Münchner Biotope: Alte Autobahntrasse in Allach-Untermenzing

Das Biotop besteht aus einem 3 km langen Kiesdamm, der zwischen 1938 und 1941 als Teilstück einer bereits damals geplanten Autobahnumgehung im Nordwesten von München aufgeschüttet wurde. Auf dem nährstoffarmen, kalkhaltigen Untergrund hat sich nach und nach die für solche Standorte typische Magerrasen-Vegetation angesiedelt, angefangen von Moosen, Flechten und Gräsern wie Aufrechte Trespe und Schafschwingel bis zu einer Vielzahl von Blütenpflanzen, die besonders im Frühsommer beeindruckend ist. Darunter sind selten gewordene Arten wie: kleines Habichtskraut, steifer Augentrost, Steinquendel, Sonnenröschen, echte Kugelblume, Brillenschötchen, Skabiosenflockenblume, quirlblütiger Salbei, weidenblättriges Ochsenauge, Sommerwurz. Der Blüten-reichtum macht die Trasse auch zu einem Eldorado für Schmetterlinge, Bienen und Hummeln, außerdem ist sie reich an Ameisen und Heuschrecken.

Da der aufgeschüttete Kiesdamm über Jahrzehnte hindurch mehr oder weniger der natürlichen Sukzession überlassen blieb, wuchsen allmählich Sträucher und Bäume. Stellenweise haben sich je nach Standort und Umgebung dichte, fast waldartige Bestände entwickelt. 


   

Alte Autobahntrasse

In den 90er Jahren wurde ein Teil der dichten Strauch- und Baumbestände ausgelichtet bzw. auf Stock gesetzt. Dadurch sollen die wertvollen Magerrasenbestände erhalten und gefördert werden. Dem gleichen Ziel dienen Mahd und extensive Beweidung, die von der Autobahndirektion Südbayern, der Besitzerin der Trasse, im Rahmen des Landschaftspflegerischen Begleitplans zur A 99 durchgeführt werden. Für den Bau dieser neuen, in Sichtweite der alten Trasse verlaufenden Autobahn wurde stellenweise Kies entnommen, wodurch 2 Grundwasserseen entstanden. Außerdem wurden die Trassenabhänge angeschnitten, Geh- und Reitwege und 2 Parkplätze angelegt

Das hatte und hat natürlich Auswirkungen auf die Natur:
Rebhühner und wohl auch Eidechsen sind seither verschwunden, andererseits ziehen die neugeschaffenen Wasserflächen und Kiesbänke Vögel und Insekten an, die früher nicht zu sehen waren: 
Flußregenpfeifer, Bach- und Gebirgs-Stelze, Gänsesäger, Kolbenente und über mageren Kiesflächen, auf denen die Blauflügelige Ödlandschrecke zu finden ist, jagen heute auch Libellen.


Grundwassersee


Sommerwurz (Orobanche)

Die alte Autobahntrasse als Erholungsgebiet:
Durch den starken Zuzug in den angrenzenden Stadtvierteln wird die Kiestrasse mehr und mehr frequentiert und darin liegt auch die größte Gefährdung für die Natur. Information ist daher besonders wichtig und in dieser Richtung wurde bereits einiges unternommen:
· Herausgabe eines Infoblattes
· Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen
· Veranstaltung eines Schäferfestes während der Beweidung,

  eingeladen waren vor allem Schulklassen und Kindergarten-
  gruppen aus der Umgebung
· Pressearbeit

2011 wurde die Alte Autobahntrasse als Einzelstation in den Kulturgeschichtspfad der Landeshauptstadt München für den 23. Stadtbezirk aufgenommen.

Edith Bachmayr, Biotoppatin für die Alte Autobahntrasse


Ochsenauge
(Buphthalmun salicfolium)

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