Münchener Biotope - Außen2: Kleingewässer am Uriweg

Stadtteilbedeutsames Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: Kritisch
● Schutzstatus: Nicht Ausreichend

Lage: Stadtbezirk Thalkirchen – Obersendling – Fürstenried – Forstenried – Solln: Fürstenried West, zwischen Autobahn A 95, Uriweg und Malojaweg
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: Teilflächen nach Art. 13 d BayNatSchG geschützte
Kartierter Münchner Stadtbiotop mit der Nr.: 507
ABSP-Nr.: 480
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan: Allgemeine Grünfläche
Flächengröße: 0,2 ha

40.1 Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation:  Westlich der Garmischer Autobahn wurden Anfang der 90er Jahre vier kleine Stillgewässer angelegt. Sie liegen benachbart zur ehemaligen Straßenbahntrasse entlang des Uriwegs innerhalb einer Grünanlage. Die runden bis ovalen Weiher liegen auf unterschiedlichem Geländeniveau und sind voneinander durch flache Wälle getrennt. Die Grünfläche um die Gewässer wird bis nahe an die Wasserlinie von einem häufig gemähten Scherrasen eingenommen. Wahrscheinlich alle vorkommenden Wasser- und Röhrichtpflanzenarten wurden gärtnerisch eingebracht. 


Südliches Kleingewässer am Urisee: Im Bildvordergrund ist ein stark tritt-belaster Uferstreifen zu sehen, im Bildhintergrund artenreiche Ufer-vegetation, die aus Anpflanzungen hervorgegangen ist

Das südliche Gewässer hat mit etwa fünfzehn Metern Länge die größte Wasserfläche. Im Tümpel siedelt ein Unterwasser-rasen des Ährigen Tausendblattes (Myriophyllum spicatum). In Ufernähe ist stellenweise der Tannenwedel (Hippuris vulgaris) beigesellt. Weiße Seerosen (Nymphaea alba) in einer groß-blütigen Zuchtform bedecken einen Teil des Gewässers. Abgesehen vom stark trittbelasteten Ostufer umgrenzt ein Röhricht mit Dominanz des Straußblütigen Gilbweiderichs (Lysimachia thyrsiflora) das Gewässer. An weiteren einge-brachten Sumpfpflanzen sind Lanzettblättriger Froschlöffel (Alisma lanceolatum), Schwanenblume (Butomus umbellatus) und der sich am Westufer zu einem Rasen ausbreitende Fieberklee (Menyanthes trifoliata) erwähnenswert.


Das nördlich anschließende kreisrunde Kleingewässer ist überwiegend mit Schilfröhricht, Schmal-blättrigem Rohrkolben (Typha angustifolia) und einem Schnabelseggenried bewachsen. Ein Problem stellen dort freilaufende Hunde dar, die die Röhrichtpflanzen erheblich schädigen (Hundesuhle). An bemerkenswerten Sumpfpflanzen sind Straußblütiger Gilbweiderich (Lysimachia thyrsiflora), Ähriges Tausendblatt (Myriophyllum spicatum) und Schwanenblume (Butomus umbellatus) enthalten.


Bestand des in Bayern stark gefähr-deten Zungen-Hahnenfusses. Der Bestand wurde bei der Anlage der Gewässer gepflanzt
Ein weiterer, nordwärts gelegener Weiher ist am Ufer mit einem niedrigwüchsigen Röhricht mit Sumpf-Segge (Carex acutiformis), Straußblütigem Gilbweiderich und Schwanen-blume bewachsen. Im Nordteil kommt außerdem auf einem Drittel der Wasserfläche ein Schilfröhricht vor, welches zum Ufer hin in ein Sumpfseggenried mit einem kleinen Bestand des Hohen Zypergrases (Cyperus longus) übergeht. Das Hohe Zypergras ist in Deutschland nur am Bodensee indigen. Im offenen Wasser kommt neben dem Ährigen Tausendblatt auch das Spiegelnde Laichkraut (Potamogeton lucens) vor.
Ein rundes Kleingewässer mit nur etwa fünf Metern Durch-messer befindet sich westlich davon. Es ist bis auf wenige Quadratmeter mit Röhricht aus Straußblütigem Gilb-weiderich, Wasser-Minze (Mentha aquatica) und Zungen-Hahnenfuß (Ranunculus lingua) zugewachsen und war im Sommer 2003 fast ausgetrocknet.

Libellen: Trotz einiger Strukturdefizite beherbergen die Kleingewässer eine artenreiche Libellengemeinschaft. Es kommen u. a. der Vierfleck (Libellula quadrimaculata), der Plattbauch (Libellula depressa) und die Schwarze Heide-libelle (Sympetrum danae) vor.

