Münchener Biotope - Außen2: Feldmoching, Landwirtschaftsflächen im Krenmoos

Stadtbedeutsames Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: Kritisch
● Schutzstatus: Ausreichend

Lage: Stadtbezirk Feldmoching - Hasenbergl: Landwirtschaftsflächen zwischen Feldmoching, Karlsfeld und dem Schwarzhölzl
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: Landschaftsschutzgebiet (LSG)
Münchner Stadtbiotop-Nr.: 9, 11 (entsprechen kleineren Teilen der Gesamtfläche)
ABSP-Nr.: ergänzen: 319-324 (entsprechen kleineren Teilen der Gesamtfläche, vor allem Gräben und Galeriegehölze)
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan: Flächen für Landwirtschaft, Wasserflächen, Ökologische Vorrangflächen
Flächengröße: 244 ha

31.1 Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation: Das Dachauer Moos wurde nach Gründung der Bayerischen Moorkulturanstalt 1895 zu Beginn des 20. Jahrhunderts großräumig kultiviert und entwässert. Bereits damals wurden im Gebiet zwischen Schleißheim und Karlsfeld Streuwiesen durch Mistdüngung und Kunstdünger zu Futterwiesen umgewandelt. Dabei verschwanden die typischen Moorpflanzen. 1920 und 1921 wurden etwa 2200 Tagwerk (ca. 700 Hektar) naturnahe Moorflächen umgeackert. Der aus dem zuvor quellreichen Krenmoos entspringende Kalterbach ist „in seiner ursprünglichen Form verschwunden und wurde durch schnurgerade Kanäle ersetzt“ (Ruoff, 1922).

Die heute weitgehend ausgeräumte Landschaft östlich von Karlsfeld wird einzig durch die Galeriegehölze des schnurgerade verlaufenden Würmkanals untergliedert. Nahezu das gesamte Gebiet wird intensiv ackerbaulich genutzt. Vorwiegend werden Gerste, Weizen, Mais und Kartoffeln und auf wenigen Schlägen Raps und Roggen angebaut. Im Norden, anschließend an das Naturschutzgebiet „Schwarzhölzl“, befindet sich artenarmes Wirtschaftsgrünland. Im Südostteil werden mehrere Hektar auch mit Freiland-Gemüse, u. a. Gurken bestellt, welche ebenso wie manche Kartoffeläcker im Bedarfsfall beregnet werden. Wenige Parzellen waren 2003 mit einer Klee- bzw. Gräsermischung eingesät. Nur ein sehr weitmaschiges Netz aus unversiegelten Feldwegen mit einigen in der Feldflur endenden Graswegen bzw. Schotterfahrstreifen mit Trittrasen erschließt das Gebiet. Der 1,3 km lange Abschnitt des Würmkanals wird von keinerlei Verkehrswegen gequert und trennt somit ein südliches Teilgebiet streng von einem nördlichen. Der Würmkanal selbst ist recht seicht, er hat eine Breite von etwa zehn Metern und eine gleichmäßige, träge Fließgeschwindigkeit. Die Galeriegehölze sind stufig aufgebaut, die Strauchschicht ist artenreich. Die Baumschicht wird überwiegend von über dreißig Meter hohen Hybrid-Pappeln dominiert, stellenweise sind auch Eschen (Fraxinus excelsior) in großer Anzahl und mächtige Schwarz-Erlen (Alnus glutinosa) enthalten. Südseitig ist abschnittsweise ein Strauchmantel mit viel Schwarzem Holunder (Sambucus nigra) ausgebildet. An mehreren, ziemlich lichten Stellen fliegt die Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens) - manchmal in hoher Zahl.

Ackerraine mit mehr als eineinhalb Metern Breite sind nur am Südrand des Gebietes, entlang des kiesigen Bankettes der Karlsfelder Straße, und beiderseits der Würmhölzlstraße vorhanden. Entlang der beiden Straßen wurden vor einigen Jahren Bäume, vor allem Eschen, gepflanzt. Sehr schmale, nur etwa einen Meter breite Raine begleiten noch manche Feldwegabschnitte. Sie werden aber meist bereits im Juni gemäht und erfüllen daher so gut wie keine ökologische Funktion. Zwischen den Ackerschlägen fehlen Raine völlig.



