Stadtbedeutsames Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: Kritisch
● Schutzstatus: Ausreichend
Lage: Stadtbezirk Aubing – Lochhausen
– Langwied: Lochhausen-Süd, am Karl-Harz-Weg
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: Landschaftsschutzgebiet
Münchner Stadtbiotop-Nr.: 91, 626
ABSP-Nr.: 69
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan: Regionaler Grünzug aus
Allgemeinen Grünflächen und Wasserflächen
Flächengröße: 3,3 ha
38.1 Geschichte, Geländebeschreibung,
Vegetation: Die Ton- und Lehmvorkommen in Aubing verdanken ihre
Entstehung der Riß-Eiszeit. Der Aubinger Riedel, auf dem die hier
beschriebenen Tongruben liegen, ist ein kleiner Rest einer ausgedehnten
Grundmoräne, der nicht von Schottern der nachfolgenden Würm-Eiszeit
eingeebnet und überdeckt wurde. Als waldbedeckte Erhebung ragt der
Aubinger Riedel heute aus dem landwirtschaftlich genutzten, weitgehend
waldfreien Dachauer Moos heraus.
Am nordseitigen Unterhang und Hangfuß des
Aubinger Riedels wurde bis in die 1970er-Jahre Ton abgebaut. Ab 1980 wurde
das ehemalige, in einer weiten Geländemulde gelegene Abbaugelände mit
mehreren, z. T. wassergefüllten Gruben zu einem Erholungsgelände
umgewidmet. Es wurde ein Wegenetz angelegt, Gehölze wurden gepflanzt, eine
Gewässerfläche wurde neu aufgestaut und naturnah gestaltet. Im Südteil der
ehemaligen Grube wurden Grünlandflächen angelegt.
Der nördliche Weiher mit unregelmäßig
ovalem Grundriss wurde nach Einstellung des Tonabbaus kaum in seiner
Gestalt verändert. Sein Wasserspiegel befindet sich fünf Meter unter dem
angrenzenden Geländeniveau. Über die recht steile Böschung führen an
mehreren Stellen Trampelpfade hinab ans Ufer. Am Nord- und Südufer
ermöglichen offene Bereiche einen Aufenthalt, z.B. für Angler. Die
zugänglichen Uferabschnitte zeigen fast überall Spuren starker
Trittbelastung.
Die Wasserfläche ist nahezu
vegetationsfrei. Nur an einer Stelle haben sich an einem schlammigen
Flachufer Blauer Wasser-Ehrenpreis (Veronica anagallis-aquatica) und
Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis scorpioides) in einem lückigen
Schilfröhricht angesiedelt. Fast der gesamte Uferbereich ist mit einem
geschlossenen Gehölzsaum bewachsen, am Hangfuß stocken einige dickstämmige
Silber-Weiden (Salix alba). Hangaufwärts schließen für staunasse
(Ton)-böden charakteristische Krautfluren mit Ross-Minze (Mentha
longifolia), Gänse-Fingerkraut (Potentilla anserina) und Zaun-Winde
(Calystegia sepium) an. Auf der Ostseite des Weihers sind drei Abschnitte
der Uferböschung abgeflacht. Dort wächst eine artenreiche Fettwiese.
Der südliche Weiher hat eine Größe einem
halben Hektar, der Wasserspiegel wird durch einen Damm am Nordufer
reguliert. Überschüssiges Wasser wird über ein Rohr und eine anschließende
Rinne in den nördlich liegenden Weiher abgeführt. Über den Damm führt ein
Spazierweg.

