Münchener Biotope - Außen2: Heide am Riemer Wäldchen

Stadtbedeutsames Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: gut
● Schutzstatus: Ausreichend

Lage: Stadtbezirk Trudering - Riem: östlich De-Gasperi-Bogen, am östlichen Ende der ehemaligen Startbahn des Verkehrsflughafens bis zur Stadtgrenze
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: kein Schutzgebiet
Münchner Stadtbiotop-Nr: 548
ABSP-Nr.: nicht erfasst
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan: Ökologische Vorrangfläche
Flächengröße: 2,9 ha

22.1 Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation: Der Nordostteil des ehemaligen Verkehrsflughafens Riem wurde in den Jahren 1996/97 als ökologische Ausgleichsfläche für die Messestadt naturnah begrünt. Auf bis zu fünfzehn Meter breiten Korridoren entlang der Erschließungswege wurden nach Abschieben des Oberbodens Magerrasenstreifen durch Aufbringen von Mähgut aus der Garchinger Heide angelegt (LBV 2000). Erst in den Jahren 1999/2000 wurde die annähernd einen Meter dicke Betondecke der früheren Startbahn aufgebrochen und beseitigt. Auf dem vollkommen ebenen, kiesigen Rohboden ist eine Wildpflanzen-Saatgutmischung eingesät worden. Die 2003 noch sehr lückige, kaum zwanzig Prozent deckende Pioniervegetation enthielt vor allem folgende Arten: Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), Brillenschötchen (Biscutella laevigata), Feld-Klee (Trifolium campestre), Begrannter Klappertopf (Rhinanthus glacialis), Natternkopf (Echium vulgare), Acker-Rittersporn (Consolida regalis).



Angelegter Pionierrasen im Bereich des ehemaligen Startbahnkopfes: rosa blühende Karthäuser-Nelken
und blau blühender Natternkopf

Östlich der abgebrochenen Startbahn hat sich eine Magerwiese entwickelt, die an manchen Stellen Kräuter der Magerrasen wie Stauden-Lein (Linum perenne) und Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris) enthält, kaum jedoch die standorttypischen Gräser. Kleinflächig zeigen sich in diesem mit Oberboden abgedeckten Bereich Störungen, z.B. durch die bereits jetzt angesiedelte Kanadische Goldrute (Solidago canadensis). Die Grasflur ist in schnurgeraden Reihen mit Wald-Kiefern und hoch aufgeasteten Stiel-Eichen bepflanzt. Die Bäume stehen dabei jeweils in weitem Abstand zueinander. Am Rand der Grasflur, wie auch an den Rändern eines weiteren Offenlandstreifens, wurden Totholzstämme abgelagert.

Auf diesem Streifen entwickelt sich ein mäßig artenreicher Halbtrockenrasen, der im jetzigen Pionierstadium auffallend viel Wundklee (Anthyllis vulneraria) enthält. Wundklee ist die Nahrungspflanze des gefährdeten Zwergbläulings (Cupido minimus), der sich auch schon angesiedelt hat. Sehr selten kommt auch die gefährdete Steinbrech-Felsennelke (Petrorhagia saxifraga) vor. Ebenfalls mit einem Halbtrockenrasen bewachsen ist ein über zweihundert Meter langer, schmaler Grünlandstreifen im Nordwesten. Dort findet sich als floristische Besonderheit das Weidenblättrige Ochsenauge (Buphthalmum salicifolium).



Neu eingesäte Wiese mit rosaweiß blühender Bunter Kronwicke und gelb blühendem Wundklee. Im Bildhinter-grund gepflanzte Gehölze

Die zweihundert Meter langen Offenlandstreifen und der umgepflügte bzw. im Westteil noch bestehende Startbahnkopf sind inselartig in eine umzäunte Laubmischwald-Dickung eingebettet, das neu begründete „Riemer Wäldchen“. In diesem Bereich wurden 2005 auf Initiative des Arbeitskreises Ökologie im Umweltnetz München Ost einige Kleingewässer für die vom Aussterben bedrohte Wechselkröte angelegt. Sie sollen einen gewissen Ausgleich dafür schaffen, dass der Landschaftsarchitekt Vexlard im neuen Landschaftspark Riem (130 ha), dem Zentrum der Wechselkrötenvorkommen im Münchner Osten, aus gestalterischen Erwägungen kein einziges Kleingewässer zugelassen hat. 2006 wurden die Gewässer allerdings nicht von der Wechselkröte angenommen.

Vegetations- und Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)

Laubbaumbestände (Kronendach)

1

Initialvegetation trocken

40

Nadelbaumbestände

0,3

Vegetationsfreie Fläche

5

Deckung der Strauchschicht

0,1

Artenreiches Extensivgrünland/Mager-wiese

15

Gras- und Krautfluren nährstoffreicher Standorte

0,5

Magerrasen, basenreich (Art. 13 d BayNatSchG)

30

Wärme liebende Ruderalfluren u. Säume

1

Sonstige Flächenanteile

3

Altgrasbestand/Grünlandbrache

5

 

 