Charakteristisches Landschaftsbild
im Krenmoos: Eine lückige Reihe
alter Silberweiden stellt das einzige prägende Landschaftselement in-mitten der großen Ackerschläge dar

Gehölze finden sich im immerhin fast zweieinhalb Quadratkilometer großen Gebiet nur sehr spärlich. In der Südhälfte beschränkt sich das Gehölzvorkommen auf zwei jeweils weniger als einen Hektar große Hybridpappelbestände. Außerdem finden sich einige Solitärbäume, vor allem große Silber-Weiden (Salix alba). Eine etwa zweihundert Meter lange, neu angelegte Laubholzhecke wirkt noch recht kümmerlich. In der Nordhälfte stockt der bedeutendste Baumbestand entlang des Kalterbachs. Der dortige Laubgehölzstreifen wird von einem nahezu geschlossenen, stufig aufgebauten Galeriegehölz aus Schwarz-Erlen und Silber-Weiden begleitet. Dieser Bestand erinnert physiognomisch noch entfernt an einen Moorwald.

Das Landschaftsbild wird außerdem von einer größeren Anzahl hoher Silber-Weiden geprägt, die den südlich an das Natur-schutzgebiet „Schwarzhölzl“ anschließenden kleinen Graben und die anschließenden Feldwege säumen. Entlang von Hecken und Feldgehölzen ausgebildete Brennnessel-säume oder Hochstaudenfluren werden fast komplett bereits im Juni gemäht und sind daher artenarm. Am nordöstlichen Rand des ziemlich ausgedehnten Wirtschaftsgrünlands am Naturschutz-gebiet „Schwarzhölzl“ ist neben dem Feldweg entlang des Kalterbachs ein gut tausend Quadratmeter großes, naturnahes Moorgehölz aus Wald-Kiefern (Pinus sylvestris), Ebereschen (Sorbus aucuparia) und einigen Sträuchern erhalten geblieben. Infolge der Moorsackung während der letzten hundert Jahre befinden sich die mächtigen mit Moosen bewachsenen Wurzelteller der Bäume heute bis zu dreißig Zentimeter über der Bodenoberfläche.



Durch Entwässerung verursachte Moorsackung im Krenmoos: Die Wurzeln alter Kiefern liegen über der weggesackten Bodenoberfläche

Vegetations- und Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)

Laubbaumbestände (Kronendach)

4

Mädesüß - Hochstaudenflur

<0,1

Nadelbaumbestände

0,5

Gemüseanbau

6

Deckung der Strauchschicht

1

Acker/junge Ackerbrache

77

Gras- und Krautfluren nährstoffreicher Standorte

2

Wasserpflanzen

<0,1

Altgrasbestand/Grünlandbrache

0,5

Still/Fließgewässer

1

Trittrasen und Trampelpfade

1

Sonstige Flächenanteile

1

Artenarme Fettwiese

8

 

 

31.2 Artenzusammensetzung

Vorkommen gefährdeter Arten: Heuschrecken: Kurzflüglige Beißschrecke (Metrioptera brachyptera) /Reimann, 2004; Libellen: Gebänderte Prachtlibellen (Calopteryx splendens), Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale), Kleiner Blaupfeil (Orthetrum coerulescens) /Vorkommen Kalterbach aus ABSP,2005; Köcherfliegen: Allotrichia pallicornis, Brachycentrus subnubilus /Vorkommen Würmkanal aus ABSP, 2005; Eintagsfliegen: Caenis rivulorum /Vorkommen Würmkanal aus ABSP, 2005; Wasserwanzen: Gerris najas /Vorkommen Würmkanal aus ABSP, 2005; Wasserkäfer: Gefurchter Klauenkäfer (Stenelmis canaliculata), Riolus subviolaceus /Vorkommen Würmkanal aus ABSP, 2005

