Stadtbedeutsames Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: Kritisch
● Schutzstatus: nicht Ausreichend
Lage: Stadtbezirk Thalkirchen –
Obersendling – Forstenried – Fürstenried – Solln: Thalkirchen-Süd, entlang
des Hinterbrühler Wegs
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: Landschaftsschutzgebiet (LSG)
Münchner Stadtbiotop-Nr.: 234
ABSP-Nr.: 510
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan: Wasserfläche, Ökologische
Vorrangfläche
Flächengröße: 2,6 ha
35.1 Geschichte, Geländebeschreibung,
Vegetation: Die Thalkirchner Quellen spielten für die
Trinkwasserversorgung Münchens lange Zeit eine herausragende Rolle. Ab
1452 arbeitete man an einem Plan, von den Thalkirchner Quellen eine
Fernwasserleitung in die Stadt zu bauen, ein Plan, der dann in den Jahren
1467 bis 1471 verwirklicht wurde. Das Quellwasser wurde im so genannten
„Klaffer“, einem Brunnenhaus oder einer Wasserstube gefasst, und über eine
Röhrenleitung aus ausgehöhlten Holzstangen zu den Brunnen auf dem
Marienplatz (in der Nähe des heutigen Fischbrunnens) geleitet, der nun aus
vier Messingröhren ständig fließendes Wasser lieferte (aus Rädlinger,
2004; vgl. a. Stadtwerke München, 1989). Erst 1883 als München eine
zentrale Wasserversorgung aus dem Mangfalltal erhielt, verloren die
Thalkirchener Quellen ihre Bedeutung.
Im Zusammenhang mit der Erweiterung des
Golfplatzes Thalkirchen Anfang der 1980er Jahre wurden die meisten
Hangquellen räumlich vom Maria Einsiedel Mühlbach, der vorher als
Quellsammler fungierte, getrennt. Die hydrologischen Verhältnisse des
Baches sind dadurch stark verändert.

Ungewöhnlicher Anblick in einer
Millionenstadt: natur-naher Quellbach. Der zuge-hörige Quellmoorbereich
wurde leider durch die An-lage eines Golfplatzes weit-gehend zerstört |
Das im Südteil ein bis zwei Meter breite Bachbett verläuft in leichten
Mäandern nahe dem Hangfuß des westseitigen Isarhochufers. Die Bachufer
sind mit Nagelfluh-Steinblöcken in weiten, unregelmäßigen Abständen
verbaut. Das offene Fließgewässer mit ziemlich geringer
Strömungsgeschwindigkeit beginnt im Süden an einem, in der Regel nicht
durchflossenen, Rohrauslass, der an den Floßkanal im Bereich der
Hinterbrühler Brücke angebunden ist. Der Maria Einsiedel Mühlbach wird
durch westwärts am Unterhang austretende, naturnahe Sickerquellen
gespeist. Die Quellbereiche sind mit Bitterem Schaumkraut (Cardamine
amara) und Wolligem Hahnenfuß (Ranunculus lanuginosus) bewachsen. Die
Quellen entspringen in einem Bach-Eschenwald mit der Kennart
Winkel-Segge (Carex remota) und dickstämmigen Buchen. An Werktagen im
Sommerhalbjahr mit Floßbetrieb wird die Rohrverbindung ab ca. 12 Uhr
durchflossen, sobald der Floßkanal geflutet wird. Durch die plötzliche
Flutwelle und das vor allem bei erhöhter Isarwasserführung
schwebstoffreiche Wasser gelangt Auenlehm in den sonst nur von klarem
Quellwasser gespeisten Bach. Am 20.6.2003 war das Bachbett auf den
ersten achtzig Metern bis über die Nagelfluhblöcke der Uferverbauung
mit einer Auelehmschicht überzogen. Bei erhöhter Wasserführung durch
zufließendes Isarwasser sind im Südteil abschnittsweise auch Nebenarme
bespannt. Die Flora und Fauna des Quellbaches wird dadurch erheblich
beeinträchtigt. |
Der Bach verläuft bis zu seiner Verrohrung nordwestlich des
Golfplatz-Zentralgebäudes in einer etwa zehn Meter breiten Rinne mit
Steil-böschungen. Die Rinne wird von hohen Laubbäumen überschirmt. Der
stufig aufgebaute Laubgehölzbestand wird auf der Ostseite des
Bachlaufs von Eschen dominiert, auf der Westseite überwiegen Buchen
mit oft mächtigen Stämmen. Die teils versumpften Uferzonen sind im
Südteil mit einem Komplex aus einer nitrophilen Krautflur u. a. mit
Großblütigem Springkraut (Impatiens noli-tangere) und Mädesüß
(Filipendula ulmaria), aus einem Hänge- und Winkel-Seggenbestand
(Carex pendula et remota) und jungen Laubgehölzen bewachsen. Als für
München bemerkenswerte Art wurde in der Wechselwasserzone der nur im
südlichen Alpenvorland verbreitete Berg-Ehrenpreis (Veronica montana)
nachgewiesen. Durch eine Vielzahl vegetationsfreier, vielleicht durch
die Anlage des Golfplatzes sekundär entstandener Sickerquellen und
durch Drainageauslässe erhöht sich die Wasserführung des Baches um ein
Vielfaches. Analog dazu nimmt die Breite des Bachbettes bis auf vier
Meter zu. Der Bach verläuft dann ziemlich gerade in seinem seitlich
mit Holzverschalungen verbauten Bett. Nördlich eines querenden Steges
sind manche Uferabschnitte mit Sumpfseggenried und Schilf- oder
Rohr-Glanzgras-Röhricht bewachsen. |

Eine der Sickerquellen des Mühlbachs: Im
Bildvorder-grund durchrieselter Kalk-sinter, im Bildhintergrund ein Bestand
des quell-typischen Bitteren Schaumkrauts
|
Am Eingang zum Zentralgebäude des
Golfplatzes sind, wahrscheinlich schon während der Jahre zurückliegenden
Bauphase, in die naturnahen Uferfluren die expansiven Neophyten Indisches
Springkraut (Impatiens glandulifera) und Herkulesstaude (Heracleum
mantegazzianum) eingewandert.