Verlandungsvegetation im Südteil des großen Teichs: Artenreiches Mosaik
aus Röhricht, Weidengebüsch und Totholzstrukturen |
In der
Abflussrinne findet sich ein Kleinröhricht aus Bachberle (Berula
erecta) und Zungen-Hahnenfuß (Ranunculus lingua). Im durch den Schlamm
eutrophierten Umfeld haben sich dichte Bestände des Indischen
Springkrauts (Impatiens glandulifera) gebildet. Der recht seichte
Weiher erweckt einen naturnahen Eindruck, er ist inzwischen etwa zur
Hälfte mit lichtem Großröhricht zugewachsen. Es dominiert der
Breitblättrige Rohrkolben (Typha latifolia). Am Westufer kommen
außerdem Schilf (Phragmites australis) und Gewöhnliche Teichsimse
(Schoenoplectus lacustris) vor. In Ufernähe stehen an zahlreichen
Stellen mächtige Horste der Rispen-Segge (Carex paniculata). |
Im Bereich offener Wasserflächen haben sich Tannenwedel (Hippuris
vulgaris) und Südlicher Wasserschlauch (Utricularia australis)
ausgebreitet. Kleinere Flächenanteile nehmen Weiße Seerose (Nymphaea alba
/ Zuchtform), Gelbe Teichrose (Nuphar lutea) und Wasser-Knöterich
(Persicaria amphibia) ein. Im Wasser stehen auch einige, durch die
Überstauung abgestorbene Birkenstämme. Die Ufer des südlichen Weihers: In einer
flachen Bucht auf der Ostseite hat sich ein Verlandungssumpf mit einer
dichten Moosdecke aus Calliergonella cuspidata gebildet, in der
Krautschicht dominieren Gewöhnlicher Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris),
Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense) und Wasser-Knöterich (Polygonum
amphibium). Die Sumpfbildung wurde vermutlich durch eine bei der
Weiheranlage angeschnittene Hangschichtquelle eingeleitet. In einer
Sumpfzone am Südwestufer befindet sich der bisher einzige in München
bekannte Bestand des Bunten Schachtelhalms (Equisetum variegatum). Südlich
grenzt an den Weiher eine ausgedehnte, relativ blütenarme Fettwiese mit
Arten der Flutrasen und Ruderalisierungszeigern an. Das Westufer ist
weitgehend mit einem dichten Mischbaumbestand zugewachsen. Im
zugänglichen, weitgehend gehölzfreien Uferabschnitt auf der Nord- und
Nordostseite begleiten ein Trampelpfad und Flutrasen den Uferstreifen.

Angestauter Teich in der ehemaligen Tongrube:
Die in Münchner Teichen allgegenwärtigen Goldfische verhindern die
Ansiedlung der meisten Amphibien |
Amphibien: Der Aubinger Riedel stellt ein Schwerpunktgebiet des
Amphibienschutzes in München dar. Unter anderem fand sich dort das
letzte Vorkommen der inzwischen in München ausgestorbenen Gelbbauchunke
(Bombina variegata), aktuell siedelt dort der letzte bekannte
Kammmolchbestand (Triturus cristatus) / (Angaben aus ABSP, 2005).
Aufgrund der fischereilichen Nutzung sind die Weiher der ehemaligen
Tongrube aber leider für Amphibien kaum nutzbar. |
Vegetations- und Strukturtypen
(Anteilsschätzung in %)
|
Laubbaumbestände (Kronendach) |
15 |
Flutrasen |
3 |
|
Nadelbaumbestände |
2 |
Hochstaudenflur feuchter Standorte |
1 |
|
Deckung der Strauchschicht |
5 |
Großröhricht/Großseggenried (durch Art. 13 d
BayNatSchG geschützt) |
18 |
|
Gras- und Krautfluren nährstoffreicher
Standorte |
10 |
Kleinröhricht (durch Art. 13 d BayNatSchG
geschützt) |
1 |
|
Altgrasbestand/Grünlandbrache |
2 |
Schwimmblattdecke |
2 |
|
Trittrasen und Trampelpfade |
1 |
Stillgewässer (offene Wasserfläche) |
45 |
|
Initialvegetation feucht |
0,5 |
Sonstige Flächenanteile |
1 |
|
Artenreiches Extensivgrünland/Magerwiese |
7 |
|
|
38.2 Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten: Pflanzen
*= sicher angesalbt: Bunter Schachtelhalm (Equisetum variegatum),
*Tannenwedel (Hippuris vulgaris), Weiße Seerose (Nymphaea alba),
*Zungen-Hahnenfuß (Ranunculus lingua), Südlicher Wasserschlauch (Utricularia
australis); Brutvögel: Sperber (Accipiter nisus), Teichhuhn (Gallinula