Vegetations- und Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)

Laubbaumbestände (Kronendach)

5

Großröhricht (Art. 13 d BayNatSchG)

10

Deckung der Strauchschicht

5

Kleinröhricht (Art. 13 d BayNatSchG)

2

Trittrasen und Flutrasen

5

Unterwasservegetation (13d)

15

feuchter Moosrasen

1

Stillgewässer (offene Wasserfläche)

30

Scherrasen

50

 

 

40.2 Artenzusammensetzung

Vorkommen gefährdeter Arten: Pflanzen (alle eingebracht):  Lanzettblättriger Froschlöffel (Alisma lanceolatum), Schwanenblume (Butomus umbellatus), Hohes Zypergras (Cyperus longus), Tannenwedel (Hippuris vulgaris), Fieberklee (Menyanthes trifoliata), Spiegelndes Laichkraut (Potamogeton lucens), Zungen-Hahnenfuß (Ranunculus lingua)

Gehölze:  Schwarz-Erle (Alnus glutionosa), Wein-Rose (Rosa rubiginosa), Silber-Weide (Salix alba), Sal-Weide (Salix caprea), Bastard Sal- mit Grau-Weide (Salix caprea x cinerea), Purpur-Weide (Salix purpurea)

Gräser und Kräuter:  Riesen-Straußgras (Agrostis gigantea), Kriechender Günsel (Ajuga reptans), Gewöhnlicher Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica), Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos), Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris), Sumpf-Segge (Carex acutiformis), Raue Segge (Carex hirta), Rispen-Segge (Carex paniculata), Winkel-Segge (Carex remota), Schnabel-Segge (Carex rostrata), Gewöhnliche Sumpfbinse (Eleocharis palustris agg.), Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum), Kleinblütiges Weidenröschen (Epilobium parviflorum), Mädesüß (Filipendula ulmaria), Flutender Schwaden (Glyceria fluitans agg.), Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus), Glieder-Binse (Juncus articulatus), Zusammengedrückte Binse (Juncus compressus), Flatter-Binse (Juncus effusus), Blaugrüne Binse (Juncus inflexus), Zarte Binse (Juncus tenuis), Wiesen-Platterbse (Lathyrus pratensis), Kleine Wasserlinse (Lemna minor), Hornklee (Lotus corniculatus), Blutweiderich (Lythrum salicaria), Wasser-Minze (Mentha aquatica), Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis scorpioides agg.), Ähriges Tausendblatt (Myriophyllum spicatum), Seerose/Kulturform (Nymphaea sp.), Schilf (Phragmites australis), Schwimmendes Laichkraut (Potamogeton natans), Bunte Kronwicke (Securigera varia), Schweden-Klee (Trifolium hybridum), Schmalblättriger Rohrkolben (Typha angustifolia), Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia)

Moose: Acrocladium cuspidatum

Problempflanzen = Invasive Neophyten: Nicht vorhanden 

Besondere Pflanzengesellschaften:

  • Großröhricht/Großseggenried (Phragmition/Magnocaricion W. Koch 26, Art. 13 d BayNatSchG)

  • Wasserpflanzengesellschaften (Potamogetonetalia W. Koch 26 corr. Oberd. 79,13d)

Fauna (ohne gefährdete Arten, s. o.):  Libellen: Plattbauch (Libellula depressa); Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa), Vierfleck (Libellula quadrimaculata), Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae), Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum)

Besondere Strukturen:

  • markantes Oberflächenrelief

40.3 Nutzungen und Konflikte

Nutzung/Pflege/Zustand

Konflikt

Begründung

Hundesuhle

stark

Wassertrübung, Verschlammung, erhebliche Trittschäden

Ausstreuen von Futter in und an den Gewässern

stark

Nährstoffzufuhr, Anlocken standortfremder Tierarten und Verdrängung der heimischen Arten im und am Gewässer

Goldfischbesatz

stark

Entwertung des Gewässers für Amphibien

Häufige und vollständige Mahd nahezu der gesamten Ufersteifen bis knapp an die Wasserlinie

stark

Weitgehende Verhinderung der Entwicklung einer amphibisch-terrestrischen Ufervegetation auch in den weniger stark betretenen Bereichen; unnötig schmale oder gar lückenhafte Röhricht- bzw. Großseggengürtel an den Gewässern

Trittbelastung

mäßig

Einschränkung des Lebensraum für eine standortgemäße Ufervegetation



40.4 Pflege- und Maßnahmevorschläge

  • Die Kleingewässer sind vor allem durch individuelles Fehlverhalten der Besucher gefährdet (Trittschäden, Hundesuhle, Wasservogelfütterung, Goldfischbesatz). Wichtig ist deshalb vor allem die Information der Naturnutzer. Die schon vorhandene Infotafel ist zu wenig auffällig und zu wenig informativ.

  • Angepasstes Mahdregime für die Uferstreifen (3 Meter Breite): Maximal zweischürig (Hochsommer u d Herbst). Etwa ein Drittel der Uferstreifen sollten nur jedes zweite Jahr gemäht werden.