Nordwestlich des Golfgebäudes quert der
Hinterbrühler Weg den hier auf fünfzehn Metern Lauflänge verrohrten Bach.
Der nördlichste, hier beschriebene, Abschnitt des Baches, der an einer
Kleingartenanlage entlang führt, hat eine Breite von acht Metern und ist
mit annähernd senkrechten Nagelfluhmauern eingefasst. In dem mit einem
Wehr angestauten, nur noch träge fließenden, recht tiefen Bach siedelt ein
größerer Bestand des Wassersterns (Callitriche sp.). Nach dem Anstau
verschwindet der Bach ein weiteres Mal bis zur Nordseite der
Benediktbeurer Straße in einem Rohr. Auf der Westseite des Hinterbrühler
Wegs befindet sich in diesem Bereich ein ummauerter, vegetationsfreier
Quellweiher mit wasserreichem Abfluss zum angestauten Maria Einsiedel
Mühlbach.
Nach einer, hier nicht beschriebenen
Fließstrecke von etwa einem Kilometer mündet der Maria Einsiedel Mühlbach
im Bereich der Thalkirchner Brücke in den Isarkanal.
Die Thalkirchner Quellen: Nahe dem Ursprung
des Maria Einsiedel-Mühlbaches entspringt am Mittelhang der Isarleite eine
schwach schüttende Sickerquelle. Diese Quelle wurde im LBV-Projekt
„Quellschutz in München“ untersucht (LBV, 2004). Die Moosflora der Quelle
entspricht vergleichbaren, natürlichen Standorten im Voralpenland. Das
Starknervmoos (Palustriella commutata) bildet kleinere Tuffe aus. Der
Quellbereich ist einer der ganz wenigen Sonderstandorte innerhalb des
Stadtgebietes, dem weitgehend der Charakter ehemaliger Naturlandschaft
zukommt. Die Quelle gehört zu den für Moose bedeutendsten Bereichen im
Stadtgebiet. Die Fauna ist hingegen artenarm und nur wenig quelltypisch.
Die chemisch-physikalischen Parameter des Quellwassers weisen
Trinkwasserqualität auf.
Vegetations- und Strukturtypen
(Anteilsschätzung in %)
|
Laubbaumbestände (Kronendach) |
70 |
Quellsumpf (durch Art. 13 d BayNatSchG geschützt) |
2 |
|
Nadelbaumbestände |
0,2 |
Großröhricht/Großseggenried (durch Art. 13 d BayNatSchG geschützt) |
3 |
|
Deckung der Strauchschicht |
25 |
Kleinröhricht (durch Art. 13 d BayNatSchG geschützt) |
2 |
|
Gras- und Krautfluren nährstoffreicher
Standorte |
15 |
Fließgewässer |
15 |
|
Trittrasen und Trampelpfade |
2 |
Unterwasserpflanzen |
7 |
|
Scherrasen |
4 |
Sonstige Flächenanteile |
2 |
|
Vegetationsfreie Fläche |
1 |
|
|
35.2 Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten: Pflanzen
(*= sicher angepflanzt): *Weiß-Tanne (Abies alba), Eibe (Taxus baccata);
Köcherfliegen: Synagapetus dubitans (Hess & Heckes 2001); Wasserschnecken:
Bayerische Quellschnecke (Bythinella bavarica) / Angabe aus ABSP, 2005;
Wasserkäfer: Brychius elevatus, Riolus cupreus, Riolus subviolaceus /Angaben
aus ABSP, 2005
Gehölze: Feld-Ahorn (Acer campestre),
Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus),
Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), Blutroter Hartriegel (Cornus
sanguinea), Hasel (Corylus avellana), Buche (Fagus sylvatica), Esche
(Fraxinus excelsior), Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), Fichte (Picea
abies), Trauben-Kirsche (Prunus padus), Rote Johannisbeere (Ribes rubrum),
Alpen-Rose (Rosa cf. pendulina), Kratzbeere (Rubus caesius), Bruch-Weide
(Salix fragilis), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Winter-Linde (Tilia
cordata), Berg-Ulme (Ulmus glabra), Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum
opulus)
Gräser und Kräuter: Kriechender Günsel
(Ajuga reptans), Gewöhnlicher Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica),
Seltsamer Lauch (Allium paradoxum), Bärlauch (Allium ursinum),
Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris), Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum),
Wasserstern (Callitriche sp.), Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris),
