Stadtbedeutsames Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: Kritisch
● Schutzstatus: Ausreichend
Lage: Stadtbezirk Aubing – Lochhausen –
Langwied: im Westen der Gemarkung Aubing, südlich der Bahnstrecke nach
Buchloe, nahe der Stadtgrenze
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: kleinere Teilflächen nach Art.
13d BayNatSchG geschützt
Münchner Stadtbiotop-Nr.: 81
ABSP-Nr.: 54 / die untersuchte Fläche umfasst nur einen Teilbereich
des ABSP-Objektes
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan: Ökologische Vorrangfläche
Flächengröße: 1,9 ha
37.1 Geschichte, Geländebeschreibung,
Vegetation: Das Niedermoorgebiet im Westen der Moosschwaige wurde zu
Beginn des 20. Jahrhunderts großräumig kultiviert und entwässert. Dabei
wurden hier - wie auch im gesamten übrigen Dachauer Moos - die ehemals
leicht mäandrierenden Quellbäche größtenteils verfüllt und durch tief
liegende „schnurgerade Kanäle“ mit anfänglich vegetationsfreien, hellen
Kiesufern ersetzt. Der Grundwasserspiegel sank dadurch deutlich (Ruoff
1922). Die Große Mauken, die früher Maukenbach hieß und ebenfalls ein
mäandernder Quellbach war (vgl. Top. Atlas v. Kgr. Bayern 1812 in
Schiermeier,2003), erlitt auch dieses Schicksal. Sie entspringt zwar immer
noch im Niedermoorgebiet nördlich Germerings, verläuft aber seither in
einem gleichförmigen, im Sohlbereich etwa vier Meter breiten Bett mit
naturfernem Trapez-Querschnitt.
Im südlichen Abschnitt, in dem die Mauken
die Stadtgrenze erreicht, befindet sich die Mittelwasserlinie einen Meter
unter Flur, so dass der Graben einen wirksamen Vorfluter zur
Grundwassersenkung für die angrenzenden, drainierten Grünländer darstellt.
Im nördlichen Abschnitt steht das Wasser höher an, z. T. weniger als
fünfzig Zentimeter unter Flur, dennoch grenzt hier westseitig
hochproduktives, ziemlich artenarmes Intensivgrünland an. Die
Uferböschungen sind durch wiederholte Sohlräumungen mit Baggern sehr steil
geworden. Hin und wieder treten Auskolkungen auf, die durch die
Ausbaggerungen verursacht wurden. Am Westufer sind zu vierzig Zentimeter
hohe torfig-kiesige Steilwänden entstanden. Die Gewässersohle ist kiesig
und nicht verschlammt. Längere Abschnitte sind mit Kleinröhrichten der
Bachberle (Berula erecta) oder der Kleinfrüchtigen Brunnenkresse
(Nasturtium microphyllum) bewachsen.
Die Ufer der Mauken tragen Weidengebüsche.
Das Südostufer ist durch die angrenzende Intensivnutzung des Grünlandes
stark eutrophiert. An den Ufern bleiben Reste des Mähgutes und Schlämme
aus den Grabenreinigungen liegen, was die Eutrophierung noch verstärkt.
Auf der Nordwestseite des Grabens verläuft ein Feldweg parallel zum
Fließgewässer; die dazwischen liegende Uferböschung ist vorwiegend mit
einer Mädesüß-Hochstaudenflur bewachsen. Im weiteren Verlauf grenzen wenig
entwässerte, zumindest teilweise düngefrei bewirtschaftete Extensivwiesen
an die Mauken, daher treten auf den Uferböschungen Nährstoffzeiger
gegenüber typischen Sumpfpflanzen in den Hintergrund. Abschnitte mit
Dominanz von Hochstaudenfluren wechseln mit Schilf-Landröhricht und
Sumpfseggenried, fragmentarisch sind auch noch Arten nährstoffarmer
Moorwiesen wie Zittergras (Briza media) und Großer Wiesenknopf
(Sanguisorba officinalis) vorhanden. Am Böschungsfuß sind zahlreiche
Horste der Rispen-Segge (Carex paniculata) angesiedelt. Der Mittelteil des
untersuchten Abschnitts verläuft auf eine Länge von etwa hundertdreißig
Metern am Rand eines Pappel- bzw. Schwarzerlen-Forstes. Wurzelteller
einiger umgestürzter Bäume bereichern die sonst monotone Uferstruktur. Auf
den durch Laubfall eutrophierten Böschungen dominieren artenarme
Nitrophytenfluren.

Große
Mauken im Mittellauf: Am rechten Uferrand siedelt eine Pfei-fengraswiese
mit der hoch bedroh-
ten Prachtnelke als floristische Be-sonderheit, das
linke Ufer trägt Hochstauden und Röhrichte |
Bevor die Mauken nördlich des Wäldchens die
Flur „Kalte Stauden“ erreicht, wechselt sie in einem Betonrohr die
Wegseite. Der nun auf der Ostseite verlaufende Weg ist von hier ab
unbefestigt und im weiteren Verlauf nur noch als Trampelpfad ausgebildet.
