Münchener Biotope - Außen2: Eichenhain an der Lincolnstraße

Stadtteilbedeutsames Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: Kritisch
● Schutzstatus: Nicht Ausreichend

Lage:  Stadtbezirk Obergiesing: Stadelheim, zwischen Lincoln Straße, General-Kalb-Weg und Eisenbahnstrecke nach Deisenhofen
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: kein Schutzgebiet
Münchner Stadtbiotop-Nr.: 618
ABSP-Nr.: 713
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan: Allgemeine Grünfläche
Flächengröße: 3,0 ha

29.1 Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation: Noch 1812 reichte der Perlacher Forst im Südosten Münchens bis an die eiszeitliche Hochterassenkante. Das heutige Stadelheim, Fasangarten und die Amerikanische Siedlung waren damals noch bewaldet und der Eichenhain an der Lincolnstraße lag noch mitten im Wald (Kartengrundlage: Topographischer Atlas vom Königreich Bayern, 1812 in Schiermeier, 2003). 130 Jahre später bildete der Eichenhain einen Teil des nördlichen Waldrandes des Perlacher Forstes (Kartengrundlage: JRO-Verlag, ca. 1943 in Schiermeier, 2003). Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das Eichenwäldchen als Fragment des Perlacher Forstes inmitten der zahlreichen Nachkriegssiedlungen übrig. Das immer noch vergleichsweise lichte Waldstück dürfte ein zum Teil forstwirtschaftlich geprägter Rest der in diesem Raum früher verbreiteten Hutewälder sein. Darauf deuten die in unregelmäßigem ziemlich weitem Abstand zueinander stehenden alten Stiel-Eichen (Quercus robur) hin, welche den Bestand dominieren. In Hutewäldern wurde früher das Vieh (Rinder oder Schafe) „gehütet“, durch die regelmäßige Beweidung wurde ein Kronenschluss der Strauch- und Baumschicht verhindert.

Ein dichtes Netz von Trampelpfaden durchzieht den Mittel- und Südteil des Wäldchens. Insbesondere die Randbereiche des Südteils sind gekennzeichnet durch dichten Strauchunterwuchs. Vor allem siedeln dort Schlehe (Prunus spinosa), Hasel (Corylus avellana) sowie reichliche Naturverjüngung der Eiche (Quercus sp.) und anderer Laubbäume. Sehr kleinräumig findet man in Lichtungen auch Schlagflur-Gesellschaften mit Himbeere (Rubus idaeus) und Kratzbeere (Rubus caesius). Im Südwesten nehmen Laubholz-Dickungen mit hohem Anteil an Spitz-Ahorn (Acer platanoides) zwei über fünfhundert Quadratmeter große Bereiche ein, die von einer ebenso großen, grasreichen Lichtung etwas aufgelockert werden.



An der Ostseite des Eichenhains wurde der Krautsaum durch die Nutzung als Lagerfläche zerstört

Am östlichen Rand ist ein etwa fünfzehn Meter breiter Waldmantel mit Sal-Weide (Salix caprea), Schlehe (Prunus spinosa) und Hasel (Corylus avellana) ausgebildet. Ein Krautsaum fehlt jedoch, weil die ursprüngliche Vegetation abgetragen und durch eine verdichtete Kiesfläche im Anschluss an den befestigten Weg ersetzt wurde. An einer Stelle wurde direkt in die ehemalige Waldsaumzone ein über einen Meter hoher Kieshaufen abgelagert. Weiter waldeinwärts erstreckt sich in Nord-Südrichtung ein etwa acht Meter breiter Lichtungsstreifen mit einer relativ nährstoffarmem Grasflur und Gehölzaufwuchs.

In der Mitte des Eichenhains blieb eine Lichtung mit einem Reliktbestand der hier früher typischen Hartwiesen erhalten. Neben den charakterisierenden Kleinseggen (Carex flacca et caryophyllea) kommt noch die gefährdete Knollige Spierstaude (Filipendula vulgaris) vor. Zwar wachsen bisher nur vergleichsweise wenige, noch niedrige Junggehölze auf, allerdings beginnen auch hier Himbeeren (Rubus idaeus) und Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos) sich in die floristisch noch hoch-wertigen Bereiche auszubreiten. Im Nordwesten grenzt ein Sportplatz an den Wald. Der offenbar nur selten genutzte Platz ist weitgehend von einem Maschendrahtzaun umgeben und größtenteils mit einem Blumenrasen bewachsen. Im sonst recht naturnahen Wäldchen stellt er einen störenden Fremdkörper dar.
Die Krautschicht ist dichtwüchsig, eigentlich für diesen Waldtyp charakteristische Frühlings-Geophyten fehlen jedoch. In vielen Bereichen ist der Aufwuchs junger Eichen ausgesprochen dicht. Auf der Nordseite, neben der Lincolnstraße ist am Waldrand ein zwischen drei und sechs Meter breiter Grassaum entwickelt, der jedoch arten- und blütenarm ist. Auf der Westseite hat sich im Unterwuchs einiger alter, ziemlich dickstämmiger Fichten eine nitrophile, ruderalisierte Grasflur ausgebreitet.