22.2 Artenzusammensetzung

Vorkommen gefährdeter Arten: (alle Pflanzenarten sicher angesalbt): Brillenschötchen (Biscutella laevigata), Acker-Rittersporn (Consolida regalis), Knolliges Mädesüß (Filipendula vulgaris), Frauenspiegel (Legousia speculum-veneris), Stauden-Lein (Linum perenne), Steinbrech-Felsennelke (Petrorhagia saxifraga); Tagfalter: Zwerg-Bläuling (Cupido minimus)

Gehölze: Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea), Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna), Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), Pappel (Populus sp.), Stiel Eiche (Quercus robur), Purpur-Weide (Salix purpurea)

Gräser und Kräuter: Rotes Straußgras (Agrostis capillaris), Genfer Günsel (Ajuga genevensis), Färber-Hundskamille (Anthemis tinctoria), Wundklee (Anthyllis vulneraria), Windhalm (Apera spica-venti), Raue Gänsekresse (Arabis hirsuta), Sandkraut (Arenaria serpyllifolia), Hügel-Meister (Asperula cynanchica), Heil-Ziest (Betonica officinalis), Stein-Zwenke (Brachypodium rupestre), Zittergras (Briza media), Aufrechte Trespe (Bromus erectus), Unbegrannte Trespe (Bromus inermis), Weidenblättriges Ochsenauge (Buphthalmum salicifolium), Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos), Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia), Weg-Distel (Carduus acanthoides), Schmalblättrige Wiesen-Flockenblume (Centaurea angustifolia), Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa), Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe), Orant (Chaenorhinum minus), Wegwarte (Cichorium intybus), Wirbeldost (Clinopodium vulgare), Acker-Winde (Convolvulus arvensis), Wilde Möhre (Daucus carota), Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), Natternkopf (Echium vulgare), Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium), Schaf-Schwingel (Festuca ovina agg.), Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum), Acker-Witwenblume (Knautia arvensis), Pyramiden-Schillergras (Koeleria pyramidata), Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare), Purgier-Lein (Linum catharticum), Hornklee (Lotus corniculatus), Sichelklee (Medicago falcata), Kriechende Hauhechel (Ononis repens), Wilder Dost (Origanum vulgare), Pastinak (Pastinaca sativa), Ampfer-Knöterich (Persicaria lapathifolia), Gewöhnliches Bitterkraut (Picris hieracioides), Gelbe Resede (Reseda lutea), Begrannter Klappertopf (Rhinanthus glacialis), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor), Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria), Bunte Kronwicke (Securigera varia), Jakobs-Greiskraut (Senecio jacobaea), Nickendes Leimkraut (Silene nutans), Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris), Gras-Sternmiere (Stellaria graminea), Gewöhnlicher Beinwell (Symphytum officinale), Frühblühender Thymian (Thymus praecox), Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis), Feld-Klee (Trifolium campestre), Geruchlose Kamille (Tripleurospermum perforatum), Wiesen-Goldhafer (Trisetum flavescens), Großblütige Königskerze (Verbascum densiflorum), Schwarze Königskerze (Verbascum nigrum), Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria)

Problempflanzen = invasive Neophyten (0,2% Deckungsanteil): Kanadischer Katzenschweif (Conyza canadensis), Einjähriger Feinstrahl (Erigeron annuus), Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis), Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)

Besondere Pflanzengesellschaften:

  • Thermophile Saumstaudenfluren (Origanetalia vulgaris Th. Müll. 61)

  • Möhren-Steinkleefluren (Dauco-Melilotion Görs 66)

  • Halbtrockenrasen (Mesobromion erecti Br.-Bl. et Moor 38), Pionierstadium

  • Wildkrautfluren der Getreideäcker (Centauretalia cyani Tx. 50)

Fauna (ohne gefährdete Arten, s. o.):  Brutvögel: Feld-Lerche (Alauda arvensis), Gold-Ammer (Emberiza citronella); Tagfalter: Schornsteinfeger (Aphantopus hyperanthus), Distelfalter (Cynthia cardui), Schachbrettfalter (Melanargia galathea), Kleiner Kohlweißling (Pieris napus); Heuschrecken: Brauner Grashüpfer (Chorthippus brunneus), Gewöhnlicher Grashüpfer (Chorthippus parallelus)

Besondere Strukturen:

  • Totholzstämme;

  • hohes Blütenangebot

  • offene Rohböden

22.3 Nutzungen und Konflikte

Nutzung/Pflege/Zustand

Konflikt

Begründung

Gleichförmig nivellierter Rohboden

gering

Geringe Standort- und Strukturvielfalt

Gleichmäßig aufgebrachtes Standard-Wildpflanzensaatgut

gering bis keiner

Fehlende Differenzierung von Pflanzengemeinschaften

Einschürige Mahd der Magerrasenflächen

Konfliktfrei

Mahdregime ist den ökologischen Erfordernissen angepasst.

Spazierengehen

konfliktfrei

 


22.4 Pflege- und Maßnahmevorschläge

  • Zeitlich gestaffelte Mahd der mageren Grasfluren und Magerrasen. Einige Flächen sollten nur im zweijährigen Turnus gemäht werden, damit permanent auch Altgrasfluren vorhanden sind. Altgrasfluren sind für die Überwinterung und Entwicklung zahlreicher Tierarten der Magerrasen und Heiden essentiell.

  • Entwicklung von 2-3 m breiten Krautsäumen an den Rändern der Gehölzpflanzungen; die Säume sollten nur im zweijährigen Turnus gemäht werden.