Dort befindet sich auf der östlichen Grabenböschung der floristisch
wertvollste Uferabschnitt. Die Arten-zusammensetzung ähnelt einer
Pfeifengraswiese. Ziemlich zahlreich vertreten sind Herbst-Zeitlose
(Colchicum autumnale) und Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinale),
seltener die Pracht-Nelke (Dianthus superbus) und der Wohlriechende Lauch
(Allium suaveolens), vereinzelt findet man Kugelige Teufelskralle
(Phyteuma orbiculare) und Berg-Klee (Trifolium montanum).
|
Die relative Nährstoffarmut ist vor allem der
seit fünfzehn Jahren düngefreien Bewirtschaftung der angrenzenden Wiese zu
verdanken. Auf der Westseite der Mauken ist dagegen von den noch Mitte der
1980er Jahre vorhandenen Schilfbeständen und Streuwiesenresten (vgl. Duhme
et al. 1986) infolge Entwässerung und Intensivierung nichts mehr zu
erkennen. Punktuell abgelagertes Mähgut, unzureichende Mahd und
Gülledüngung der Uferstreifen haben ihr Übriges getan. So sind typische
Feucht- oder Streuwiesenpflanzen dort kaum mehr vorhanden. |

Gefahr für die Gewässerqualität: Nicht
entferntes, verrottendes Mahd-gut entlässt seine Zersetzungspro-dukte in den
Bach
|
Vegetations- und Strukturtypen
(Anteilsschätzung in %)
|
Laubbaumbestände (Kronendach) |
18 |
wechselfeuchte Magerwiese |
6 |
|
Deckung der Strauchschicht |
13 |
Pfeifengraswiese (durch Art. 13 d BayNatSchG
geschützt) |
2 |
|
Gras- und Krautfluren nährstoffreicher
Standorte |
20 |
Mädesüß-Hochstaudenflur (durch Art. 13 d
BayNatSchG geschützt) |
5 |
|
Altgrasbestand/Grünlandbrache |
5 |
Großröhricht/Großseggenried (durch Art. 13 d
BayNatSchG geschützt) |
5 |
|
Trittrasen und Trampelpfade |
4 |
Kleinröhricht (durch Art. 13 d BayNatSchG
geschützt) |
12 |
|
Flutrasen |
1 |
Still/Fließgewässer |
20 |
|
Artenarme Fettwiese |
10 |
Sonstige Flächenanteile |
12 |
37.2 Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten: Pflanzen:
Wohlriechender Lauch (Allium suaveolens), Pracht-Nelke (Dianthus superbus);
Libellen: Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens)
Gehölze: Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus),
Schwarz-Erle (Alnus glutinosa), Grau-Erle (Alnus incana), Blutroter
Hartriegel (Cornus sanguinea), Hasel (Corylus avellana), Eingriffliger
Weißdorn (Crataegus monogyna), Gewöhnliches Pfaffenhütchen (Euonymus
europaeus), Faulbaum (Frangula alnus), Esche (Fraxinus excelsior), Liguster
(Ligustrum vulgare), Pappel (Populus sp.), Trauben-Kirsche (Prunus padus),
Stiel-Eiche (Quercus robur), Purgier-Kreuzdorn (Rhamnus catharticus),
Kratzbeere (Rubus caesius), Himbeere (Rubus idaeus), Sal-Weide (Salix
caprea), Grau-Weide (Salix cinerea), Bruch-Weide (Salix fragilis),
Purpur-Weide (Salix purpurea), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)
Gräser und Kräuter: Wohlriechender Odermennig
(Agrimonia procera), Gewöhnlicher Frauenmantel (Alchemilla vulgaris agg.),
Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris), Gewöhnliches Ruchgras (Anthoxanthum
odoratum), Glatte Gänsekresse (Arabis glabra), Raue Gänsekresse (Arabis
hirsuta), Bachberle (Berula erecta), Schlangen-Knöterich (Bistorta
officinalis), Stein-Zwenke (Brachypodium rupestre), Wald-Zwenke
(Brachypodium sylvaticum), Mittleres Zittergras (Briza media), Zaun-Winde
(Calystegia sepium), Bitteres Schaumkraut (Cardamine amara), Sumpf-Segge
(Carex acutiformis), Blaugrüne Segge (Carex flacca), Gelbe Segge (Carex
flava), Raue Segge (Carex hirta), Hirsen-Segge (Carex panicea), Rispen-Segge
(Carex paniculata), Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum), Herbst-Zeitlose
(Colchicum autumnale), Kreuz-Labkraut (Cruciata laevipes), Rasen-Schmiele
(Deschampsia cespitosa), Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum),
Wasserdost (Eupatorium cannabinum), Mädesüß (Filipendula ulmaria),
Wiesen-Labkraut (Galium album), Echtes Labkraut (Galium verum),
Bach-Nelkenwurz (Geum rivale), Wolliges Honiggras (Holcus lanatus),
