuerst mit Ulmen, Ahorn, Esche, später mit Fichte. Seit 1852 hat der Forstenrieder Park in etwa sein heutiges Aussehen.
Nach 1990 gab es große Sturmschadensflächen, die durch Mischwald wieder aufgeforstet wurden.

Besondere Bäume: An der Römerstraße steht eine 400-500 Jahre alte Eiche mit 4,5 m Umfang, östlich der Diensthütte steht eine Buche mit 4 m Umfang.

Baumartenlehrpfad Maxhof

Eichelgarten

Fauna
Edelhirsch, Damhirsch, Wildschwein, Reh, Hase, Fuchs, Dachs, Marder, Iltis.

56 Vogelarten wurden nachgewiesen, darunter die Rote Listearten Habicht, Sperber, Kuckuck, Sperlingskauz, Rauhfußkauz, Grauspecht, Grünspecht, Dorngrasmücke, Neuntöter, Feldsperling.
Amphibien (Erdkröte, Bergmolch),
Schmetterlinge (siehe Exkursion Eichelgarten)

Geologische Verhältnisse 

Der Forstenrieder Park liegt auf der großen Münchner Schotterfläche, entstanden nach der letzten Eiszeit (Würmeiszeit). Im nördlichen Teil des Parks  bildet sie die obere Decke, ihre Mächtigkeit beträgt im Mittel 20 m. Im südlichen Teil stößt man auf die Altmoränen der 3. Eiszeit. Wegen ihrer stärkeren Verwitterung tragen sie mehr Laubwald als der übrige Teil des Parks

Geschichte des Forstenrieder Parks

1399 kauft Herzog Ludwig der Gebarteten die Feste Baierbrunn mit dem Forst, Untertanen und sämtlichen Zugehörungen. Seitdem ist der Forstenrieder Park in Staatsbesitz. Die Jagdausübung in diesem Gebiet war ausschließlich Kronrecht der Wittelsbacher bis 1918.
Die Römerstraße von Augsburg (Augusta Vindelicorum) nach Salzburg (Juvavum) führte durch den Forstenrieder Park. Zwischen Oberdill und Baierbrunn sowie Holzhackerhaus und Diensthütte sind noch Hügelgräber nachzuweisen.

Hexenhäusl

Das sog. Hexenhäusl: an der Kreuzung Ludwig- und Elisengeräumt, Arbeiterunterkunftshütte, sie kann auf ein sehr hohes Alter zurückblicken. Der Name der Hütte hängt zusammen mit einer alten Sage von Geistern und Gespenstern, die hier gehaust haben sollen. Die Sage ist aber im Lauf der Zeit verloren gegangen.

Waldbrände

1747, 1815, 1912, 1915, 1920, 1921, 1926. Sämtliche Brände sind durch Unvorsichtigkeit entstanden!

Nonnenkatastrophe 1889/92

Der Nonnenfalter sieht dem Kohlweißling ähnlich, ist aber etwas kleiner. Befallen war der östliche Teil des Parks, 1890 waren es 2194 ha. Die kahlgefressenen Bäume (Fichten) wurden gefällt. Die Kahlflächen wurden alle wieder aufgeforstet.

Jagd im Forstenrieder Park

Noch im frühen Mittelalter war die freie Jagd der Bauern üblich. Zu Anfang des 16. Jahrhunderts war die Jagd bereits ausschließlich Sache des Landesherrn und der Stände (Adel, Fürstbischöfe, Prälaten und Patrizier-Bürgergeschlechter). Hauptgrund war die Jagdleidenschaft der Herzöge und Edelleute, aber auch die Sorge, dass durch das Aufkommen der Schießwaffen das Wild ganz ausgerottet werden könnte.
Der Landesherr behielt sich grundsätzlich die Hochjagd vor. Hochjagd: Rotwild (Edelhirsche), Wildschein, Gämse und Steinbock, Niederjagd: Damhirsch, Reh, Hase, Fuchs, Dachs, sowie die Schnabelwaid: Huhn, Ente, Wildgans, Wildtaube, Fasan. Um 1650 gab es große Wolfsjagden. 1848 wurde das Vorrecht der Adligen und Stände aufgehoben. Die Gemeinden erhielten das Recht ihre gesamte Gemeindeflur zu verpachten. Im Forstenrieder Park blieben die Wittelsbacher bis 1918 die Jagdherren.

 

Sauschütt

Das 18. Jahrhundert war die Zeit der große Parforcejagden (Schweinehatzen, Hirschhatzen, usw.). Nach der Jagd ging es zu fröhlichem Gelage, Tanz und Spiel, meist in das Schloss Fürstenried. Diese Jagden waren sehr aufwendig, bis zu 1200 Treiber, 270 berittene Jäger, 120 dressierte Hunde und damit auch sehr teuer. Sie gingen mit dem Ende des 18. Jahrhunderts zu Ende. Übrigens war die Sauhatz nicht ungefährlich: ein dreijähriger Keiler tötete 4 Hunde und verletzte 22 arg, auch ein Pferd wurde schwer am Bauch verletzt. 1809 wurden die alten Jagdschneisen durch die geradlinigen (Geräumt)-Wege ersetzt, wobei der Park in Quadrate von je 200 Tagwerk unterteilt wurde, „dass die Reiter (besonders die Damen) angenehmen Ritt haben.“

Wildschäden

Es gab ständig Klagen der Bauern wegen großer Wildschäden. Deshalb wurde 1850 der Zaun auf den Forstenrieder Park, den eigentlichen Staatsbesitz, zurückgenommen. So blieben z.B. Pullach und Buchendorf  außerhalb des Parks. Da es auf der Straße München-Starnberg zu vielen Zusammenstößen mit dem Wild kam, wurde zu beiden Seiten der Straße ein Zaun gezogen. 1918, nach der Revolution, wurde beim westlichen Teil des Parks der Zaun niedergelegt.

Wilderer

Wo die Grüne Marter steht, soll der Sage nach im 17. Jahrhundert ein Jäger von einem Wilderer erschossen worden sein.
1788 erschoss ein Jäger im Forstenrieder Park einen Bauernknecht, den er beim Wildern überraschte. 
1916 erschoss ein Jagdgehilfe in der Nähe der Diensthütte einen als Wildschütz bekannten Taglöhner, merkwürdigerweise genau an derselben Stelle, an der der Großvater dieses Wilderers, ein Jäger, ebenfalls einen Wilderer erschossen hat.

Quelle: Der Forstenrieder Park von Franz Xaver Kriegelsteiner