Bitteres Schaumkraut (Cardamine amara), Sumpf-Segge (Carex acutiformis),
Hänge-Segge (Carex pendula), Winkel-Segge (Carex remota), Wald-Segge (Carex
sylvatica), Gewöhnliches Hexenkraut (Circaea lutetiana), Kohl-Kratzdistel
(Cirsium oleraceum), Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa),
Riesen-Schwingel (Festuca gigantea), Mädesüß (Filipendula ulmaria),
Wasser-Schwaden (Glyceria maxima), Großblütiges Springkraut (Impatiens
noli-tangere), Kleinblütiges Springkraut (Impatiens parviflora),
Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus), Berg-Goldnessel (Lamium montanum),
Wiesen-Platterbse (Lathyrus pratensis), Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis
scorpioides agg.), Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea), Schilf (Phragmites
australis), Hohe Schlüsselblume (Primula elatior), Scharbockskraut
(Ranunculus ficaria), Wolliger Hahnenfuß (Ranunculus lanuginosus),
Knäuelblütiger Ampfer (Rumex conglomeratus), Waldsimse (Scirpus sylvaticus),
Akeleiblättrige Wiesenraute (Thalictrum aquilegifolium), Bachbunge (Veronica
beccabunga), Berg-Ehrenpreis (Veronica montana)
Problempflanzen = Invasive Neophyten (0,2%
Deckungsanteil): Schlanke Karde (Dipsacus strigosus), Herkulesstaude
(Heracleum mantegazzianum), Indisches Springkraut (Impatiens glandulifera)
Besondere Pflanzengesellschaften:
-
Großröhricht/Großseggenried
(Phragmition australis W. Koch 26, Magnocaricion W. Koch 26, Art. 13 d
BayNatSchG)
-
Bach-Eschenwald (Carici remotae-Fraxinetum W. Koch ex Faber 36)
-
Quellfluren, Waldsümpfe (Montio-Cardaminetalia Pawl. 28, Art. 13 d
BayNatSchG)
-
Wasserpflanzengesellschaften der Fließgewässer (Ranunculion fluitantis
Neuh. 59)
Fauna (ohne gefährdete Arten, s. o.):
Zilpzalp (Phylloscopus collybita), Zaunkönig (Troglodytes troglodytes),
Grasfrosch (Rana temporaria)
Besondere Strukturen:
-
Kleinrelief
-
dickstämmige Bäume (über 75 cm Stammdurchmesser)
-
Totholz/Totholzlagerhaufen
-
Sickerquellfluren
-
wechselnde Bettbreite bzw. Strömung
-
Schlick-/Schlammufer
35.3 Nutzungen und Konflikte
|
Nutzung/Pflege/Zustand |
Konflikt |
Begründung |
|
Angrenzender Golfplatz |
stark |
Direkte
Zerstörung des zugehörigen Quellhanges (s. Biotop Nr. 26) |
|
Künstliche
Anbindung an den Floßkanal, mit plötzlichen Flutungen bei Floßbetrieb |
mäßig |
Schlammeintrag in das Bachgerinne; die unnatürliche Wasserführung
beeinträchtigt die Ökologie des Quellbaches. |
|
zwei über
15 m lange verrohrte Bachabschnitte |
mäßig |
Unterbrechung der Durchgängigkeit in Längsrichtung schränkt mögliche
Artenvielfalt im Gewässer stark ein |
|
Naturferne
Ufersicherung aus Steinblöcken bzw. Holzbrettern |
gering |
Typische
Ufervegetation kann sich nicht ausbilden. |
|
Ausführen
von Hunden, meist unangeleint |
gering |
Infolge
anderer, erheblicher Beeinträchtigungen kaum ins Gewicht fallend |
|
Trampelpfad am Ostufer |
gering |
Wird kaum
benutzt; zeitweilige Störungen der Tierwelt |
|
Spazieren
gehen am Hinterbrühler Weg |
konfliktfrei |
|
35.4 Pflege- und Maßnahmevorschläge
-
Das
Verbindungsrohr vom Floßkanal zum Bach ist ökologisch außerordentlich
problematisch. Zumindest bei Hochwasser sollte es geschlossen werden, da
das Bachbett sonst immer weiter verschlammt und typische Quellbachbewohner
dadurch absterben.
-
Biozid-
und Nährstoffeinträge vom angrenzenden Golfplatz in den Quellbach sollten
durch Nutzungsauflagen unterbunden werden.
-
Das
bisher noch in geringen Beständen vorkommende, aber in Ausbreitung
befindliche Indische Springkraut sollte gezielt zurückgedrängt werden
(Sommermahd, Ausreißen). Die Pflanze kann als invasiver Neophyt dominante
Einart-Bestände aufbauen.
-
Verrohrte und verbaute Bachabschnitte sollten, wo immer möglich,
renaturiert werden.
|