Geflecktes Johanniskraut (Hypericum maculatum), Glieder-Binse (Juncus
articulatus), Platthalm-Binse (Juncus compressus), Blaugrüne Binse (Juncus
inflexus), Zarte Binse (Juncus tenuis), Wiesen-Platterbse (Lathyrus
pratensis), Feld-Hainsimse (Luzula campestris), Ross-Minze (Mentha
longifolia), Blaues Pfeifengras (Molinia caerulea), Sumpf-Vergissmeinnicht
(Myosotis scorpioides), Kleinfrüchtige Brunnenkresse (Nasturtium
microphyllum), Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea), Schilf (Phragmites
australis), Kugelige Teufelskralle (Phyteuma orbiculare), Blutwurz
(Potentilla erecta), Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis),
Geflügelte Braunwurz (Scrophularia umbrosa), Rote Lichtnelke (Silene
dioica), Wald-Ziest (Stachys sylvatica), Berg-Klee (Trifolium montanum),
Arznei-Baldrian (Valeriana officinalis agg.), Großblütige Königskerze
(Verbascum cf. densiflorum), Blauer Wasser-Ehrenpreis (Veronica
anagallis-aquatica)
Problempflanzen = Invasive Neophyten (0,5%
Deckungsanteil): Schlanke Karde (Dipsacus strigosus), Herkulesstaude
(Heracleum mantegazzianum)
Besondere Pflanzengesellschaften:
-
fragmentarische Pfeifengraswiese
(Molinion caeruleae W. Koch 26, Art. 13 d BayNatSchG)
-
Mädesüß- Hochstaudenflur (Filipendulion Seg.
66, Art. 13 d BayNatSchG)
-
Großröhricht (Phragmition W. Koch 26, Art. 13
d BayNatSchG)
-
Kleinröhricht (Veronico-Sietum erecti Pass.
82)
Fauna (ohne gefährdete Arten, s. o.):
Goldammer (Emberiza citrinella); Heuschrecken: Kurzflügelige Goldschrecke
(Chrysochraon brachyptera), Roesels Beißschrecke (Metrioptera roeseli),
Großes Heupferd (Tettigonia viridissima); Tagfalter: Schornsteinfeger
(Aphantapus hyperanthus), C-Falter (Polygonia c-album), Distelfalter
(Cynthia cardui), Kleiner Eisvogel (Limenitis camilla)
Besondere Strukturen:
-
ephemere Gewässer / Tümpel
-
abschnittsweise Uferverbau aus Tuffsteinblöcken
-
Querbauwerke: 3 kleine Durchlässe von 3 m Länge; 2 Rohrdurchlässe mit 1,2
m Durchmesser
-
Uferanbrüche
37.3 Nutzungen und Konflikte
|
Nutzung/Pflege/Zustand |
Konflikt |
Begründung |
|
Begradigtes, im Südteil stark eingetieftes Gewässerbett |
Stark |
Drainagewirkung auf das umgebende Nieder-moor, unnatürliche
Abflussverhältnisse |
|
Im
Nordteil wird noch im Abstand von 3 m zur Wasserfläche gegüllt |
Stark
|
Erhebliche
Störung der Gewässerökologie |
|
Ablagerungen von Mähgut am Uferstreifen |
stark |
Nährstoffeintrag und Ruderalisierung |
|
Sohlräumung / Ausbaggerung |
stark |
Erheblicher Eingriff in die Biozönose, weitere Eintiefung der Sohle und
Verstärkung der Drainagewirkung |
|
Zu frühe
Mahd der Uferstreifen bereits Anfang Juni |
mäßig |
Bodenbrüter können sich nicht ansiedeln, die meisten Wirbellosen haben
ihren Entwicklungs-zyklus noch nicht abgeschlossen |
|
Radfahren
am Feldweg und Trampelpfad |
konfliktfrei |
|
|
Unangeleinter Hunde |
gering |
Einer
unter mehreren Gründen, warum sich Wiesenbrüter im Gebiet nicht
ansiedeln können. |
37.4 Pflege- und Maßnahmevorschläge
-
Angepasstes
Mahd- und Düngeregime für die Uferstreifen der Entwässerungskanäle:
mindestens 3 Meter breite Uferstreifen einschürig (Herbst) oder im
zweijährigen Turnus mähen; 10 Meter breite Pufferstreifen im angrenzenden
Grünland düngefrei bewirtschaften
-
Grabenräumungen sollten grundsätzlich Natur schonend (keine
Grundräumungen, keine chemischen Mittel, nur abschnittsweise Räumung im
mehrjährigen Abstand) und ausschließlich im Spätherbst oder Winter
durchgeführt werden.
-
Das
Sukzessionsgebüsch im Südteil, das noch einige Feuchtwiesenarten aufweist,
sollte aufgelichtet werden, so dass einige Flächenteile wieder gemäht und
zu einer Feuchtwiese weiterentwickelt werden können.
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Verfilzte Schnittgutablagerungen sollten entfernt; Bereiche mit
Nitrophytenaufwuchs bereits im Sommer gemäht werden.
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