Münchener Biotope - Außen2: Laubwäldchen an der Wolfratshausener Straße

Stadtbedeutsames Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: Gut
● Schutzstatus: Ausreichend

Lage:  Stadtbezirk Thalkirchen – Obersendling – Fürstenried – Forstenried – Solln: zwischen Wolfratshausener Straße, Beuerberger Straße und Ammerstraße
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: Geschützter Landschaftsbestandteil (LB)
Münchner Stadtbiotop-Nr.: 230
ABSP-Nr.: 520
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan: Ökologische Vorrangfläche
Flächengröße: 2,5 ha

30.1 Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation: Im Mittelalter wurde dieser Bereich westlich des Isarhochufers ackerbaulich genutzt. Davon zeugen noch heute zueinander parallele, vierzig bis achtzig Zentimeter hohe Wälle mit flachen Böschungen, die das Wäldchen durchziehen. Bei der Anlage dieser Hochäcker wurde die über dem Schotteruntergrund recht dünne Oberbodenauflage streifenweise aufgehäuft, um bessere Erträge zu erzielen. Vermutlich im 18. Jahrhundert wurde im Zuge der Einführung einer nachhaltigen Forstwirtschaft die Fläche aufgeforstet. Der Westteil wurde zumindest bis zum Zweiten Weltkrieg als Niederwald bewirtschaftet. Dabei setzte man ausschlagfähige Baumarten im Abstand von etwa fünfzehn Jahren auf den Stock, um aus den zahlreichen Stockausschlägen etwa armdickes Brennholz zu gewinnen. (vgl. Küster 1999; Informationstafel im Wäldchen).



Die im Bildvordergrund rechts zu sehende Geländekante kennzeich-
net einen mittelalterlichen Hochacker

Westlich der Wolfratshausener Straße ist heute innerhalb einer Gartenstadt-Siedlung noch ein zweieinhalb Hektar großer Waldrest mit abwechslungsreicher Struktur erhalten geblieben. Auf der Nordostseite befindet sich ein kleiner Bestand aus alten Fichten (Picea abies). Auf der Nordwest-seite und im Zentrum beherrscht die Buchen (Fagus sylvatica) den Waldbestand. Einige der wenigen Altbuchen wurden offenbar während der letzten drei Jahre gefällt, wie an den verbliebenen Baumstümpfen zu erkennen ist.

Der größte Teil der Waldfläche wird von einem ehemaligen Niederwald mit Dominanz der Hainbuche (Carpinus betulus) eingenommen. Wie für diese Nutzungsform charakteristisch weisen alle Bäume gleiche Stammdurchmesser von derzeit etwa zwanzig bis dreißig Zentimetern auf. Eine nennens-werte Strauchschicht ist nur im Südteil vorhanden, sie wird von zahlreichen Jungbäumen der Buche und der Hainbuche gebildet. Die Krautschicht ist fast überall recht üppig entwickelt. Eine hohe Deckung erreicht das Busch-Windröschen (Anemone nemorosa), dessen Blüten den Wald im Frühjahr weiß färben. Besonders artenreich und hochwüchsig ist die Krautschicht im Südteil, dort sind vor allem das Gewöhnliche Hexenkraut (Circaea lutetiana) und das Wald-Knaulgras (Dactylis polygama) häufig.



Frühling im Wald: Die Hainbuchen belauben sich allmählich, in der Krautschicht blüht das Buschwind-röschen

Im Nordteil ist nach der Fällung des dortigen Fichten-bestandes eine etwa 1500 Quadratmeter große Lichtung entstanden, welche derzeit mit einem Vorwald aus Weiden (Salix sp.), Schwarzem und Trauben-Holunder (Sambucus nigra et racemosa), Brombeeren und Himbeeren (Rubus fruticosus agg. et idaeus) bewachsen ist. An den Rändern der Lichtung findet man nitrophile Grasfluren und kleinflächige Relikte einer Waldbodenflora mit Säurezeigern, u. a. Wald-Ehrenpreis (Veronica officinalis), Weißliche Hainsimse (Luzula luzuloides), Dreizahn (Danthonia decumbens) und Pillen-Segge (Carex pilulifera).

Ostwärts wurden Gartenabfälle und Totholz-Äste sowie Stammstücke abgelagert. Durch forstwirtschaftliche Fahrzeuge ist der Boden im Ostteil der Lichtung zerfurcht, dort haben sich in den Fahrspuren ephemere Tümpel gebildet. Dazwischen haben sich Trittrasen mit Zarter Binse (Juncus tenuis) und Rotem Straußgras (Agrostis capillaris) entwickelt. Bemooste Baumstümpfe tragen zur Strukturbereicherung bei. Im nördlichen Randbereich und im schmalen Südteil findet reichlich Naturverjüngung von Buche und Hainbuche statt.