Gehölze: Feld-Ahorn (Acer campestre), Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Schwarz-Erle (Alnus glutinosa), Moor-Birke (Betula pubescens), Hainbuche (Carpinus betulus), Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea), Hasel (Corylus avellana), Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna), Gewöhnliches Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), Esche (Fraxinus excelsior), Walnuss (Juglans regia), Liguster (Ligustrum vulgare), Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), Fichte (Picea abies), Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), Hybrid-Pappel (Populus x hybrida), Vogel-Kirsche (Prunus avium), Trauben-Kirsche (Prunus padus), Schlehe (Prunus spinosa), Stiel-Eiche (Quercus robur), Hunds-Rose (Rosa canina agg.), Kratzbeere (Rubus caesius), Himbeere (Rubus idaeus), Silber-Weide (Salix alba), Grau-Weide (Salix cinerea), Bruch-Weide (Salix fragilis), Purpur-Weide (Salix purpurea), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Eberesche (Sorbus aucuparia), Winter-Linde (Tilia cordata), Wolliger Schneeball (Viburnum lantana)

Gräser und Kräuter: Gewöhnliche Hundspetersilie (Aethusa cynapium), Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris), Acker-Windhalm (Apera spica-venti), Große Klette (Arctium lappa), Kleine Klette (Arctium minus), Sandkraut (Arenaria serpyllifolia), Kamtschatka-Beifuß (Artemisia verlotiorum), Gewöhnlicher Beifuß (Artemisia vulgaris), Garten-Melde (Atriplex hortensis), Schwarznessel (Ballota nigra), Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum), Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos), Orant (Chaenorhinum minus), Rüben-Kälberkropf (Chaerophyllum bulbosus), Echte Kamille (Matricaria recutita), Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum), Acker-Winde (Convolvulus arvensis), Wilde Möhre (Daucus carota), Stinkrauke (Diplotaxis tenuifolia), Hühnerhirse (Echinochloa crus-galli), Riesen-Schwingel (Festuca gigantea), Schaf-Schwingel (Festuca ovina agg.), Mädesüß (Filipendula ulmaria), Kriechende Quecke (Elymus repens), Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum), Weichhaariger Hohlzahn (Galeopsis pubescens), Pyrenäen-Storchschnabel (Geranium pyrenaicum), Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium), Wilder Hopfen (Humulus lupulus), Kleinblütiges Springkraut (Impatiens parviflora), Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus), Gewöhnlicher Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), Sichelklee (Medicago falcata), Weißer Steinklee (Melilotus alba), Ross-Minze (Mentha longifolia), Gewöhnlicher Sauerklee (Oxalis acetosella), Wasser-Knöterich (Persicaria amphibia), Ampfer-Knöterich (Persicaria lapathifolia), Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea), Schilf (Phragmites australis), Große Bibernelle (Pimpinella major), Flutender Hahnenfuß (Ranunculus fluitans), Wilde Sumpfkresse (Rorippa sylvestris), Weiße Lichtnelke (Silene alba), Sumpf-Ziest (Stachys palustris), Wald-Ziest (Stachys sylvatica), Gewöhnlicher Beinwell (Symphytum officinale), Feld-Klee (Trifolium campestre), Schweden-Klee (Trifolium hybridum), Arznei-Baldrian (Valeriana officinalis agg.), Schwarze Königskerze (Verbascum nigrum)

Problempflanzen = Invasive Neophyten (0,5% Deckungsanteil): Zurückgekrümmter Amaranth (Amaranthus retroflexus), Kanadischer Katzenschweif (Conyza canadensis), Schlanke Karde (Dipsacus strigosus), Einjähriger Feinstrahl (Erigeron annuus), Japanischer Flügelknöterich (Fallopia japonica), Bewimpertes Franzosenkraut (Galinsoga ciliata), Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum), Indisches Springkraut (Impatiens glandulifera), Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis), Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)