chloropus), Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis), Teichrohrsänger
(Acrocephalus scirpaceus), Rohrammer (Emberiza schoeniclus); Reptilien:
Ringelnater (Natrix natrix); Amphibien: Laubfrosch (Hyla arborea/ Bestand
offenbar zusammengebrochen, letzte Nachweise der Gelbbauchunke (Bombina
variegata) von 1993 (Freiberger mdl.); Libellen: Gefleckte Heidelibelle
(Sympetrum flaveolum) ; Heuschrecken: Große Goldschrecke (Chrysochraon
dispar) / alle faunistischen Angaben aus ABSP, 2005
Gehölze: Berg-Ahorn (Acer
pseudoplatanus), Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), Schwarz-Erle (Alnus
glutinosa), Moor-Birke (Betula pubescens), Hasel (Corylus avellana),
Blut-Hasel (Corylus maxima „Purpurea“) Esche (Fraxinus excelsior), Fichte
(Picea abies), Espe (Populus tremula), Trauben-Kirsche (Prunus padus),
Schlehe (Prunus spinosa), Stiel-Eiche (Quercus robur), Brombeere (Rubus
fruticosus agg.), Himbeere (Rubus idaeus), Silber-Weide (Salix alba),
Sal-Weide (Salix caprea), Grau-Weide (Salix cinerea), Purpur-Weide (Salix
purpurea), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Sommer-Linde (Tilia
platyphyllos), Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum opulus)
Gräser und Kräuter: Kriechender Günsel
(Ajuga reptans), Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis), Wiesen-Kerbel
(Anthriscus sylvestris), Gewöhnliches Barbarakraut (Barbarea vulgaris),
Berle (Berula erecta), Wehrlose Trespe (Bromus inermis), Zaun-Winde
(Calystegia sepium), Blaugrüne Segge (Carex flacca), Raue Segge (Carex
hirta), Rispen-Segge (Carex paniculata), Wald-Segge (Carex sylvatica),
Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum),
Sumpf-Kratzdistel (Cirsium palustre), Kreuz-Labkraut (Cruciata laevipes),
Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), Wilde Karde (Dipsacus fullonum),
Gewöhnliche Sumpfbinse (Eleocharis palustris agg.), Zottiges Weidenröschen
(Epilobium hirsutum), Kleinblütiges Weidenröschen (Epilobium parviflorum),
Wiesen-Labkraut (Galium album), Sumpf-Labkraut (Galium palustre),
Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense), Flutender Schwaden (Glyceria
fluitans agg.), Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium), Glieder-Binse
(Juncus articulatus), Flatter-Binse (Juncus effusus), Blaugrüne Binse
(Juncus inflexus), Zarte Binse (Juncus tenuis), Wiesen-Platterbse (Lathyrus
pratensis), Hornklee (Lotus corniculatus), Ufer-Wolfstrapp (Lycopus
europaeus), Gewöhnlicher Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), Hoher
Steinklee (Melilotus altissima), Wasser-Minze (Mentha aquatica), Ross-Minze
(Mentha longifolia), Gelbe Teichrose (Nuphar lutea), rosablütige Form der
Seerose (Nymphaea alba), Gewöhnlicher Zahntrost (Odontites vulgaris),
Wasser-Knöterich (Persicaria amphibia), Schilf (Phragmites australis),
Gänse-Fingerkraut (Potentilla anserina), Zottiger Klappertopf (Rhinanthus
alectorolophus), Gewöhnliche Teichsimse (Schoenoplectus lacustris), Große
Fetthenne (Sedum maximum), Sumpf-Ziest (Stachys palustris), Gewöhnlicher
Beinwell (Symphytum officinale), Huflattich (Tussilago farfara),
Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia), Blauer Wasser-Ehrenpreis
(Veronica anagallis-aquatica), Zaun-Wicke (Vicia sepium)
Problempflanzen = Invasive Neophyten (1%
Deckungsanteil): Schlanke Karde (Dipsacus strigosus), Indisches
Springkraut (Impatiens glandulifera), Robinie (Robinia pseudoacacia), Späte
Goldrute (Solidago gigantea)
Besondere Pflanzengesellschaften:
-
Mädesüß- Hochstaudenflur (Filipendulion Seg. 66, Art. 13 d BayNatSchG)
-
Großröhricht/Großseggenried (Phragmition/Magnocaricion W. Koch 26)
-
Schwimmblattgesellschaften (Nymphaeion albae Oberd. 57 corr.)