Vegetations- und Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)

Laubbaumbestände (Kronendach)

70

Schlagfluren und Vorwald

6

Nadelbaumbestände (Kronendach)

15

Trittrasen und Trampelpfade

5

Deckung der Strauchschicht

30

Moos- und Flechtenbewuchs/Moosrasen

1

Gras- und Krautfluren nährstoffreicher Standorte

6

Totholzstämme und Totholzhaufen

1

30.2 Artenzusammensetzung

Vorkommen gefährdeter Arten (sicher angesalbt): Stechpalme (Ilex aquifolium)

Gehölze: Feld-Ahorn (Acer campestre), Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Hänge-Birke (Betula pendula), Hainbuche (Carpinus betulus), Hasel (Corylus avellana), Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna), Gewöhnliches Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), Buche (Fagus sylvatica), Efeu (Hedera helix), Stechpalme (Ilex aquifolium), Fichte (Picea abies), Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), Vogel-Kirsche (Prunus avium), Stachelbeere (Ribes uva-crispa), Hunds-Rose (Rosa canina agg.), Kratzbeere (Rubus caesius), Brombeere (Rubus fruticosus agg.), Himbeere (Rubus idaeus), Sal-Weide (Salix caprea), Purpur-Weide (Salix purpurea), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Trauben-Holunder (Sambucus racemosa), Eberesche (Sorbus aucuparia), Wolliger Schneeball (Viburnum lantana)

Gräser und Kräuter:  Gewöhnlicher Odermennig (Agrimonia eupatoria), Rotes Straußgras (Agrostis capillaris), Gewöhnlicher Frauenmantel (Alchemilla vulgaris agg.), Bärlauch (Allium ursinum), Busch-Windröschen (Anemone nemorosa), Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos), Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), Bleiche Segge (Carex pallescens), Pillen-Segge (Carex pilulifera), Wald-Segge (Carex sylvatica), Gewöhnliches Hexenkraut (Circaea lutetiana), Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense), Wald-Knäuelgras (Dactylis polygama), Gewöhnlicher Dreizahn (Danthonia decumbens), Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium), Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum), Riesen-Schwingel (Festuca gigantea), Wald-Erdbeere (Fragaria vesca), Ruprechtskraut (Geranium robertianum), Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum), Kleinblütiges Springkraut (Impatiens parviflora), Knäuel-Binse (Juncus conglomeratus), Zarte Binse (Juncus tenuis), Silberblättrige Taubnessel (Lamium argentatum), Weißliche Hainsimse (Luzula luzuloides), Behaarte Hainsimse (Luzula pilosa), Pfennigkraut (Lysimachia nummularia), Goldfelberich (Lysimachia punctata), Dreinervige Nabelmiere (Moehringia trinervia), Ährige Teufelskralle (Phyteuma spicatum), Hain-Rispengras (Poa nemoralis), Scharbockskraut (Ranunculus ficaria),  Waldsimse (Scirpus sylvaticus), Gras-Sternmiere (Stellaria graminea), Wald-Ehrenpreis (Veronica officinalis), Hain-Veilchen (Viola riviniana)

Problempflanzen = Invasive Neophyten (0,5% Deckungsanteil):
Schlanke Karde (Dipsacus strigosus)

Besondere Pflanzengesellschaften: 

  • Waldmeister-Buchenwald (Eu-Fagenion Oberd. 57)

  • Hainsimsen-Waldmeister-Buchenwald (Galio odorati-Fagetum luzuletosum Sou & Till 59 em. Dierschke 1989), ansatzweise

  • Salweiden-Holunder-Vorwaldgesellschaft (Sambuco-Salicion capreae Tx. 50)

Fauna (ohne gefährdete Arten, s. o.): Säugetiere: Eichhörnchen (Sciurus vulgaris), Brutvögel: Waldlaubsänger (Phylloscopus sibilatrix), Waldbaumläufer (Certhia familiaris), Ringel-Taube (Columba palumbus), Zilpzalp (Phylloscopus collybita), insgesamt 20 Brutvogelarten in LBV, 2000

Besondere Strukturen:

  • Kleinrelief, Hochäcker

  • offene Rohböden

  • dichtes Gebüsch

  • Totholz/Totholzlagerhaufen

  • alte Baumstümpfe

  • ephemere Gewässer/Tümpel

30.3 Nutzungen und Konflikte

Nutzung/Pflege/Zustand

Konflikt

Begründung

Fällung mehrerer besonders dickstämmiger Altbäume

stark

Gravierender Habitatverlust innerhalb des geschützten Landschaftsbestandteils, es sind kaum noch Bäume mit mehr als 50 cm Stammdurchmesser vorhanden

Ablagerung nährstoffreicher Gartenabfälle an mehreren Stellen an den Rändern

mäßig bis stark

Begünstigung wuchernder Ruderalpflanzen

Einsatz schwerer forstwirtschaftlicher Fahrzeuge

gering

Zerstörung der Waldbodenflora und Begünstigung expansiver Ruderalpflanzen, gleichzeitig werden aber auch ephemere Tümpel als Lebensraum für Amphibien und Libellen geschaffen.

Ausführen von Hunden, meist unangeleint

gering

Störanfällige Tierarten kommen im Biotopbereich nicht vor.

Joggen

gering

Störanfällige Tierarten kommen im Biotopbereich nicht vor.

Spazieren gehen

konfliktfrei

 

Fortführung der Niederwaldnutzung

konfliktfrei

Wünschenswerte, traditionelle Waldbewirtschaftung im Mittel- und Westteil



30.4 Pflege- und Maßnahmevorschläge

  • Die verbliebenen Altbuchen sollten unbedingt erhalten werden.

  • Ausdünnen des Trampelpfad-Systems, z.B. durch Ablagerung von sperrigem Gehölzschnittgut

  • Beseitigung der nährstoffreichen, organischen Ablagerungen, um eine Ausbreitung wuchernder Ruderalpflanzen zu verhindern

  • Im Zentrum und im Westteil des Wäldchens sollte die Umstellung der forstlichen Nutzung auf das Leitbild Niederwald konsequent fortgeführt werden. Niederwälder beherbergen eine sehr artenreiche, charakteristische Lebewelt. Außerdem kann den Besuchern so anschaulich die Geschichte der Forstwirtschaft nahe gebracht werden, zu diesem Zweck sind ja bereits Informationstafeln aufgestellt worden.