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Eichenhain mit breitem, artenreichem Krautsaum in der Nähe des Sportplatzes

Vegetations- und Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)

Laubbaumbestände (Kronendach)

75

Altgrasbestand/Grünlandbrache

10

Nadelbaumbestände

1

Trittrasen und Trampelpfade

2

Deckung der Strauchschicht

50

Initialvegetation trocken

0,2

Gras- und Krautfluren nährstoffreicher Standorte

3

Blumenrasen

10

Wärmeliebende Ruderalfluren und Säume

1

Sonstige Flächenanteile

5

29.2 Artenzusammensetzung

Vorkommen gefährdeter Arten: Pflanzen: Knollige Spierstaude (Filipendula vulgaris); Brutvögel: Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus), Feldsperling (Passer montanus), Pirol (Oriolus oriolus), Waldlaubsänger (Phylloscopus sibilatrix) Grünspecht (Picus viridis) /faunistische Arten aus ABSP, 2005

Gehölze: Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Hainbuche (Carpinus betulus), Hasel (Corylus avellana), Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna), Gewöhnliches Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), Fichte (Picea abies), Vogel-Kirsche (Prunus avium), Schlehe (Prunus spinosa), Stiel-Eiche (Quercus robur), Hunds-Rose (Rosa canina agg.), Himbeere (Rubus idaeus), Sal-Weide (Salix caprea), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Eberesche (Sorbus aucuparia)

Gräser und Kräuter:  Wohlriechender Odermennig (Agrimonia procera), Kriechender Günsel (Ajuga reptans), Gewöhnlicher Frauenmantel (Alchemilla vulgaris agg.), Bärlauch (Allium ursinum), Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum), Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos), Weiße Segge (Carex alba), Frühlings-Segge (Carex caryophyllea), Blaugrüne Segge (Carex flacca), Wald-Segge (Carex sylvatica), Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium), Knollige Spierstaude (Filipendula vulgaris), Wald-Erdbeere (Fragaria vesca), Echte Nelkenwurz (Geum urbanum), Hornklee (Lotus corniculatus), Feld-Hainsimse (Luzula campestris), Blutwurz (Potentilla erecta), Knotige Braunwurz (Scrophularia nodosa), Schmalblättriger Arznei-Baldrian (Valeriana cf. wallrothii), Hain-Veilchen (Viola riviniana)

Problempflanzen = Invasive Neophyten: keine festgestellt

Besondere Pflanzengesellschaften:

  • Eichen-Hainbuchenwald (Carpinion betuli Issl. 31 em. Oberd. 53)

Fauna (ohne gefährdete Arten, s. o.): Eichhörnchen (Sciurus vulgaris), Zilpzalp (Phylloscopus collybita), Buntspecht (Picoides major), Grünspecht (Picus viridis)

Besondere Strukturen:

  • dichtes Gebüsch

29.3 Nutzungen und Konflikte

Nutzung/Pflege/Zustand

Konflikt

Begründung

Erdbaumaßnahmen / Gewerbliche Nutzung auf der Ostseite

stark

Starke Staubentwicklung, vollständig zerstörter Krautsaum

Sperrmüllablagerungen und sonstige Vermüllung vor allem im östlichen Randbereich

mäßig bis stark

Beeinträchtigung und Störung des Lebensraums

Dichtes Trampelpfadsystem

mäßig bis stark

Direkte Zerstörung der Vegetations-decke,  Zerschneidung der Gehölzbestände

Fehlende Wald-Außensäume

mäßig

Dem Wäldchen fehlt damit ein für die Ansiedlung vieler Tier- und Pflanzenarten notwendiges Habitat

Ausführen unangeleinter Hunde auf den zahlreichen Trampelpfaden

mäßig

Häufige Störungen entwerten das Gebiet für störanfällige Tierarten (Bodenbrüter, Feldhase u. a.)

Fehlende Mahd oder Beweidung der grasreichen Lichtungen

mäßig

Verbuschung der Wiesenlichtungen führt zum Verlust Licht liebende Arten

Sportplatz im Nordwesten

gering

Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, Barriere für an den Lebensraum Wald gebundene

Spazieren gehen

konfliktfrei

 



29.4 Pflege- und Maßnahmevorschläge

  • Der östliche Rand des Biotops wird durch die angrenzende gewerbliche Nutzung stark beeinträchtigt (Müll, Bodenverdichtung). Wahrscheinlich kann eine Verbesserung des Zustandes nur durch einen massiven Zaun erreicht werden.

  • Entfernung des Mülls im Bereich der östlichen Randzone

  • Das dichte Trampelpfad-System sollte ausgedünnt werden. Weniger häufig begangene Pfade könnten durch Sperrungen mit Gehölzschnitt unattraktiv gemacht werden.

  • Einige Lichtungsbereiche sollten als extensive Wiese (Herbstmahd) gepflegt werden, um die noch vorhandene, bedeutsame Flora der Hartwiesen langfristig zu erhalten.

  • Für den selten genutzten Sportplatz sollte der Bedarf geprüft werden. Eine Auflassung und Umwandlung in eine Blumenwiese wäre eine sinnvolle Alternative.

  • Die Gehölzsäume auf der Nord- und Nordwestseite sollten alle zwei Jahre im Herbst oder Vorfrühling gemäht werden.