-
Südliche Wasserschlauch-Gesellschaft (Utricularietum australis Müll. et
Görs 60)
-
Wasserehrenpreis-Bachberlen-Kleinröhricht (Veronico-Sietum erecti Pass.
82)
Fauna (ohne gefährdete Arten, s. o.):
Brutvögel: in LBV, 2001 wurden 35 Brutvogelarten festgestellt, darunter:
Bläßhuhn (Fulica atra), Gelbspötter (Hippolais icterina), Zaunkönig
(Troglodytes troglodytes), Amphibien: Seefrosch (Rana ridibunda), Grasfrosch
(Rana temporaria); Erdkröte (Bufo bufo) /Angaben aus ABSP,2005; Tagfalter:
Frühlings-Mohrenfalter (Erebia medusa); Libellen: Hufeisen-Azurjungfer
(Coenagrion puella), Große Pechlibelle (Ischnura elegans), Plattbauch
(Libellula depressa), Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula), Braune
Mosaikjungfer (Aeshna grandis), Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa),
Weidenjungfer (Lestes viridis), Vierfleck (Libellula quadrimaculata),
Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca), Schwarze Heidelibelle (Sympetrum
danae), Sympetrum striolatum; Heuschrecken: Gewöhnliche Strauchschrecke
(Pholidoptera griseoaptera)
Besondere Strukturen:
38.3 Nutzungen und Konflikte
|
Nutzung/Pflege/Zustand |
Konflikt |
Begründung |
|
Hohe
Trittbelastung |
mäßig-stark |
Vegetationsschäden im Uferbereich |
|
Goldfischbesatz |
mäßig-stark |
Entwertung
der Gewässer für Amphibien |
|
Füttern
von Wasservögeln und Fischen |
mäßig |
Nährstoffeintrag in die Gewässer |
|
Fehlende
Pflege (Mahd) |
mäßig |
Ausbreitung von Brennnesseln und Neophyten |
|
Grillen,
Lagern |
mäßig |
Müll,
Feuerstellen |
|
Unangeleinte Hunde |
gering |
Störung
der Uferbiozönosen, Trittschäden, Eutrophierung |
|
Naturbeobachtung / Naturerfahrung / Spazierengehen |
konfliktfrei |
|
|
Angeln |
unklar |
Evtl. sind
Angler für hohen Fischbesatz verantwortlich |
38.4 Pflege- und Maßnahmevorschläge
-
Für
das Gesamtgelände der ehemaligen Tongruben sollte ein
Besucherlenkungskonzept entwickelt werden. An den Uferbereichen des
Gewässers sollten keine Attraktionszonen (Kurzrasen, Sitzbänke) für
Griller und Sonnenanbeter entstehen. An geeigneten Stellen sollte über
Infotafeln der ökologische Wert ehemaliger Tongruben vermittelt werden.
-
Die
Gewässer haben eine hohe Bedeutung als Laichgewässer für Amphibien.
Deshalb sollte der hohe Goldfischbestand (Fressfeind) nach Möglichkeit
abgefischt werden.
-
Stark eutrophierte Bereiche und Wuchsbereiche von Neophyten sollten im
Sommer gemäht werden. Die Nährstoffzufuhr im Südosten des südlichen
Weihers sollte verringert werden. Eventuell kommen aus einer in dieser
Studie nicht identifizierbaren Quelle eutrophe Sickerwässer ins Gewässer
oder die Nährstoffe lösen sich aus hangaufwärts vorhandenen Ablagerungen.
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