Besondere Pflanzengesellschaften:

  •  Mädesüß-Hochstaudenflur (Filipendulion  Seg. 66)

  •  ansatzweise Erlen-Sumpfwald (Alnetalia glutinosae Tx. 37)

Fauna (ohne gefährdete Arten, s. o.): Brutvögel Feldlerche (Alauda arvensis) /nach Reimann in 2004 7 singende Männchen), Mäuse-Bussard (Buteo buteo), Turm-Falke (Falco tinnunculus), Goldammer (Emberiza citrinella), in LBV, 2000 werden mehr als 30 Brutvogelarten angegeben, darunter: Pirol (Oriolus oriolus), Baumpieper (Anthus trivialis), Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris); Tagfalter: Schornsteinfeger (Aphanthopus hyperanthus), Landkärtchen (Araschnia levana), Distelfalter (Cynthia cardui), Großes Ochsenauge (Maniola jurtina), Großer Kohlweißling (Pieris brassicae); Heuschrecken: Gewöhnlicher Grashüpfer (Chorthippus parallelus), Nachtigall-Grashüpfer (Chorthippus biguttulus), Roesels Beißschrecke (Metrioptera roeseli), Gewöhnliche Strauchschrecke (Pholidoptera griseoaptera), Grünes Heupferd (Tettigonia viridissima),

Besondere Strukturen:

  •  dickstämmige Bäume

  •   horizontale bemooste Wurzelteller

31.3 Nutzungen und Konflikte

Nutzung/Pflege/Zustand

Konflikt

Begründung

Entwässerung des gesamten Niedermoors; Kanalisierung sämtlicher Moorbäche

stark

Moor-Degradation mit den Folgen: Torfmineralisation und Moorsackung, Stickstofffreisetzung in die Gewässer und Atmosphäre

Starke Eutrophierung der meisten Feldgehölzränder durch Düngereinträge und stellenweise auch durch landwirtschaftliche Ablagerungen

stark

Verlust der meisten nicht unmittelbar landwirtschaftlich genutzten Flächen als Rückzugsraum für Flora und fauna

Landwirtschaftliche Intensivnutzung mit Biozideinsatz, großen Schlägen und allenfalls schmalen Rainen

mäßig-stark

Struktur- und Artenarmut im Gebiet

Zu frühe Mahd der meisten Ackerraine bereits Mitte Juni

mäßig

Entwertung des Gebietes für Wiesenbrüter und für spät blühende Pflanzen und für zahlreiche Wirbellose mit Hauptentwicklung im Sommer

Spazieren gehen, Joggen, Hunde ausführen

konfliktfrei

In der landwirtschaftlich intensiv genutzten Landschaft kommen keine störanfälligen Arten mehr vor



31.4 Pflege- und Maßnahmevorschläge

  • Als Vernetzungsstrukturen innerhalb der ausgeräumten Agrarlandschaft sollte ein System von miteinander verbundenen Ackerrainen entwickelt werden. Diese Randstreifen sollten eine Breite von mindestens 1,5 Metern haben. Ackerrandstreifen können durch Herbizidverzicht und eine Mahd im ein- bis zweijährigen Turnus entwickelt werden.

  • Abtransport und Kompostierung der an den Gehölzrändern abgelagerten landwirtschaftlichen Abfälle

  • Der giftige, stark expansive Riesen-Bärenklau hat sich entlang des Würmkanals ausgebreitet. Am besten ist er durch Ausgraben der Stauden im Vorfrühling und Frühling zu bekämpfen.

  • Um die Feldgehölze und beiderseits der Galeriegehölze entlang des Würmkanals sollten mehrere Meter breite Krautsäume entwickelt werden.

  • Im gesamten Gebiet sollte der Wasserhaushalt vertieft untersucht und ggf eine partielle Wiedervernässung geprüft werden. Das derzeitige Drainagesystem wirkt sich negativ auf den Wasserhaushalt des Naturschutz- und FFH-Gebietes Schwarzhölzl aus.